Denkmaltag 2016

Hagen. (ME) Unterstützt vom unlängst gegründeten Verein zur Rettung von Haus Harkorten, gestaltet der hiesige Architekten- und Ingenieurverein (AIV) den diesjährigen Tag des offenen Denkmals am kommenden Sonntag, 11. September. Beim AIV ist es in den letzten Jahren guter Brauch geworden, in solchen Fällen einen „blauen Tisch“ aufzubauen und unter anderem zu Diskussionsrunden einzuladen. Denn der „Blaue Tisch“ des AIV Mark-Sauerland hat sich mittlerweile zu einer etablierten und verlässlichen Marke entwickelt, die für eine städtebauliche Erörterung zwischen Bürgern, Fachleuten und Politikern steht.

Richtiger Zeitpunkt

Am „Tag des offenen Denkmals“ macht der „Blaue Tisch“
ab 11.30 Uhr Station am berühmten Haus Harkorten in Haspe, Harkortstraße. Der „Tag des offenen Denkmals“ ist der richtige Zeitpunkt, vor Ort die Erhaltungs- und Nutzungschancen des regional und überregional bedeutsamen Gutes zu erörtern.
Immerhin haben wir es hier sogar mit einem „Nationalen Denkmal“ zu tun.
Der aus mehreren Bauten – teils noch aus dem 17. Jahrhunderten – bestehende Guts- und Handelshof Harkorten ist als historisches und architektonisches Ensemble ein herausragender Geschichtsort und ein bedeutsames Baudenkmal, das gilt nicht nur für Hagen, sondern auch für das Ruhrgebiet und für ganz NRW.
Während ein größerer Teil der historisch wertvollen Guts- und Kaufmannsgebäude einschließlich der Harkortschen Fabrik an der Grundschötteler Straße bereits gerettet werden konnte, sieht das berühmteste Bauwerk dieser Häusergruppe – das 1756 errichtete sogenannte „Obere Haus“ oder auch „Herrenhaus“ – einer eher ungewissen Zukunft entgegen. Seit ungefähr sieben Jahren steht es ungenutzt vor Kopf einer Allee.
An manchen Stellen sind die Verschieferung und das darunter befindliche Fachwerk schon arg angegriffen, so dass Regen eindringen und sein Zerstörungswerk beginnen konnte.

Mehrere Millionen

Hilfe tut deshalb not. Um möglichst bald den weiteren Verfall zu stoppen, wurde von Bezirksbürgermeister Dietmar Thieser und einigen anderen Bürgern unlängst der Verein zur Rettung von Haus Harkorten gegründet. Wunder kann auch er nicht bewirken, sind doch mindestens zwei Millionen Euro für eine umfassende Renovierung nötig.
Der AIV wiederum möchte den Tag des offenen Dekmals nutzen und auf die Probleme rund um Haus Harkorten aufmerksam machen. Der frühere städtische Hagener Amtsleiter und heutige hiesige AIV-Vorsitzende Georg Thomys: „Durch eine nachhaltige Nutzung des Herrenhauses für die Öffentlichkeit könnte hier ein ‚Denk-Ort‘ entstehen, an dem die historische Dimension der Industrialisierung des Ruhrgebietes diskutiert werden kann und wo Lösungen für die gesellschaftlichen Herausforderungen der Zukunft der Industrieregion Ruhrgebiet ersonnen werden können.“
Um diese oder ähnliche Ideen und Diskussionen anzustoßen, findet der „Tag des offenen Denkmals“ ein weiteres Mal an diesem besonderen Ort statt, wie schon 2015 und 2012.
Die Moderation der Veranstaltung erfolgt durch AIV-Mitglied Johann Dieckmann. Zusammem mit seinen Mitstreitern startet Dieckmann mit dem „blauen Tisch“ vor Haus Harkorten um 11.30 Uhr.

Führungen

Schon vorher werden – ab circa 10 Uhr – im 30-Minuten-Rhythmus Besichtigungen und Erläuterungen zur Bau- und Technikgeschichte von Gut Harkorten von Michael Eckhoff (Hagener Heimatbund) und Ralf Blank (Stadtmuseum) im Wechsel angeboten. Die Teilnehmerzahl pro Führung ist begrenzt auf etwa 15 Personen. Führungen werden nach Bedarf auch noch nachmittags bis etwa 16/ 16.30 Uhr möglich sein.
Eingebunden in die Veranstaltung sind zwei Diskussionsrunden. Die erste beginnt um 11.45 Uhr und setzt sich mit Konzepten beziehungsweise Ideen zur Nutzung und Finanzierung des Baudenkmals Harkorten auseinander. An der Runde nehmen unter anderem Dietmar Thieser (Bezirksbürgermeister Haspe), Michael Eckhoff (Hagener Heimatbund/ Stadtheimatpfleger), die Historiker Dr. Ralf Blank (Stadt Hagen) und Dr. Uwe Beckmann (Hagener Freilichtmuseum) sowie voraussichtlich mehrere Politiker teil.
Nach einer Pause zwischen 12.45 Uhr und 13 Uhr folgt eine zweite Diskussionsrunde, bei der unter anderem die Sanierungserfordernisse und Erfahrungen aus bereits durchgeführten Maßnahmen auf der Agenda stehen. Als Gesprächspartner sind Denkmalpfleger und weitere Experten sowie abermals Politiker vorgesehen. Gegen 14 Uhr soll diese Runde ausklingen.

Sommerfest

Eine Anmeldung ist natürlich nicht erforderlich. Für Kaffee und Kuchen ist gesorgt. Im Anschluss wird es nicht nur – wie erwähnt – noch einige Führungen über das Gelände geben, sondern auch ein kleines „Spätsommerfest“, zu dem das Unternehmen „Belle Maison“ einlädt. Belle Maison widmet sich Kindern und Jugendlichen mit Essstörungen und unterhält hierzu mehrere Wohngruppen in Haspe. Seinen Unternehmenssitz hat Belle Maison mittlerweile im grandios restaurierten „Geburtshaus“ etablieren können.
In diesem einzigartigen Haus aus dem späten 17. Jahrhundert – es war zugleich Bauern- wie Kaufmannshaus – wurden die bedeutenden Industriepioniere Johann Caspar sowie seine Brüder Friedrich und Gustav Harkort geboren. Es war noch vor zwei Jahren fast völlig verfallen, jetzt erstrahlt es wieder im schönsten Glanze, was unter anderem dem Investor Hans Hermes, der Deutschen Stiftung Dekmalschutz (DSD) sowie auch dem SPD-Bundestagsabgeordneten René Röspel zu verdanken ist, der in Berlin eine großzügige Finanzspritze locker machen konnte.