Hagen. (ME) Als sich die Narren am Rosenmontag in der Frankfurter Straße bereits zum Karnevalszug versammelten, wurde in der benachbarten Johanniskirche noch kräftig geschuftet. Mit Spitzhacke und Schaufel waren zwei Arbeiter damit beschäftigt, große Teile des alten Fußbodens zu entfernen und durch eine Behelfstür nach draußen zu schüppen.

Dem Vernehmen nach steht der Johanniskirche in diesen Tagen ein hoher Besuch ins Haus. Archäologen und Denkmalpfleger des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) haben sich angekündigt, um das alte Bauwerk unter die Lupe zu nehmen. Weil das Gottes­haus bis 2019 einen Anbau und eine renovierte Innenausstattung erhalten soll, ergibt sich die auf lange Sicht wohl einmalige Möglichkeit, den Untergrund zu „durchleuchten“.

Schon eine Kirche im Mittelalter

Die LWL-Experten erhoffen sich neue Erkenntnisse über die Geschichte Hagens. Bekannt ist, dass an der Stelle des heutigen Gotteshauses schon im Hochmittelalter eine Kirche existierte. Dieses Bauwerk war eine kleine dreischiffige, vermutlich romanische Kirche. Ihr zugehöriger Turm hat noch bis um 1900 an der Frankfurter Straße gestanden.

Als im 18. Jahrhundert die Zahl der Hagener Einwohner deutlich zunahm und der Ort auch Stadtrechte erhalten hatte (1746), entstand der Wunsch, eine größere Kirche zu errichten. Hierfür kam ein Tiroler Baumeister an die Volme – er entwarf ein barockes Kirchenschiff, das im Prinzip noch heute steht. Allerdings wurde es im Zweiten Weltkrieg arg beschädigt und lediglich vereinfacht wiederaufgebaut.

Erste Grabungen schon 1950/51

In dieser Wiederaufbauphase um 1950/51 war schon einmal ein Mittelalter-Archäologe im Innern „unterwegs“. Hans Thümmler – so hieß der seinerzeitige „Ausgräber“ – stieß tatsächlich auf einige Mauerreste, die aber nur schwer zu deuten waren. Überdies wunderte er sich darüber, dass die Vorgängerin der Johanniskirche im Überschwemmungsgebiet der Volme gebaut wurde. Normalerweise wurden im Mittelalter eher hochwassersichere Standorte bevorzugt – wie sich etwa in Elsey oder Herdecke zeigt.

Thümmler (1910–1972) zählt zu den wichtigsten Architekturhistorikern seiner Generation in Deutschland. Der Schwerpunkt seines Forschens und Lehrens lag darin, die besondere Eigenart westfälischer Kunst, namentlich der Baukunst des Mittelalters, zu deuten. In Hagen glaubte er, Reste eines besonderen Eingangs- oder Turmbereichs entdeckt zu haben – neue Grabungen könnten seine Vermutungen entweder stützen oder ergänzen oder womöglich als falsch erweisen.

Die Johanniskirche (bzw. ihr Vorgänger) gilt als die „Mutter aller Kirchen“ in unserer Region. Älter als dieser Hagener Standort sei nur jener an der Hohensyburg (ab 775), so lautet die gängige These. Klar, dass sich jetzt manche Heimatkundler durch weitere Grabungen zusätzliche Erkenntnisse erhoffen.

Auf der „Eilper Seite“ der Johanniskirche wird der Anbau bis 2019 realisiert. Er soll vielfältigst nutzbar sein – etwa als „Kirchencafé“. (Foto: Michael Eckhoff)

Heller und wärmer

Vom Ergebnis der archäologischen „Sichtungen“ ist auch der weitere Fortschritt der An- und Umbauarbeiten abhängig. Rund 1,7 Millionen Euro will die zuständige Stadtkirchengemeinde investieren – unter anderem für moderne Luftheizungs- und Sanitäranlagen, für eine deutlich verbesserte Akustik, einen runderneuerten Fußboden und zu guter Letzt auch für eine moderne Bestuhlung, die unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten gewährleistet.

Das Prunkstück der aktuellen Umbauplanungen wird aber nicht im Inneren des fast 270 Jahre alten Kirchenschiffs zu finden sein, sondern auf der Südseite. Hier – sozusagen im ruhigeren Windschatten des Gotteshauses – möchten Stadtkirchen-Pfarrerin Juliane im Schlaa und Architekt Lars Krug einen über hundert Quadratmeter umfassenden Anbau realisieren, der multivariabel, zum Beispiel als Café, nutzbar ist und der auch einen behindertenfreundlichen Zugang ins Kirchenschiff ermöglicht.

„Insgesamt soll unsere Kirche künftig heller, wärmer, moderner und besser nutzbar sein,“ betonte der für die Finanzen zuständige Kirchmeister Martin Prock im April 2017 in einem Gespräch mit dem Wochenkurier.

Für den Umbau bleibt die Kirche circa ein Jahr lang geschlossen. Die Eröffnung soll 2019 erfolgen – sofern nicht einige „archäologische Überraschungen“ auftauchen.