Diagnose: Zu schlau!

Hagen. (anna, 15.05.10) Dass es in Hagen überhaupt eine Anlaufstelle für Eltern mit hochbegabten Kindern gibt, ist Sabine Maria Gärtner aus der Regerstraße zu verdanken. Als leidgeprüfte Mutter von drei sehr begabten Kindern, hat Sabine Gärtner bitter erfahren müssen, was es heißt, ohne Hilfe zu sein.

Vor zehn Jahren gründete Sabine Gärtner deshalb innerhalb der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGhK) eine Hagener Gruppe. Viele hundert Eltern hat sie in den zehn Jahren bereits begleitet, beraten und getröstet. In Angela Gehrmann hat sie jetzt ein Mitstreiterin gefunden. Ebenfalls Mutter eines hochbegabten fünfjährigen Sohnes berät die 30-Jährige nun Eltern von Grundschul- und Kindergartenkindern, während Sabine Gärtner für die älteren Schlauköpfe zuständig ist.

Was ist Hochbegabung?

Hochbegabte Kinder zeichnen sich durch sehr früh entwickelte, weit überdurchschnittliche Fähigkeiten und Interessen aus, durch die sie Gleichaltrigen oft beträchtlich voraus sind. Dies kann den logisch-mathematischen, den sprachlichen, den musikalischen, den bildnerisch-künstlerischen, den sportlichen oder den sozialen Bereich, manchmal auch mehrere dieser Bereiche gleichzeitig betreffen.

Zwei bis drei Prozent aller Kinder sind weit überdurchschnittlich befähigt und gelten somit als hochbegabt. Eine Normalverteilung der Intelligenz vorausgesetzt, entspricht dies einem Intelligenzquotienten von 130 oder mehr. Hochbegabte Kinder können in der Schule und im sozialen Umgang erhebliche Probleme entwickeln, wenn ihre intellektuellen Bedürfnisse lange Zeit nicht wahrgenommen oder akzeptiert wurden und die Kinder deshalb ihre Fähigkeiten nicht entfalten konnten. Dürfen sie hingegen soviel fragen, lernen, experimentieren, wie es ihren Bedürfnissen entspricht, haben sie in aller Regel nicht mehr oder weniger Probleme als andere Kinder auch.

„Die Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind e.V. (DGhK) ist ein bundesweit tätiger Verein, in dem sich betroffene Eltern, Pädagogen, Psychologen sowie andere Interessierte ehrenamtlich für die Förderung hoch begabter Kinder einsetzen“, erklärt Sabine Gärtner, die einst mühsam lernen musste, mit der Hochbegabung ihrer Kinder zu leben. Denn bei Erziehern und Pädagogen stoßen Schlauköpfe nicht immer auf Verständnis. Durch ihre Unterforderung im Kindergarten und in der Schule entwickeln sich die Hochbegabten oft zu echten Nervtötern, die ihre Leistung verweigern.

Steiniger Weg

Der heute 21-jährige Sohn der Gärtners hat durch einen Internat- und Amerikaaufenthalt seine Mitte gefunden, die Schule geschafft und einen Beruf gefunden. „Der Weg dorthin war steinig“, berichtet Mutter Sabine, die lange Zeit nicht wusste, was mit ihrem Sohn los war. Die 19-jährige Schwester und der 16-jährige jüngste Sohn haben von dem Engagement und Wissen ihrer Mutter profitiert.

„Ein Zusammenleben mit sehr begabten Kindern ist äußerst anstrengend, zumal man in der Gesellschaft keine Hilfe und kein Verständnis erfährt“, weiß Sabine Gärtner, die gerne den Windhund-Terrier-Vergleich zur Verdeutlichung benutzt: „Bringen sie einen Terrier mal auf die Hunderennbahn. Er wird blöd gucken, weil er nicht weiß, was er dort soll. Ebenso wenig weiß der Windhund, was er vor einem Rattenloch machen soll“, erklärt Sabine Gärtner, „bringen sie den Windhund auf die Rennbahn geht‘s nur noch ab, denn Laufen ist seine Natur. So ist es auch mit den Hochbegabten, sie müssen erst in dieser Gesellschaft ihre Rennbahn finden, dann können sie friedlich leben.“

„Es ist überaus wichtig, mit kompetenten Gesprächspartnern offen über den Umgang mit Hochbegabten zu sprechen, Erfahrungen zu diskutieren und Leitlinien zur Förderung zu entwickeln. Nur so gestärkt finden Eltern den Weg zur Rennbahn ihres Kindes.“

Beratung

Sabine Gärtner ist auch Mitglied im „Netzwerk besondere Begabung Hagen“ (NBBH), welches beim Schulamt angesiedelt ist. Dort gibt es Auskünfte über besondere Förderungsmöglichkeiten an Hagener Schulen (Kontakte unter www.hochbegabung-hagen.de).

Kostenlose Gesprächskreise finden am 1. Mittwoch des Monats oder nach telefonischer Vereinbarung in der Regerstraße 10 bei Sabine Gärtner zwischen 20 und 24 Uhr statt, Telefon 880-732, E-Mail: gaertner@dghk.de.

Am Mittwoch, 7. Juli, gibt es ab 20 Uhr im Hause Gärtner den Vortrag „Förderung von hochbegabten Kindern“.