Die Baugeschichte der Sparkasse Hagen

Hagen. (ME) Die Hagener Stadtsparkasse erbaute sich ihre erste „richtige“ Hauptgeschäftsstelle erst kurz vor dem Ersten Weltkrieg – also vor gut hundert Jahren; sie stand ungefähr vor Kopf der Hohenzollernstraße. In ihren 70 Jahren zuvor war die Sparkasse „mal hier, mal da“ untergeschlüpft.

Von Kunst gekrönt

Der markante, teilweise vom Jugendstil geprägte Bau entsprang einem Entwurf des damaligen Stadtbaurates Ewald Figge. Gekrönt wurde die Fassade von einer imposanten Ruhrsandstein-„Girlande“, geschaffen höchstwahrscheinlich von der seinerzeit in Hagen recht wichtigen Bildhauerin Milly Steger.

Schnell erwies sich die neue Hauptgeschäftsstelle als zu klein. Und so mussten dann mehrfach Erweiterungen angefügt werden – inklusive einiger Räume für die Stadtbücherei. Auch hier – am Seitenflügel – kamen Kunstwerke hinzu, in Stein gemeißelt in den 1920er und 30er Jahren von Karel Niestrath. Am Eingang war in Plattdeutsch zu lesen:

Spar di wat in guoden Tagen
Sou hast du wat
fuor Wiv un Blagen
(Hochdeutsch: „Spar Dir was in guten Tagen, dann hast Du was für Weib und Blagen.“)

Volltreffer

Doch dem auffälligen Bauwerk war keine lange Lebensdauer vergönnt. Die alliierten Bomber erzielten auch hier einige Volltreffer. Am Ende des Krieges blieb nur noch eine Ruine übrig, die rasch abgebrochen wurde. Lediglich einige der umfangreichen Bildhauerei-Arbeiten sind bis heute erhalten.

Im Stadtarchiv Hagen ist diese Aufnahme aus dem Jahr 1920 zu finden - sie zeigt die erste Hauptstelle der Sparkasse. Erkennbar ist auch der reichhaltige Skulpturenschmuck. (Abb.: Stadtarchiv Hagen)
Im Stadtarchiv Hagen ist diese Aufnahme aus dem Jahr 1920 zu finden – sie zeigt die erste Hauptstelle der Sparkasse. Erkennbar ist auch der reichhaltige Skulpturenschmuck. (Abb.: Stadtarchiv Hagen)

1949 entschloss man sich, einen Neubau in Angriff zu nehmen. Hierfür schrieb der seinerzeitige Vorstand einen Architektur-Wettbewerb aus, den der konservative Münchener Baumeister Fritz Norkauer gewann. In seinen 80 Meter langen Neubau zwischen Körnerstraße und Volmeufer – in U-Form errichtet – zog nicht allein die Sparkasse ein, sondern auch so mancher Rechtsanwalt mit seiner Praxis und ebenso das Stadthaus 1 mitsamt Gesundheitsamt und Stadtbücherei. In der Volmestadt wurde der 1952 fertiggestellte „Norkauer-Bau“ schnell als „1400-Fenster-Haus“ teils bewundert, teils kritisiert.

Langer Oskar

Zwei Jahrzehnte später entsprach dieser eigentlich große Bau nicht mehr den räumlichen Anforderungen. Eine Erweiterung musste her. Unter Führung des damaligen Vorsitzenden Oskar Specht beschloss der Sparkassen-Vorstand, ein 22-geschossiges Hochhaus anzufügen. Lange Zeit prägte der in einem auffälligen Grün-Ton gestaltete „lange Oskar“ die Hagener Stadtsilhouette. Doch Ende des letzten Jahrtausends waren „Norkauer-Bau“ und „Oskar“ nicht mehr renovierungswürdig – vor allem die Energiebilanz hätte sich nur mit einem ungeheuren Aufwand verbessern lassen. So musste sich der nun von Klaus Hacker geführte Vorstand schweren Herzens dazu durchringen, beide Bauten abzureißen.

Insbesondere der Oskar-Abbruch 2004 erregte europaweit Aufmerksamkeit – weil er in einer besonderen Aktion gesprengt wurde. Fast alle erwachsenen Hagener können sich daran erinnern. Es war die bis dahin größte Sprengung eines Hochhauses in Europa. 40- bis 50.000 Schaulustige waren damals bei der Sprengung zugegen.

„Geliebt, gehasst, gesprengt“ heißt das reich bebilderte Buch, das vom heimischen Ardenkuverlag (Petra Holtmann) herausgegeben worden ist - erzählt wird aber nicht nur die Geschichte der „Oskar-Sprengung“... (Abb.: Ardenkuverlag)
„Geliebt, gehasst, gesprengt“ heißt das reich bebilderte Buch, das vom heimischen Ardenkuverlag (Petra Holtmann) herausgegeben worden ist – erzählt wird aber nicht nur die Geschichte der „Oskar-Sprengung“… (Abb.: Ardenkuverlag)

Alter Arbeitsplatz

Jetzt, gut zehn Jahre nach der Sprengung, wird die Geschichte der Sparkassen-Hauptstelle in einem Buch beschrieben – verfasst von Dietmar Brendel und Detlef Vollmar. Brendel stand 25 Jahre lang in den Diensten der Sparkasse, 19 Jahre davon in der Hausdruckerei in „Oskars“ fünfter Etage. Vollmar amtierte fast 40 Jahre als Kundenberater. Mittlerweile sind Vollmar und Brendel Rentner – mit einem Faible für die Heimatgeschichte.

Die Idee zum Buch kam den Beiden einst in einem Bistro, als man gemeinsam an die alten Zeiten zurück dachte. Und so arbeiteten Vollmar und Brendel nicht nur Oskars Geschichte auf, sondern auch ihre besondere Beziehung zu ihrem alten Arbeitsplatz.

„Geliebt, gehasst, gesprengt“ heißt das reich bebilderte 150-Seiten-Buch, das vom heimischen Ardenkuverlag (Petra Holtmann) herausgegeben worden ist (in jeder Buchhandlung zum Preis von 20 Euro erhältlich).