Die Sanfte Kunst der Verteidigung

Rummenohl. (AnS) Das ungute Gefühl, alleine durch das schlecht beleuchtete Treppenhaus des Parkhauses zu gehen, den mulmigen Eindruck, den eine Gruppe Fremder hinterlässt, die im Dunkeln den eigenen Weg kreuzt: Ob Mann oder Frau, diese Empfindungen kennt wohl jeder.
Seit den Ereignissen in Köln sind sie gerade für das weibliche Geschlecht stärker geworden, das weiß auch Thomas Stommel, Trainer bei „DOKAN“, einem kleinen Verein im Hagener Süden, der nur eine Sparte anbietet: Ju Jutsu, ein modernes Selbstverteidigungssystem, die sanfte Kunst sich zu schützen, ursprünglich auf asiatischer Basis 1969 als Verteidigung für Behörden entwickelt.
Die Techniken der Kampfkunst aber sind effektiv: Schlag- und Tritttechniken gehören ebenso dazu wie Würge-, Hebe- und Wurftechniken und die Auseinandersetzung am Boden.
Trainer Stommel möchte aber etwas ganz anderes vermitteln. „Unser Motto heißt ‚Mit Sicherheit Lebensgefühl‘“, erklärt der 48-Jährige, der bereits als Grundschüler mit Judo begann. Der Verein möchte indes ein Gesamtpaket anbieten: „Wir sind interessiert an dauerhaften Sportlern, die Spaß an der Bewegung, an einer sozialen Gemeinschaft und eben am Sport haben.“
Ju Jutsu heißt bei „DOKAN“ nicht einfach „draufhauen“, sondern zu erkennen ‚Ich bin nicht wehrlos, ich kann mich wehren‘.

Waffenlose Kampfkunst

Die waffenlose Kampfkunst ist ein Mittel sich zu verteidigen, Körper und Gesundheit zu schützen. „In erster Linie aber hat die Deeskalation Priorität.“
Selbstbehauptung ist ein wichtiger Wert, die Verteidigung spielt jedoch eine untergeordnete Rolle und soll nur im Notfall zum Tragen kommen. „Der Täter sucht  sich sein Opfer nach bestimmten Merkmalen aus“, erklärt Thomas Stommel, der seit 2003 Frauenreferent in NRW ist und sich um die Trainer-
ausbildung im Landesverband kümmert.
„Hier geht es um die Fragen ‚Wie wirke ich nicht so schwach? Wie kann ich mich erfolgreich verhalten in Situationen, die mir unangenehm sind‘?“ Deshalb wird im Rummenohler Verein durchaus auch Nähe und das Überbrücken von Distanzen vermittelt.

Gegenwehr sinnvoll

Eine Umfrage hat übrigens ergeben, dass neun von zehn Frauen durch eine entsprechende Gegenwehr, Straftaten abwenden konnten.
Von Crashkursen, wie sie oft derzeit angeboten werden, hält er nichts. „Selbstverteidigung braucht seine Zeit, denn oft muss sie eine Verhaltensänderung bewirken.“
Zeit, die „DOKAN“ seinen Mitgliedern gibt. „Die Kampfkunst wird nie langweilig, man braucht fast sein ganzes Sportlerleben, alles zu erlernen.“
Ju Jutsu sieht er als einen gemeinnützigen Sport, in dem man sich rundum wohlfühlen soll, ohne all zu viel körperliche Kraft aufwenden zu müssen: Gerade für Frauen ideal.

Kleiner Verein

Möglich ist das in einem kleinen überschaubaren Verein, wie dem 2003 gegründeten DOKAN mit seinen rund 20 Mitgliedern mit einem Altersdurchschnitt von 30 Jahren und einem Frauenanteil von circa 50 Prozent.
Trainiert wird zweimal wöchentlich jeweils montags und freitags von 19 bis 21 Uhr in der Turnhalle Rummenohl.

„Wer Interesse hat, kann einfach mal vorbeischauen“, lädt der Danträger ein. „Eine Kindergruppe aber bietet unser Verein nicht an.“