Der Dior von Rhein und Ruhr

Von Michael Eckhoff

Der früher bedeutende Modeschöpfer Hanns Friedrichs: Seine Tätigkeit an der Volme soll jetzt im „HagenBuch“ dokumentiert werden. (Foto: Sammlung Ardenku)

Hagen. Man nannte ihn den „Dior von Rhein und Ruhr“. Vor knapp zwei Jahren setzte sich der weltweit bekannte Modeschöpfer Hanns Friedrichs zur Ruhe – 82-jährig. Zu seinen Kundinnen gehörten unter anderem die Schauspielerinnen Brigitte Mira, Lil Dagover, arabische Prinzessinnen und die Stars des „Denver Clans“. Fast immer wird er nur als Düsseldorfer bezeichnet – dabei vergisst man allzu schnell, dass er auch über ein wichtiges Standbein in Hagen verfügte.

Seine Tätigkeit an der Volme soll jetzt dokumentiert werden – von der Textilwissenschaftlerin Katja Stromberg, die vor rund zwei Jahrzehnten eine Ausbildung in Friedrichs’ Hagener Atelier absolvieren durfte.

Bevor sie jedoch ihren Bericht für das jährliche erscheinende, vom Heimatbund zusammen mit dem Ardenkuverlag (Petra Holtmann) herausgegebene „HagenBuch“ endgültig zu Papier bringen kann, benötigt sie noch Zeitzeugen. Dabei sucht sie nicht nur Fotos, Dokumente oder einstige Beschäftigte, sondern – was fast noch wichtiger ist – auch frühere Kundinnen, die bereit sind, „Friedrichs-Geschichten“ zu erzählen. „Vielleicht gib es ja sogar noch Hagenerinnen, die ein Kleidungsstück von Hanns Friedrichs aufbewahren…“, hofft sie.

Ein erheblicher Teil der von Hanns Friedrichs entworfenen eleganten Kleider wurde an der Volme geschneidert. Unser Foto zeigt eine Schöpfung aus den 60er Jahren. (Foto: Sammlung Ardenku)

Schauspieler

Hanns Friedrichs, kurz: HF oder HaFri, kam 1948 zunächst nach Hagen und wenig später zudem nach Düsseldorf. Rasch durchlief er eine steile Karriere zur „Mode-Legende“. Berühmt waren insbesondere seine Modenschauen, die er mit Gesang und Tanz inszenierte und in deren Verlauf er sich selbst gerne in zahlreichen neuen Kreationen präsentierte.

Schon kurz nach der Währungsreform entwickelte sich Friedrichs’ eleganter Salon zum Treffpunkt für die Damen der feinen Gesellschaft im rheinisch-westfälischen Industriegebiet. Wer im Wirtschaftswunder das nötige Geld parat hatte, ließ bei Hanns Friedrichs in Hagen/Düsseldorf schneidern und setzte sich damit überall gekonnt in Szene.

Vorbildlich

Aber auch sein Engagement für kranke und bedürftige Menschen war stets vorbildlich. So gehörte er zu den ersten deutschen Prominenten, die sich in Sachen HIV engagierten, beispielsweise als Begründer des Vereins A.I.D.S („Alle im Dienst solidarisch“), für den er jahrelang in Düsseldorf spektakuläre Bälle und Feste organisierte.

Im Jahre 2006 erschien sein Buch „Mein Spiegel erzählt“, in dem er die Geschichte(n) seines Lebens aufgeschrieben hat. Seltsam ist nur, dass darin Hagen nahezu gar nicht vorkommt. Dies verwundert, weil ein nicht unerheblicher Teil der von ihm angebotenen Kleidungsstücke an der Volme gefertigt wurde. „Seine Schneider-Werkstatt befand sich eine Zeitlang an der Fleyer Straße und dann im früheren Weinhaus Bettermann am Emilienplatz,“ erinnert sich Katja Stromberg. „Verarbeitet wurden nur die allerbesten Materialien – da konnte es schon mal vorkommen, dass auf meinem Nähtisch 1992 ein Stoff lag, der 1000 Mark kostete, pro Meter wohlgemerkt!“

Im ehemaligen Weinhaus Bettermann am Emilienplatz absolvierte Katja Stromberg einst ihre Lehre im HaFri-Modeatelier. (Foto: Michael Eckhoff)

1952 Durchbruch

Dass Hanns Friedrichs ein gefeierter Modestar werden würde – mit Kundinnen sogar in Hollywood und Arabien -, hat niemand ahnen können. Es war mehr die Not der Kriegsjahre, die Friedrichs veranlassten, eine Schneiderlehre zu machen. Seine Schwester habe ihm erzählt, dass er – seinerzeit Kinderstar unter anderem in Weimar und Kassel, wo er als Frau verkleidet am liebsten Schlager von Marika Rökk zum Besten gab – so leichter an Lebensmittelkarten käme, erzählte er später.

Seinen Durchbruch feierte er 1952, als er das Glück hatte, die Damen einer deutschen Delegation auf Staatsbesuch nach Amerika ankleiden zu dürfen. „Die Amerikaner“, erinnert sich Friedrichs, hatten biedere Frauen mit Trachten erwartet und waren sehr überrascht, sie in eleganten Garderoben begrüßen zu dürfen.“ Das war seinerzeit sogar einer führenden US-Zeitung – der „Tribune“ – einen Bericht wert. Kein Wunder, dass die 1952er Kleider heute in einem Museum hängen.

Da Friedrichs, der nach wie vor in Düsseldorf lebt, 84-jährig, viele Spuren in Hagen hinterlassen hat, hofft Katja Stromberg auf zahlreiche Zeitzeugen und -zeuginnen, die Spannendes (oder auch ganz Banales) zu erzählen wissen. Zu erreichen ist die Forscherin unter Telefon 0178 / 6836846 oder per E-Mail: katjastromberg@t-online.de.