„Die Liga ist stärker geworden!“

Freuen sich auf eine neue, spannende Basketball-Saison: Geschäftsführer Oliver Herkelmann und die Cheerleader von Phoenix Hagen. (Foto: Jörg Laube)

Hagen. (OS) „Bundesliga – die Dritte“: Nach einem sehr schwierigen ersten Jahr in der höchsten deutschen Spielklasse und einem beachtlichen, guten Mittelfeldplatz im zweiten gehen die Basketballer von Phoenix Hagen jetzt in ihr drittes Bundesligajahr.

Am 3. Oktober 2011 beginnt die neue Spielzeit mit einem Auswärtsspiel in Braunschweig, bevor am 8. Oktober dann das erste Heimspiel in der Enervie-Arena am Ischeland stattfindet. Vor Beginn der neuen Runde sprach der wochenkurier mit Oliver Herkelmann, dem Geschäftsführer der Feuervögel:

wochenkurier: Oliver, am kommenden Montag startet ihr in Braunschweig – was erwartet euch in dieser Saison?

Oliver Herkelmann: Uns erwartet definitiv eine Liga, die durch die beiden Aufsteiger Bayern München und S.Oliver Würzburg stärker ist als in den beiden letzten Jahren. Viele Teams sind vor der Saison nur sehr schwer einzuschätzen, da es bei den meisten, vor allem den vom Budget her kleineren Teams, große personelle Umbrüche gegeben hat. Wenn man diese beiden Faktoren berücksichtigt, so kann unser erstes Ziel nur heißen, so schnell wie möglich den Klassenerhalt zu sichern.

Eure Einkaufspolitik vor der vergangenen Saison war ein voller Erfolg. Dorris, Bell und Burtschi waren „Kracher“, die dann prompt von anderen Vereinen bessere Angebote bekamen. Können Carter, Brooks, Blackwood und Hasquet sie ersetzen?

Das Team des letzten Jahres war schon etwas Besonderes, wenn wir jetzt sehen, in welchen anderen Teams vor allem die drei genannten Spieler stehen, so ist das eine wirklich tolle Sache für das Trio und natürlich auch ein Zeichen für die gute Arbeit, die wir geleistet haben. Die neuen Spieler sind nicht genau mit denen aus der vergangenen Saison vergleichbar, sie haben andere individuelle Stärken, aber alle vier haben in der Vorbereitung mehrfach bewiesen, dass sie auf gutem Niveau spielen können und das Potential haben, uns wirklich weiter zu helfen.

„Uns erwartet definitiv eine Liga, die – auch durch die beiden Aufsteiger München und Würzburg – stärker ist, als in den beiden letzten Jahren“. Oliver Herkelmann (links) ist immer „nahe dran an der Mannschaft.“ (Foto: Jörg Laube)

Was macht die Mannschaft generell für einen Eindruck auf dich? Harmoniert sie gut – ähnlich wie in der vergangenen Saison? Oder hat sie noch nicht zueinander gefunden?

Die Vorbereitung ist bis zu unserem Auswärtssieg bei der wirklich starken Groninger Mannschaft sehr gut gelaufen und die Mannschaft war auf einem sehr guten Weg. Dann haben wir einige Verletzungen und Krankheiten gehabt (Brandon Brooks, TJ Carter, Bernd Kruel), worunter die Trainingssituation stark gelitten hat. Wir konnten dann beim Training und dem ersten Spiel gegen Leuven sehen, dass dieser Umstand der Entwicklung der Mannschaft geschadet hat. Aber aus solchen Spielen lassen sich auch viele Erkenntnisse ziehen, so auf jeden Fall, dass der Mannschaft noch ein Leader, eine absolute Führungspersönlichkeit fehlt, der die Jungs in Spielen, die nicht gut laufen, mitziehen kann. Durch die Rückkehr von Brandon im Rückspiel bei den Leuven Bears hat die Mannschaft dann wieder einen guten Schub bekommen. Unter dem Strich haben wir gegen eine starke Ludwigsburger Mannschaft bis zum Schluss ausgeglichen gespielt und gegen starke belgische und holländische Teams sehr gute Ergebnisse eingefahren, vor allem auch auswärts, so dass wir zuversichtlich in die Saison gehen können. Natürlich müssen wir jeden Tag nutzen, um uns weiter zu entwickeln.

Man hatte in der Vorbereitung den Eindruck, dass es Schwächen beim Rebound gibt. Du selbst bist 2,07 m und kannst das als ehemaliger Bundesliga- und Nationalmannschaftscenter am besten beurteilen: Seid ihr da unterbesetzt?

Eigentlich waren die meisten Spiele bei den Rebounds ausgeglichen, vor allem Eddie hat da bisher einen sehr guten Job gemacht. Probleme sind eher bei der Verteidigung der gegnerischen Center aufgetreten, hier hatten wir in vielen Spiele Foulprobleme bei unseren großen Spielern. Das wird sich in der regulären Saison sicherlich legen, zudem hatten wir hier in der letzten Saison auch teilweise Probleme.

Wie immer kursierten vor den Neueinkäufen die wildesten Gerüchte: Ward ihr nah an einer erneuten Turek-Verpflichtung?

Eine Turek-Verpflichtung war aus finanziellen Gesichtspunkten unmöglich, John hat sich in Hagen sehr wohl gefühlt und wäre gerne zu uns zurück gekommen. Aber bei den Gehaltsvorstellungen lagen wir viel zu weit auseinander, solche Deals wären unverantwortlich. Unser Ziel ist es, die aus der Hallenproblematik über zwei Saisons entstandenen wirtschaftlichen Probleme möglichst schnell wieder abzuarbeiten und dabei dennoch sportlich konkurrenzfähig zu sein. Die wirtschaftliche Entwicklung hat hierbei allerdings Vorrang.

Die Vorbereitung war vor der vergangenen Saison sehr gut, alle Spiele wurden gewonnen. Diesmal gab es Licht und Schatten, auch wegen einiger Verletzungen. Wird das Team rechtzeitig fit sein?

Die Vorbereitung war in der letzten Saison anders aufgebaut. Da das Bad-Neuenahr-Turnier eher stattgefunden hat, haben wir bereits am zweiten Wochenende gegen starke BBL-Teams gespielt, in der letzten Saison kam dieses viel später und nachdem wir uns gegen Regionalligisten sowie ProB- und ProA-Teams gut hatten einspielen können. Zudem haben wir in dieser Vorbereitung mit mehr Ausfällen zu kämpfen. Dennoch haben die Jungs bereits gegen starke Teams gut gespielt und gewonnen und wir konnten aus den letzten 10 Tagen wichtige Lehren ziehen.

Nach anfänglichen „Kinderkrankheiten“ beim Umbau der „Ische“ zur Enervie-Arena seid ihr in eurer 2. Saison wieder „zuhause“. Läuft jetzt alles optimal?

Eigentlich wird es die erste richtige Saison in der neuen Enervie-Arena sein, unsere Rückkehr letzte Saison war aus den Vorgaben seitens der BBL doch sehr übers Knie gebrochen, und es musste noch sehr viel in der Halle gearbeitet werden. Lange Zeit konnten wir in der Arena nicht trainieren und bezüglich der Heimspielorganisation haben wir überall Neuland betreten. In dieser Saison sind wir von Beginn an daheim in der Enervie-Arena, die wirklich toll geworden ist. Wir kennen die Halle und alle Abläufe genau und fühlen uns richtig wohl in unserem neuen/alten „Wohnzimmer“.

„Wir sind sehr optimistisch, die gesetzten Ziele in den nächsten drei Jahren zu erreichen.“ (Foto: Jörg Laube)

Ingo Freyer und Steven Wriedt führen Phoenix als Trainer sportlich in die dritte Erstliga-Saison. Wie sieht es wirtschaftlich bei euch aus?

Es ist ja kein Geheimnis, dass die beiden ersten Spielzeiten in der BBL aus wirtschaftlicher Sicht sehr schwierig für uns waren. Nach dem sportlichen Aufstieg in die BBL hatten wir keine Halle, die die Anforderungen erfüllte, alle Pläne, die wir in den drei Jahren vorher entwickelt hatten, sind von verschiedenen Seiten verhindert worden. Auch von der obendrein benötigten Infrastruktur, die die BBL vorschreibt, war in Hagen nichts vorhanden. Das hat dazu geführt, dass wir in den letzten beiden Jahren 1,1 Millionen Euro in zwei Hallen und vorgeschriebene Infrastruktur investieren mussten. Hier gab es keinerlei Entscheidungsfreiheit, ob wir das machen oder nicht. Diese Belastungen aus den ersten beiden Jahren werden uns noch ein Stück weit begleiten, waren aber alternativlos und am Ende steht eine sanierte und ausgebaute Enervie-Arena, die für alle Hagener Sportler eine tolle Sache ist.

Als Jan Pommer der Geschäftsführer der BBL in der vergangenen Saison in Hagen zu Gast war, betonte er, dass Phoenix auf Dauer seinen Etat stark erhöhen müsse, um in der Liga mithalten zu können. Wie siehst du hier eure Möglichkeiten und Chancen?

Der Durchschnittsetat in der BBL wird in der aktuellen Saison sicherlich bei 3,5 Millionen Euro liegen, also bei fast dem Doppelten unseres Etatansatzes, insofern ist die Einschätzung Jan Pommers natürlich richtig. Da wir noch mehr in die Jugendarbeit in Hagen und Region investieren, die Strukturen weiter verbessern wollen und natürlich auch die Play Offs als Ziel haben, ist eine Erhöhung der Einnahmen unumgänglich. Wir sind sehr optimistisch, dass wir unsere gesetzten Ziele in den nächsten drei Jahren erreichen.

Dein ganz persönlicher Tipp: Wo wird Hagen nach dieser Spielzeit stehen?

Weiterhin in der Beko-Basketball-Bundesliga.

Wir danken Oliver Herkelmann für das Interview. Geführt wurde es von Olaf Somborn.