Die Nordsee darf nicht auslaufen

Film ab – Wolfgang Piltz präsentiert einen Beitrag bei einem Clubabend des Film- und Videoclubs Hohenlimburg/Letmathe. (Foto: A. Schneider)

Hohenlimburg/Letmathe. (as) Film- und Videoclub – das klingt nach Nostalgie. Nach großen Filmrollen und Enthusiasten, die das Rohmaterial an der Schneidemaschine zusammenschnippeln. Wolfgang Piltz muss schmunzeln: „Ja, ja“, sagt er. „Nostalgie können wir auch.“ Doch wenn er, der Vorsitzende des Film- und Videoclubs Hohenlimburg/Letmathe, zu erzählen beginnt von HD-Kameras, Formaten und Überblendtechniken, ist einem gar nicht mehr nostalgisch zumute. Keine Frage: Er und die über 30 Amateur-Filmautoren, die den Club ausmachen, sind absolut auf der Höhe der Zeit. Aus der Leidenschaft fürs Zelluloid ist längst eine große Begeisterung für Pixel, Bits und Bytes geworden.

Doch von vorn: Gegründet wurde der Club vor nunmehr 52 Jahren unter dem Namen „Hohenlimburger Schmalfilmclub für Amateure“. Erst viel später, als der Schmalfilm längst von anderen Materialien verdrängt wurde, benannte man sich um: Der Film- und Videoclub Hohenlimburg/Letmathe tauchte in der Vereinslandschaft auf.

Das Ziel blieb aber gleich: Hier hatten sich Filmautoren zusammengefunden, die ihr Hobby pflegen und sich darin weiterbilden wollten. Künstlerisch – aber auch technisch. Denn gerade die Filmbranche hat sich in technischer Hinsicht mächtig gewandelt. „Wer an einer Technik festhalten möchte, bekommt schnell Probleme“, sagt Wolfgang Piltz. Waren Videos vor zwei Jahrzehnten noch der letzte Schrei, so sind sie heute nicht mehr zu bekommen. „Selbst Mini-DVs gibt‘s kaum noch“, sagt Wolfgang Piltz. Wer seinem Hobby treu bleiben möchte, ist quasi gezwungen, sich auf immer neue Entwicklungen einzulassen.

Arbeiten mit Profimaterial

Was durchaus einen positiven Nebeneffekt haben kann. Denn: Die Technik wird bezahlbarer. „Wir arbeiten heute mit Profimaterial“, sagt Wolfgang Piltz. Es sind jedenfalls die gleichen Kameras, mit denen auch Film- und Fernsehteams durch die Gegend ziehen. Und geschnitten wird – natürlich – am PC.

Noch einen weiteren angenehmen Effekt erwähnt Klaus Zettier, bis vor kurzem Vorsitzender des Vereins, jetzt als Beisitzer noch im Vorstand vertreten. „Die Speichermedien sind riesig“, sagt er. „Man kann auch mal ohne Reue ausprobieren, testen und wieder verwerfen. Früher war das nicht so einfach machbar. Jeder Knopfdruck kostete Geld.“

Die Kreativität jedoch ist keinem Wandel unterzogen. „Man hat immer Zeit und Möglichkeiten, kreativ zu sein“, formuliert es Wolfgang Piltz. Und wie viele Filmautoren vor ihnen, mussten auch Wolfgang Piltz und Klaus Zettier in ihren Anfängen Lehrgeld bezahlen. Der Film im Kopf sieht eben manchmal anders aus, als das, was man tatsächlich aufgenommen hat. „Das erlebt jeder Hobbyfilmer“, sagt Klaus Zettier. „Man geht mit einer klaren Idee raus und filmt und staunt anschließend, wie wenig Material man tatsächlich gebrauchen kann.“ Gar nicht, weil das Material schlecht ist. Sondern vielmehr, weil vieles fehlt. Details oder Landschaften beispielsweise, die für die Übergänge im Film unerlässlich sind.

Der Filmclub-Vorsitzende und sein Vorgänger: Wolfgang Piltz und Klaus Zettier. (Foto: A. Schneider)

Schief und krumm geht gar nicht

Um sich hier gegenseitig zu unterstützen, gibt es die Clubabende. Alle 14 Tage treffen sich die Mitglieder und auch filminteressierte Gäste im Hohenlimburger Bürgersaal. Ein oder zwei Filme von Mitgliedern werden vorgestellt und anschließend besprochen. Was war gut, was hätte man vielleicht besser machen können. Einmal, als ein wunderbarer Dokumentarfilm über die Nordsee gezeigt wurde, stellte jemand fest, dass der Horizont nicht ganz gerade war: „Hast du mal nen Eimer? Die Nordsee läuft aus.“ Filmautoren-Humor!

Schief, krumm, wackelig. Hier scheiden sich die Geister. „Was uns manchmal im Fernsehen gezeigt wird, wäre mit uns nicht möglich“, sagt Wolfgang Piltz. Ein Tatort mit Wackelnote, schiefem Horizont und schlechtem Ton? Nein, danke. Die Mitglieder des Film- und Videoclubs stehen für Perfektion, nicht für schnelle Effekte. „Das ist vielleicht ein Generationen-Konflikt“, sinniert Wolfgang Piltz.

Zugegeben, die Mitglieder des Film- und Videoclubs haben das Teenageralter schon etwas länger hinter sich gelassen. Und doch: Gerade bei diesem Club haben junge Filmer eine Chance. „Vor ein paar Jahren erst hat ein junger Mann aus Letmathe bei unserem offenen Wettbewerb gewonnen“, sagt Klaus Zettier. „Der Film hat es sogar bis zum Bundesfilmfestival geschafft.“ Eine Auszeichnung, mit der sich nicht viele Filmer schmücken können.

Ein Beitrag übers Minox-Museum

Wolfgang Piltz jedoch war auch schon beim Bundesfilmfestival vertreten. Mit einem Beitrag über die Feuerwerksmusik des kürzlich verstorbenen Siggi Tomczak. Zurzeit dreht er einen Beitrag über das Minox-Museum in Hemer von Reinhard Lörz.

Apropos Wettbewerbe: Das sind die Höhepunkte im Jahr der heimischen Filmautoren. Einmal im Jahr startet ein wettbewerb, immer im Wechsel öffentlich und intern. Also für alle zugänglich beziehungsweise nur für Mitglieder. Dazu kommen externe Juroren nach Hohenlimburg gereist, die das Filmmaterial sichten und die besten Beiträge für den nächsten Wettbewerb auf Landesebene auswählen. Der nächste Wettbewerb steht am 14. Oktober an. Vielleicht kann Wolfgang Piltz dann schon mit seinem Film über das Minox-Museum glänzen.

Der Film- und Videoclub ist offen für Besucher. Jeder kann zu den Clubabenden (nächstes Treffen am Montag, 29. April 2013, um 19.30 Uhr im Bürgersaal Hohenlimburg) kommen und mitdiskutieren. Wer mag, kann auch nach vorheriger Absprache eigene Filme vorstellen. Denn filmen kann heute eigentlich jeder. Das Rüstzeug, ein Filmchen zu einem gestandenen Filmprojekt zu machen, aber, das kann man sich nur im Austausch mit anderen Film-Enthusiasten verschaffen. Der Film- und Videoclub Hohenlimburg/Letmathe heißt Sie willkommen.