Die Ambrocker Wallburg

Von Michael Eckhoff

Hagen. Mittelalter – da denkt jeder sofort an finstere Burgen. Das Mittelalter begann um das Jahr 500 und endete 1.000 Jahre später. In dieser langen Zeit wurden in Mitteleuropa über 20.000 Burgen gebaut. Die Palette reicht von großen und stark befestigten Wasser- oder gewaltigen Höhenburgen bis hin zu eher unbedeutenden Adelssitzen und bescheidenen Wallburgen. In einer Serie stellt der wochenkurier die mittelalterlichen Wehrbauten und Adelssitze des Hagener Raums vor – heute: die im Wald bei Dahl, nahe dem Ribberthof gelegene Wallburg am Ambrocker Weg.

Sie ist nur an wenigen Wällen erkennbar, Bauwerke im eigentlichen Sinne gibt es hier nicht und auch unser Wissen im Hinblick auf ihre Entstehungsgeschichte ist eher „dünn“: Die Wallburg Ambrock gibt uns Rätsel auf. Geht ihre Entstehung auf die Einfälle der Ungarn zurück, wie oft gemutmaßt? Kann sein. Oder auch nicht…

Ungarn-Einfälle

Vor gut 1100 Jahren machten sich die damals noch nicht sesshaften Ungarn – die Magyaren – ein ums andere Mal auf den Weg in Richtung Mitteleuropa. 899 ging es damit los. Am häufigsten kam es dabei zu Zusammenstößen mit dem Ostfrankenreich (also sozusagen mit „Deutschland“), bis die Magyaren 955 bei der berühmten Schlacht auf dem Lechfeld eine vernichtende Niederlage hinnehmen mussten. Die ostfränkischen Truppen wurden von Otto I. in die Schlacht geführt.

Im Verlauf ihrer Vorstöße drangen die Ungarn um 915 wiederholt sogar bis ins heutige Westfalen vor, wo sie beispielsweise die Kirche der Heiligen Ida in Herzfeld an der Lippe – nahe Soest – überfielen. Auch das Krönungsjahr von Ottos Vorgänger Heinrich I. (König von 919 bis 936) war begleitet von einem größeren Einfall der Magyaren. Als Heinrich im Jahr 926 einen wichtigen Fürsten der Magyaren gefangen nehmen konnte, handelte er einen zehnjährigen Waffenstillstand für Sachsen aus. Diesen Waffenstillstand nutzte er, um eine Heeresreform durchzuführen und neue Burgen zu errichten. Seine Burgenordnung von 926 sah den Bau von Fluchtburgen sowie deren Verproviantierung und Ausstattung vor.

Auch in Westfalen

Allem Anschein nach entstanden seinerzeit auch auf dem Gebiet des heutigen Westfalen neue Flucht-/Wallburgen. Der Westfalen-Forscher Prof. Hömberg hat sich Mitte des 20. Jahrhunderts mit diesem Thema beschäftigt und die These aufgestellt, es könnte damals im Sauerland geradezu ein engmaschiges Fluchtburgen-Netz errichtet worden sein. In dieses „Netz“ passt durchaus die Wallburg Ambrock. Ob sie aber tatsächlich aus dem frühen 10. Jahrhundert stammt, ist ungewiss. Vielleicht ist sie sogar älter und möglicherweise hat sie mit den Ungarn gar nichts zu tun.

Mit anderen Worten: die Geschichtsschreibung weiß über die Entstehung der Wallburg Ambrock eigentlich gar nichts. Auch von der archäologischen Seite her betrachtet, stellt sich die Sachlage eher unergiebig dar. Es hat zwar 1935 eine Grabung gegeben, aber ihre Ergebnisse bereichern unser Wissen nicht sonderlich. Die Nazis waren seinerzeit hauptsächlich darauf erpicht, eine Anlage aus „sächsischer Zeit“ zu finden – aber das ist ihnen offenkundig im Volmetal nicht geglückt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat es immer mal wieder „Begehungen“ gegeben, aber nennenswerte Funde hat man dabei nicht gemacht. Die wenigen entdeckten Objekte – Keramikscherben (sogenannte „Pingsdorfer Ware“) – nähren die Vermutung, dass „Ambrock“ tatsächlich im 10. Jahrhundert und in den ersten Jahrzehnten danach genutzt wurde. Die Blütezeit der Pingsdorfer Ware fiel in die Zeit des 10. bis 12. Jahrhunderts.

Erdwälle

Hagens Burgen-Experte Ralf Blank beschreibt im Buch „AufRuhr – unterwegs zu 100 Burgen, Schlössern und Herrensitzen in der Ruhrregion“ die Ambrocker Anlage so: „Die rund 100 m lange und 50 m breite Wallburg liegt auf einer fast 220 m hohen Bergkuppe, dem Minnerberg, am westlichen Ufer der Volme. Sie weist in der Hauptsache zwei sich hier um den Berg ziehende, der Form des Höhenzugs folgende Erdwälle und Gräben auf. Lediglich an der Südseite, die durch den dortigen Steilhang wohl als ausreichend geschützt angesehen wurde, finden sich keine Befestigungen. Das gestaffelte Wall- und Grabensystem ist teilweise in einer beachtlichen Höhe und Tiefe erhalten.“

Film

Noch eine Info: Der wochenkurier will demnächst ein gutes Dutzend heimische Burgen in einem Film vorstellen. Durch den Film leitet Michael Eckhoff. Er trägt dabei eine detailgetreu nachgestaltete, gut 50 Kilogramm schwere Ritterrüstung. Die Ritter-Szenen zu Pferd wird wk-Herausgeber Dr. Karl-Heinz Lindenlaub „doubeln“. Kamera und Schnitt übernehmen Klaus Zettier und Otto Jürgens.

Die Dreharbeiten für den Film haben just begonnen; die Fertigstellung ist für Sommer 2014 geplant. Er soll als DVD verkauft werden.