Die 50er – bewegte Jahre an der Ruhr

Herdecke 1958 mit dem Westfalia-Werk
In Herdecke werden die 50er Jahre ins Visier genommen. Im dem geplanten Buch stehen insbesondere die Erinnerungen des früheren Stadtdirektors Klaus Oehm im Mittelpunkt. Unser Foto zeigt Herdecke im Jahr 1958 mit dem Westfalia-Werk. (Foto: Archiv Willi Creutzenberg)

Herdecke. (ME) Im Jahre 2014 wird die Stadt Herdecke ihr 275-jähriges Stadtjubiläum feiern. Ein solches Jubiläum bietet auch immer die Chance, sich mit besonderen Epochen der Stadtentwicklung zu beschäftigen. „Nachdem beim letzten Jubiläum 1989 die gesamte Stadtgeschichte in einem zusammenfassenden Werk dargestellt wurde, könnte jetzt die Beschäftigung mit einzelnen Epochen oder Jahrzehnten der neueren Geschichte im Mittelpunkt stehen,“ meint Willi Creutzenberg.

Mit Beiträgen unter anderem zur Entwicklung der Stadt in der Zeit des Nationalsozialismus ist Willi Creutzenberg ein ausgewiesener Spezialist für Herdeckes Geschichte im 20. Jahrhundert. Nun hat er sich ein neues Projekt vorgenommen. Er nimmt in der Ruhrstadt die 50er Jahre ins Visier, also das Jahrzehnt, das den Deutschen nach den entbehrungsreichen Kriegs- und Nachkriegsjahren wieder Wohlstand daheim und Achtung in der Welt eingebracht hat.

Klaus Oehms Erinnerungen

Seit über 25 Jahren liegt ein fertiges Manuskript des ehemaligen Herdecker Stadtdirektors Klaus Oehm vor, in dem dieser nach seiner Pensionierung die Jahre des Wiederaufbaus in Herdecke beschreibt. Klaus Oehm, dessen Karriere 1949 als technischer Angestellter bei der Stadtverwaltung begonnen hatte, wurde 1973 zum Stadtdirektor gewählt. Er berichtet also über das, was er selbst erlebt und in weiten Teilen mitgestaltet hat. Da Klaus Oehm kurz nach der Fertigstellung des Manuskriptes verstorben ist, konnte er sich nicht mehr um die Veröffentlichung kümmern, sein Manuskript geriet in Vergessenheit.

In den 90er Jahren hat Willi Creutzenberg im Rahmen eines auf Mitarbeit älterer Herdecker Bürger/innen angelegten Volkshochschulkurses eine Fotoausstellung über „Herdecke in den 50er Jahren“ erarbeitet. Die Ausstellung wurde von Hunderten Alt- und Neubürgern besucht und positiv aufgenommen. Schon damals regte der Vorsitzende des Herdecker Heimat- und Verkehrsvereins eine Veröffentlichung der vielen Fotos an, die in der Ausstellung präsentiert wurden. Doch gut Ding will Weile haben…

Großes Interesse an den 50er Jahren

Angesichts des anstehenden Stadtjubiläums, des wachsenden Interesses an den 50er Jahren und – nicht zuletzt – in Erinnerung an den Stadtdirektor Klaus Oehm, der Herdeckes Entwicklung in starkem Maße geprägt hat und vor 25 Jahren gestorben ist, wird Willi Creutzenberg das Manuskript von Klaus Oehm herausgeben. Ergänzt wird es um zahlreiche Fotos aus der genannten VHS-Ausstellung über die 50er Jahre in Herdecke und aussagekräftige Dokumente. Der Text von Klaus Oehm wird nicht verändert, lediglich an einzelnen Stellen gestrafft. Wo es notwendig ist, werden erläuternde Hinweise und zusätzliche Informationen geliefert. Ein Namensverzeichnis aller im Buch erwähnten Personen macht das Werk zu einer wichtigen lokalgeschichtlichen, für viele Herdecker/innen aber auch familiengeschichtlich interessanten Quelle.

Unter dem Titel „Bewegte Jahre – Stadtdirektor Oehms Notizen zu Nachkriegszeit und Wiederaufbau in Herdecke“ erscheint demnächst ein modern gestaltetes Buch im Hagener Ardenkuverlag (Petra Holtmann). Es wird zeigen, dass die 50er Jahre nicht das „langweilige“ Jahrzehnt waren, wie es manchmal dargestellt wird. Im Gegenteil, die 50er Jahre erweisen sich als Jahre des Umbruchs, in denen die Stadt ihr Gesicht stärker veränderte als in den 50 Jahren vorher. Der „Wiederaufbau“ war vielfach mit „Abriss“ verbunden und wurde so tatsächlich zum „Neubau“. Die vielen Bilder aus privaten Fotoalben lassen bei allen hier dokumentierten Veränderungen im Stadtbild auch den Alltag der Menschen in Herdecke deutlich werden.