Delstern kämpft um seine Schule

Rita Lammerskötter, Monika Topp, ihre Kollegen und die Delsterner Kinder
Sähen die Einzügigkeit an zwei Standorten als Chance für gute schulische Arbeit: Rita Lammerskötter, Monika Topp, ihre Kollegen und die Delsterner Kinder. (Foto: Anja Schade)

Delstern. (AnS) Die Nachricht verbreitete sich vor Wochen wie ein Lauffeuer, obwohl die Meldung an sich nicht unbedingt eine Überraschung war: Die Astrid-Lindgren-Schule in Delstern, seit fünf Jahren Teilstandort der gleichnamigen Grundschule Eilpe, soll ab Sommer 2016 geschlossen werden. Geahnt hatten es vielleicht viele, trotzdem war das Entsetzen groß. Nun formiert sich der Widerstand.

Die Schullandschaft verändert sich, es gibt immer weniger Kinder. Eine von vielen Konsequenzen: Schulen schließen. Wie bereits im Volmetal und in Kückelhausen. Geht es nach dem Willen der Politik, sollen nun ab 2014 am Spielbrink und eben in Delstern die Lichter ausgehen, beide Schulen stehen vor dem Aus.

Schulleiterin Rita Lammerskötter und Lehrerin Monika Topp sehen diese Entwicklung mit großer Sorge. Sie befürchten, dass die Qualität des Unterrichts leiden wird, sollte es tatsächlich zur Schließung in Delstern kommen. Zudem würde der Stadtteil Delstern an Attraktivität verlieren. „Delstern stirbt“, befürchten Anwohner. Zumal ortsansässige Kinder den Schulhof am Nachmittag auch als Spielplatz nutzen.

Integrative Arbeit

„Beide Standorte“, berichtet Rita Lammerskötter, „leisten pädagogisch eine sehr gute Arbeit.“ Die Astrid-Lindgren-Schule hat sich seit Jahren besonders im integrativen Bereich einen Namen gemacht. Doch diese Mühen seien in Eilpe und Delstern gefährdet. Schon jetzt herrsche eine große Raumnot. 25 Kinder mit unterschiedlich schweren Behinderungen und Förderbedarf würden im Stadtteil betreut. Diese Kinder mit Handicap, zu denen unter anderem ein blindes Mädchen und Schüler mit autistischen Zügen gehören, brauchten neben der Extra-Betreuerin auch zusätzlichen Unterricht, der oft nicht mit im Klassenraum durchgeführt werden könne. In Delstern – übrigens seit vier Jahren einzügig – steht dafür ein Raum unter dem Dach zur Verfügung, der aber zusätzlich auch als Multifunktionsraum aller 94 Kinder genutzt wird. In Eilpe finde dieser Förderunterricht in der Bücherei oder in Freistunden in Klassenräumen statt. „Die Entwicklung macht vor integrativen Klassen nicht halt, dafür brauchen wir aber Platz“, erklärt Monika Topp. Würden die Delsterner jetzt nach Eilpe geschickt, würde es nach Meinung der beiden dort eng werden. Zu eng! Zumal auch immer mehr OGS-Bedarf bestünde und auch Projekte wie „Jedem Kind ein Instrument“ einen gewissen Platz bräuchten. Und die Schule in Dahl sei aufgrund der Wege absolut keine Alternative für Eilper Schüler.

Diese Gedanken um die sogenannten GU-Kinder beurteilt das Schulamt anders. „Das Gemeinsame Lernen könnte nach wie vor in der Selbecker Straße fortgeführt werden, eben nur nicht in der bisher existierenden hohen Konzentration“, heißt es dazu in einer Stellungnahme. Und weiter: „Sollte der Teilstandort Delstern auslaufend geschlossen werden, besagt dies im Prozess für Eltern eine erforderliche Umorientierung, wie sie auch bei normalen Anmeldeverfahren im Falle eines Überhanges üblich ist.“

Einzügigkeit als Chance

188 Kinder besuchen zur Zeit den Hauptstandort an der Selbecker Straße. Auch dort „bleiben“ die Kinder weg. Erstmals in diesem Jahr wird es nur eine Eingangsklasse mit rund 26 Kindern geben. Ein Raum mehr für andere Lerninhalte: Monika Topp sieht diese Entwicklung durchaus positiv. „Wir wollen beide Standorte sichern“, sind sich Lammerskötter und ihre Kollegin einig. Eilpe müsse aber in jeglicher Hinsicht geschützt werden…

Aber geht gerade die Einzügigkeit nicht auch zu Lasten der Eilper? Wäre nicht auch dieser Standort eventuell gefährdet, wenn Delstern erhalten bliebe? Beide Lehrerinnen einhellig: „Nein, wir sehen in der Einzügigkeit eine Chance, der Raumnot zu entgehen und weiterhin qualitativ gute Arbeit an unseren beiden Standorten zu leisten.“

Weniger Schüler

Dem Wunsch der Delsterner stehen die mauen Anmeldezahlen im Hagener Süden gegenüber, die Statistik spricht eine unerbittlich klare Sprache. 44 Lernanfänger wurden in diesem Jahr an beiden Schulen angemeldet, besonders in Delstern musste um die vorgegebene Klassengröße – jetzt sind es 18 Erstklässler – gekämpft werden. Und es werden kaum mehr I-Männchen: Sieht es 2014/2015 mit 51 Schülern noch ganz gut aus, werden für das Jahr 2016/17 nur noch 41 Lernanfänger vorausgesagt. Ein neuer Trend: Viele Eltern schicken ihre Sprösslinge mittlerweile auf private Schulen, um ihnen gutes Lernen in kleinen Klassen zu ermöglichen. Somit verlieren die städtischen Schulen angesichts dieser „Konkurrenz“ ihre Klientel immer weiter.

Die vorausgesagten Zahlen garantieren an der Astrid-Lindgren-Schule zunächst eine Zweizügigkeit. Aber müssen es zwei Gebäude sein? Die Politik sieht verständlicherweise die Kosten, die in einem zweiten Haus auflaufen: Strom, Wasser, Heiz- und Unterhaltungskosten müssen bezahlt werden. Von welchem Geld, wenn das Stadtsäckel leer ist?

Die Stadt rechnet bei Schließung im Laufe der Zeit mit einer Ersparnis von bis zu knapp 49.000 Euro jährlich. Da auch ein Leerstand nicht kostenfrei ist, gehen die Überlegungen in Delstern zu einer anderen städtischen Nutzung bis hin zum Verkauf des Gebäudes.

Die Lehrer wollen um ihren Delsterner Arbeitsplatz und Lernort Schule kämpfen, schlagen zum Beispiel auch die Zusammenarbeit mit anderen (Förder-)Schulen vor. Am Mittwoch, 19. Juni, wollen sie zur Bezirksvertretung gehen, um dort ihre Meinung kundzutun. „Alle, die Interesse haben, treffen sich um 15 Uhr auf dem Delsterner Schulhof“, lädt die Schulleiterin ein.