Die Schöne aus dem Internet…

Der 31-jährige Stefan Nacke aus Altenhagen bewahrte seinen Bruder, der im Internet mit einer Engländerin flirtete, vor einer Dummheit und verhalf einem Betrugs-Opfer aus Erlangen wieder zur gestohlenen Summe. (Foto: Anna Linne)

Hagen. (anna) Einer recht windigen Betrügerin aus England konnte der 31-jährige Hagener Stefan Nacke zwar nicht das Handwerk legen, doch schaffte er es, eine ihrer Straftaten zu verhindern und Opfern aus Erlangen wieder zu ihrem Geld verhelfen.

Hier die ganze Geschichte: Stefan Nackes Bruder Christoph (36) lernt in einem Internet-Flirt-Portal eine äußerst attraktive Engländerin namens Camilla Vila aus Glasgow kennen und schreibt sich über Wochen mit ihr. Die angebliche Studentin, die dem Hagener reichlich Avancen machte, schrieb in einem kaum verständlichen Deutsch. „Als sie dann ihren Besuch in Hagen ankündigte, freute sich mein Bruder sehr, denn Camilla Vila stellte auf ihren Fotos eine wirkliche Schönheit dar“, berichtet Stefan Nacke. „Doch dann kam eine Mail, die mich sehr stutzig machte.“

Angeblich beraubt

Darin schrieb Camilla, dass sie in England auf der Fahrt zu ihrer Schwester am Bahnhof beraubt worden sei. Ihre Handtasche mit allen Papieren und Dokumenten sowie mit all ihrem Geld sei verschwunden. Ebenso ihre Kreditkarte. Um eine neue zu bekommen, müsse sie in die Arabischen Emirate reisen, weil dort auch ihr ganzes Geld sei, schreibt Camilla in einer Email. Sie bräuchte dringend Hilfe, sonst könne sie nicht nach Hagen kommen.

„Sie forderte aber kein Geld von meinem Bruder, wie jeder jetzt jeder denken würde“, berichtet Stefan Nacke, „sie wollte nur seine Bankverbindung. Camillas Schwester, die angeblich mit ihrem Mann auf Forschungsreise sei, würde dann Geld auf das Konto meines Bruders überweisen, so dass sie doch nach Hagen kommen könne. Mein Bruder sollte die Summe dann mit der Geldtransfergesellschaft ’Western Union’ wieder nach England überweisen.“

Etwas faul

„Ich wusste sofort, dass hier etwas faul war und begann zu recherchieren“, erklärt Stefan Nacke. Und tatsächlich findet er Erstaunliches: Er stellt fest, dass die Nachricht aus Italien stammte und über einen russischen Mail-Server mit einer englischen Absenderadresse verbreitet wurde.

Inzwischen warteten auf dem Konto des Bruders 4780 Euro, die mit der Western Union nach England an einen Dmitrijs Miluhins (ein Onkel von Camillas Freundin) nach London transferiert werden sollten. „Doch stattdessen sind mein Bruder und ich zur Polizei gegangen, um diese Camilla Vila anzuzeigen. Die Beamten meinten allerdings nur, wir sollten das Geld zurück schicken und auf Kontaktversuche nicht mehr reagieren“, berichtet Nacke enttäuscht. „Ich habe echt geglaubt, dass die Polizei uns helfen würde.“

Massive Versuche

Jetzt, seit das Geld auf dem Konto liegt, werden die Kontaktversuche der Engländerin immer massiver. Es hagelt Anrufe, SMS und Emails immer mit dem demselben Inhalt: „Wo bleibt mein Geld? Schick es schnell!“

Doch die Brüder reagieren besonnen. Sie überweisen die hohe Summe zurück an den Absender. „Und jetzt wird’s komisch“, berichtet Nacke, „der Absender war ein Mann aus Erlangen, das Geld stammte von seinem Baukonto, das eigentlich gar keinen Onlinezugang hatte.“ Trotzdem schafften Hacker es, das Konto zu knacken und fast 5000 Euro auf das Konto des Hageners zu überweisen.“

Undankbare Bank

Die Kontaktversuche der schönen Engländerin werden immer dringender und häufiger. „Erst als wir ihr mitteilen, dass die Summe wieder zurückgebucht wurde, bricht sie ihre Verbindung zu meinem Bruder sofort ab. Wir haben nie wieder etwas von ihr gehört.“

Das Geld wurde seinem Besitzer in Erlangen überwiesen. „Ich habe bei der dortigen Bank meine Telefonnummer hinterlassen, weil ich das Phishing-Opfer gerne einmal gesprochen hätte. Namen und Adressen hat man mir aus Datenschutzgründen nicht ausgehändigt“, berichtet Stefan Nacke, „überhaupt waren die Bankleute ziemlich unfreundlich und reagierten ziemlich genervt, als ich sie mit meinem Anliegen – dem Transfer der zu Unrecht abgehobenen Summe – konfrontierte. Ein Dankeschön hätte mich doch gefreut,“ gibt der Hagener zu.

Niemals!

Schließlich bekommt der Hagener doch noch Post aus Erlangen. Das Phishing-Opfer, das dann doch die Kontaktdaten von Stefan Nacke von der Bank bekommen hatte, bedankte sich überschwänglich. „Niemals im Leben, so schrieb der Mann aus Erlangen, hätte er es für möglich gehalten, ein Phishing-Opfer zu werden, denn sein Computer sei mit dem aktuellsten Virenschutz ausgestattet. Ferner sollte das Baukonto niemals ein Onlinekonto sein. Die Bank habe die Summe zu Unrecht überwiesen. Auch die Polizei in Erlangen, die mit dem Fall konfrontiert wurde, zeigte sich anscheinend ziemlich desinteressiert. Er habe sein Geld doch wieder, was er denn dann noch wolle, sollen die Kripobeamten dort gesagt haben.

Stefan Nacke rät: „Niemals wichtige, persönliche Daten im Internet preisgeben, vor allem dann nicht, wenn man die Menschen, mit denen man in Kontakt steht, nicht kennt. Bei meinem Bruder ist noch einmal alles gut gegangen. Hätte er das Geld nach England transferiert, wäre es nicht nur für immer verschwunden gewesen, mein Bruder hätte sich sogar noch strafbar gemacht.“