Der Frühling ist da – und mit ihm auch die Zecken

Mit den wärmeren Temperaturen kommen auch die fiesen Zecken. (Foto: pmk)

Hagen. (pmk/ME) Lilly (9) kann ein „Lied“ davon singen. Im letzten Sommer war sie von einer Zecke gebissen worden, ohne es bemerkt zu haben. Ein paar Wochen später bekam sie ein dickes Knie. Nach mehreren Untersuchungen stellte sich heraus, das Mädchen aus Halden hatte sich eine Borreliose eingehandelt, also eine überaus tückische „Zecken-Krankheit“.

Jede Menge Schmerzen und ein dreiwöchiger Krankenhausaufenthalt waren die Folge. Jetzt sieht Lilly mit Bangen dem Frühling entgegen. Denn bei aller Freude über wärmere Temperaturen und sonniges Wetter darf nicht vergessen werden, dass wieder die Zecken aktiv sind.

Aus diesem Grund sprach der wk mit Magdalena Knipp (Fachdienst Gesundheitsschutz und Umweltmedizin), die appeliert, die folgenden Tipps zum Schutz vor Zeckenbissen bei Aufenthalten im Grünen unbedingt zu beachten:

  • Tragen von geschlossener heller Kleidung, auf der die Zecken leicht zu erkennen sind, und von festen Schuhen. Die Strümpfe sollten über die Hosenbeine gezogen werden. Zuhause sorgfältiges Ausschütteln der Kleidung, ggf. Kleidung in den Trockner stecken, da die trockene Wärme die Zecken abtötet.
  • Benutzen von Sprays oder Cremes gegen Insekten.
  • Meiden von Unterholz.
  • Nach dem Aufenthalt im Freien gründlich duschen. Da die Zecke erst zu einem zum Saugen geeigneten Platz krabbeln muss, werden solche Zecken abgespült, die sich noch nicht festgebissen haben.

Nach Aufenthalten im Freien sollte der Körper abgesucht werden. Zecken entfernt man am besten mit einer speziellen Pinzette, dabei sollte die Zecke vorsichtig gerade herausgezogen werden. Je früher die Zecke schonend entfernt wird, desto geringer ist das Risiko, dass durch ihren Speichel schon Krankheitserreger übertragen wurden. Auf keinen Fall darf versucht werden, die Zecke mit Alkohol, Nagellack oder Öl zu ersticken. In einer solchen Situation wird das Tier unter Stress besonders viel Speichel absondern. Nach dem Entfernen der Zecke ist die Bissstelle sorgfältig zu desinfizieren.

Im Unterholz

Die Empfehlungen gelten bei und nach Aufenthalten an buschigen Wald- und Wegrändern, in dichten Gehölzen mit Unterbewuchs, in Laub- und Mischwäldern, Parkanlagen, an den Ufern von Bachläufen, aber auch in schattigen, feuchten, buschbestandenen Ecken oder im hohen Gras im Garten.

Die nur 1,2 bis 4,8 Millimeter kleinen Tiere befinden sich dort in einer Höhe von 1 bis 1,5 Meter an Gräsern, Farnen und niedrigen Zweigen. Sie warten auf einen geeigneten Wirt, der sich in Form einer Duftwolke aus bestimmten Schweißbestandteilen ankündigt. Ist der Wirt gefunden, so sucht die Zecke bevorzugt warme, gut durchblutete dünne Hautareale (zwischen den Beinen, in den Kniekehlen, unter den Armen, im Nacken und am Kopf), beißt sich dort fest und saugt über viele Stunden Blut.

Rötung um den Biss

Im Darm jeder fünften heimischen Zecke befinden sich Bakterien (Borrelien), die in die Blutbahn des Menschen abgegeben werden und dort unter Umständen zu einer Borreliose führen können. Je länger die Zecke Kontakt zum Menschen hatte, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion. Diese ist daran zu erkennen, dass ca. drei Tage bis vier Wochen nach dem Biss eine sich ringförmig ausbreitende Rötung um die Bissstelle entsteht.

Häufig entwickeln sich gleichzeitig Gliederschmerzen, Unwohlsein und andere der „Sommergrippe“ ähnelnde Symptome. Wenn die Hautveränderungen oder die entsprechenden Symptome nach einem Zeckenbiss auftreten, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden, um eine Therapie einzuleiten. Unbehandelt verschwinden die genannten Symptome von selbst nach Tagen oder Wochen und man fühlt sich wieder fit.

Die Folgen

In Einzelfällen hält sich das Bakterium jedoch in für das Immunsystem schlecht zugänglichen Geweben auf und kann dort nach einer Ruhephase von Wochen oder Monaten erneut Symptome verursachen, die sich in heftigen Gelenk- und Muskelschmerzen äußern. So wie im letzten Jahr bei der neunjährigen Lilly.

Im schlimmsten Fall können Hirnhautentzündung und Lähmungen ebenso auftreten wie Veränderungen an Muskeln, Augen und Herz. Noch bis zu zwei Jahre nach dem Zeckenbiss können schmerzhafte chronische Gelenkentzündungen (die sogenannte Lyme-Arthritis), eine chronische Gehirnentzündung (Encephalitis) oder eine Erkrankung des zentralen Nervensystems auftreten. Eine vorbeugende Impfung gegen die Lyme-Borreliose ist nicht möglich.

Anders stellt sich die Situation dar für die in Zentraleuropa während der warmen Jahreszeit örtlich begrenzt auftretende, durch Zeckenbisse übertragene Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME), eine besonders das Gehirn betreffende Viruserkrankung. 70 Prozent dieser Infektionen verlaufen unbemerkt und harmlos. 15 Prozent rufen grippeähnliche Symptome hervor, die restlichen 15 Prozent der infizierten Personen erkranken an der Frühsommer-Meningo-Enzephalitis. Eine zur Heilung führende FSME-Behandlung gibt es bis heute nicht.

Hagen ist kein Risikogebiet

Deshalb ist für die bekannten Risikogebiete der FSME eine Schutzimpfung ausdrücklich empfohlen, da nur die frühzeitige Impfung sicher vor der Frühsommer-Meningo-Enzephalitis schützen kann. Wer plant, in einem FSME-Risikogebiet Urlaub zu machen, sollte sich entsprechend der Empfehlung der ständigen Impfkommission beim Robert-Koch-Institut (STIKO) rechtzeitig impfen lassen.

Die Märkische Region mitsamt Hagen ist allerdings kein FSME-Gebiet! In Deutschland sind FSME-Risikogebiete in Rheinland-Pfalz, in Hessen, in Thüringen und in weiten Teilen Bayerns und Baden-Württembergs erfasst.

Weitere Auskünfte zum Thema Zecken finden sich beim Robert-Koch-Institut: www.rki.de.