Die Hagener Salz-Lager sind voll

Hagen. (AnS/Red.) „Schneeflöckchen, Weißröckchen, wann kommst du geschneit?“ Aber was die Kleinen freut, ist des Autofahrers Leid: Die Straßen werden glatt und rutschig, so wie wieder in den letzten Tagen, als das Thermometer zwischenzeitlich in Hagen minus fünf Grad zeigte, etwa am Mittwoch in den frühen Morgenstunden. Staus und Unfälle sind an solchen Morgenden vorprogrammiert. Prompt gab es in einigen Teilen von NRW im Verlauf der Woche mehrfach große Probleme.

Trotzalledem verliefen Dezember und Januar bislang glimpflich. Ganz anders vor einem Jahr: Der vergangene Winter mit seinen langen Schnee- und Frostperioden verlangte den Pkw-Besitzern reichlich Geduld ab. Aber auch die Einsatzkräfte der NRW-Straßen- und -Autobahnmeistereien mussten einiges ertragen: Sie waren rund um die Uhr im Einsatz, um die Straßen freizuhalten und zogen sich dennoch den Unmut vieler Pendler zu. Zuletzt blieb dann auch noch eine gewisse Häme. Viele Kommunen und auch die Autobahnmeistereien mussten mit ihrem Streusalzvorrat haushalten, viele Lager waren zwischenzeitlich gar leer.

Viel Salz

Diesmal ist alles anders. So viel Streugut, sprich Salz, lagerte noch nie in Nordrhein-Westfalen für den Einsatz auf Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen. 135.000 Tonnen Salz warten in 210 Hallen auf ihren Landes-Einsatz, eine Notreserve von 40.000 Tonnen kommt hinzu. Ein durchschnittlicher Winter verbraucht rund 125.000 Tonnen…

Die Salzlager sind in diesem Winter gut gefüllt. (Foto: Straßenbau NRW)

Knochenjob

Schneefreie Bundes-, Landesstraßen und Autobahnen zu schaffen, ist Knochenarbeit. In NRW sind allein 2000 Straßenwärter für die großen Verkehrswege zuständig. Im Schichtdienst wechseln sie sich ab, um die Bahnen freizuschaufeln. Bekanntlich sind sie meist in der Dunkelheit und bei äußerst schlechten Sichtverhältnissen unterwegs. Schön, wenn dann die Autofahrer, die hinter einem Räumfahrzeug hängen, wenigstens Verständnis aufbrächten…

Apropos Fahrzeuge: 700 Wagen schickt der Landesbetrieb auf die Autobahnen, Bundes- und Landstraßen, wenn Frau Holle ihre Betten allzu kräftig ausgeschüttelt hat. Einige davon sind neuerdings mit Blaulicht und Signalhörnern ausgestattet, um mehr Aufmerksamkeit bei anderen Verkehrsteilnehmern zu erregen. Gerade auf der Sauerlandlinie, der A 45, wird man diese Wagen fortan häufiger zu sehen bekommen.

Wenn der Schnee fällt, rücken sie aus, um die Straßen von Eis und Schnee zu befreien: Die Räumfahrzeuge des Landesbetriebs. (Foto: Straßenbau NRW)

Flüssiges Streugut

Was in Skandinavien längst üblich ist, ist auch in NRW im Vormarsch: das Flüssigstreuen. Statt pures Salz zu verteilen, wird bei unter minus sechs Grad vorrangig Sole – ein Gemisch aus Wasser und Salz – auf die Fahrzeugdecke aufgebracht. Die Sole verteile sich besser, wirke schneller und komme aufgrund des geringen Salzgehalts auch der Umwelt zugute, heißt es von der zuständigen Behörde, dem Landesbetrieb Straßen-NRW.

Aber auch der beste Winterdienst kommt an seine Grenzen. Durch starken Schneefall werden die Straßen schnell wieder glatt und trotz einer „Räum-Armarda“ können die Fahrzeuge nicht überall gleichzeitig sein. Zumal – laut Bundesfernstraßengesetz – eine Streupflicht außerhalb geschlossener Ortschaften gar nicht besteht. Nach besten Kräften sollen die Träger der Straßenbaulast bei Schnee und Eisglätte räumen und streuen, heißt es in den Vorschriften.

Angepasst fahren heißt hier also immer noch die Devise, damit man gut und unfallfrei durch den Winter kommt.