„Das Wunder“ von Wehringhausen

Werbung für ein neues Eltern-Kind-Café in Wehringhausen. Ines Paukstadt und Denise Souza-Streitmater (vorn, Mitte) werden sich um Café und Kinderbetreuung kümmern. Ihnen zur Seite stehen das Sozialraumteam Wehringhausen und die Stiftung der Sparkasse Hagen, die das Projekt erst möglich gemacht hat. (Foto: A. Schneider)

Hagen. (as) Soziales Engagement sind nicht bloß zwei Worte. „Jeder hat eine Lobby. Nur eine Gruppe nicht: die Kinder“, sagt Frank Walter. Dieser Aussage lässt der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Hagen mit Unterstützung von Kurotorium und Vorstand der Sparkassen-Stiftung Taten folgen.

Mit insgesamt 35.000 Euro unterstützt die Stiftung der Sparkasse Hagen den Start eines Eltern-Kind-Cafés in Wehringhausen. Einmal pro Woche können Eltern künftig im Eltern-Kind-Café in der Kindertageseinrichtung „Amalie Sieveking“ gemeinsam frühstücken, klönen und neue Kontakte knüpfen. Kinder können miteinander spielen. Sie können aber auch aufgefangen werden, bevor sie in Not geraten. Damit sie, wenn sie größer werden, zwar behütet, aber auch selbstbewusst die eigene Zukunft in die Hand nehmen können.

Mehr als 90 Nationen

Doch von vorn: Wehringhausen ist ein Stadtteil, wie er bunter kaum sein kann. Menschen aus mehr als 90 Nationen leben hier. Familien, denen es wirtschaftlich an nichts mangelt. Aber auch Alleinerziehende, die kaum wissen, wie sie finanziell über die Runden kommen sollen, und Familien, die kaum eine Perspektive sehen.

Wo es sozial schwierig ist, kann es passieren, dass Kinder nicht die Förderung bekommen, die möglich wäre. In Sachen Sprachkompetenz beispielsweise. Daraus wiederum können schlechtere Startchancen für Schule und Beruf erwachsen. Ein Teufelskreis. Einer jedoch, den das Sozialraumteam Wehringhaus, ein Zusammenschluss engagierter Menschen in und für Wehringhausen, durchbrechen möchte. Mit dem Eltern-Kind-Café im Amalie-Sieveking-Haus soll ein „niederschwelliges Begegnungs- und Austauschforum“ geschaffen werden. Konkret heißt das: Hier gibt’s einmal pro Woche kostenlos Frühstück für Mütter, Väter und Kinder. Hier gibt’s die Möglichkeit zu quatschen und neue Menschen kennen zu lernen. Und hier gibt’s auch, wenn erst einmal das Vertrauen gewachsen ist, die Möglichkeit nachzufragen, wie man das eine oder andere Problem meistern kann.

„Solch ein Angebot bietet die Möglichkeit, präventiv einzugreifen, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist“, sagt Reinhard Goldbach. Er engagiert sich seitens des Jugendamtes für das Eltern-Kind-Café. Nicht um zu kontrollieren. Sondern weil er eine Chance sieht, dass Eltern gemeinsam mit dem neuen Netzwerk, das sie im Café knüpfen, auch lernen, sich selbst zu helfen.

„War war wie ein kleines Wunder“

Die Idee, ein Eltern-Kind-Café zu installieren, war geboren. Blieb nur noch die Frage der Finanzierung. Das Sozialraumteam sprach bei der Sparkassen-Stiftung vor. Als Frank Walter die engagierten Wehringhauser drängte, eine konkrete Summe zu nennen, mit der solch ein Café ins Leben gerufen werden könnte, waren die Team-Mitglieder überzeugt, im nächsten Moment zur Tür hinauskomplimentiert zu werden. Doch dann: „Es war wie ein kleines Wunder“, formuliert Markus Wessel vom Jugendzentrum Paulazzo für alle Sozialraumteamer. Nach Rücksprachen konnte Frank Walter zusagen, dass die Sparkassen-Stiftung dem Café eine auf drei Jahre angelegte Starthilfe gibt.

5.000 Euro Anschubfinanzierung. Anschließend maximal 10.000 Euro pro Jahr. Damit kann der Café-Raum, eine Küche im Untergeschoss des Amalie-Sieveking-Hauses, ein wenig hergerichtet werden. Damit sind Ines Paukstadt und Denise Souza-Streitmater, die beiden Honorarkräfte, die das Eltern-Kind-Café begleiten werden, bezahlt. Damit können bei Bedarf Experten zu Eltern-Schulungen eingeladen werden. Und es bleibt noch Geld für Kaffee, Brötchen und Honig fürs kostenlose Frühstück übrig. Auch die Kinderbetreuung ist übrigens kostenlos. Nur so, das glauben die Vertreter des Sozialraumteams, kommt man an nicht gerade finanziell auf Rosen gebettete Eltern heran, die sich sonst nicht in ein Café trauen würden.

Informationen in vier Sprachen

Die Informationszettel, mit denen das Sozialraumteam für das Eltern-Kind-Café wirbt, werden gerade verteilt. In vier Sprachen wenden sich die engagierten Wehringhauser an die Familien und deren Kinder. Der Startschuss soll im Januar fallen.

Drei Jahre lang ist das Eltern-Kind-Café gesichert. Und dann? „Ich bin überzeugt, dass das Projekt an Nachhaltigkeit gewinnen wird“, sagt Frank Walter. Ein neuer Träger, ein neuer Finanzier werde sich finden lassen, wenn das Eltern-Kind-Café erst einmal etabliert sei und womöglich sogar erste Erfolge aufweisen könne. Mehr Sicherheit für die Eltern, eine bessere Zukunft für die Kinder. Frank Walter: „Wenn das gelingt, geh’ ich abends mit einem guten Gefühl nach Hause.“