Deppe gibt Sammeln auf

Hagen. (AnS) Über 6,6 Millionen Briefmarken: Jede einzelne hat sie in der Hand gehabt, gezählt, sortiert und an die Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel weitergeleitet. Jetzt ist für Marie-Luise Deppe Schluss, die 77-Jährige kann die gezackten Papierchen aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr annehmen.

Jahrelang kannten sie die Hagener als Briefmarkensammlerin für den guten Zweck: Jetzt muss Marie-Luise Deppe ihre Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen aufgeben.(Foto: Anja Schade)
Jahrelang kannten sie die Hagener als Briefmarkensammlerin für den guten Zweck: Jetzt muss Marie-Luise Deppe ihre Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen aufgeben.(Foto: Anja Schade)

Viele Volmestädter werden sie kennen und vielleicht den einen oder anderen Umschlag für sie von der gestempelten Marke „befreit“ haben: 1968 kam die Hagenerin das erste Mal mit dem Postwertzeichen in Berührung. Marie-Luise Deppe besuchte krankheitsbedingt die Werkstatt zur Beschäftigungstherapie in Bethel. „Dort sah ich Badewannen voll mit Briefmarken“, erzählt sie. „Sie schwammen im Wasser, um von der Rückseite das Papier der Umschläge zu lösen.“ Ihre Neugier war geweckt: „So erfuhr ich, dass es sieben Arbeitsgänge braucht, um die Briefmarken wieder ’schön’ und verwertbar zu machen.“

Ihr erster Kontakt hatte Folgen: Rund zwei Wochen, nachdem sie sich – zurück in ihrer Heimatstadt – als Spendensammlerin im Lokalfernsehen und in der Zeitung vorgestellt hatte, standen bereits sechs volle blaue Säcke in ihrer kleinen Wohnung. „Mit der Reaktion habe ich nicht gerechnet“, lacht die Hagenerin, die vom ersten Tag an eine einfache Buchführung machte und jedes „Porto“ zählte. „Nur wie viele Marken sich in den 19 Alben, die mir zur Verfügung gestellt wurden, befanden, weiß ich leider nicht“, bedauert die gelernte Verkäuferin noch heute, durch deren Hände auch viele Sondermarken gingen. „Ich musste darauf achten, dass sich noch genug Rand um die Wertzeichen befanden, denn sonst konnten die Marken nicht mehr mit einer Pinzette getrennt werden.“

Sortiert und geordnet

Die sortierten und nach eigenem System geordneten Beutel ließ sie abholen. Diese gingen dann direkt weiter an Bethel. „Mit meinem Hobby habe ich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen“, lächelt Marie-Luise Deppe, die mit ihrer Leidenschaft anderen eine Freude machte. Ihre Arbeit für den guten Zweck beschäftigte nicht nur Menschen mit Behinderungen, sondern der Erlös aus dem Verkauf kam auch den entsprechenden Einrichtungen zugute. Und auch die Briefmarkensammler freuen sich: „Die ausländischen Marken bleiben in Deutschland, die deutschen sind meist im Ausland sehr beliebt“, weiß sie.

Immer wieder bat sie um neue Spenden, sowohl Privatpersonen als auch Firmen brachten ihr tütenweise Material vorbei. Im April 2015 ging ihre letzte Sammlung nach Volmarstein. „Leider muss ich diese Tätigkeit nach bald 50 Jahren aus gesundheitlichen Gründen aufgeben“, ist die 77-Jährige traurig, die auf diese Weise viele Kontakte geknüpft hat und noch nach einer neuen Beschäftigung sucht. „Ein Nachfolger ist in Hagen meines Wissens leider nicht in Sicht“, bedauert sie, aber vielleicht hat ja jemand Lust, die Einrichtung in Bethel weiter zu versorgen? „Das hat mir immer Freude bereitet, vielleicht hat auch jemand anderer Spaß daran.“