Die schreckliche Sucht, Tiere zu horten

Ein bildschöner Maine-Coon-Kater, der im Tierheim wieder zu Kräften kommen soll. (Foto: Anna Linne)
Ein bildschöner Maine-Coon-Kater, der im Tierheim wieder zu Kräften kommen soll. (Foto: Anna Linne)

Hagen. (anna) Vor genau zwei Wochen fanden 29 Maine-Coon-Katzen aller Schattierungen und Farben den Weg ins städtische Tierheim an der Hasselstraße. Die hübschen Katzen zwischen vier Monaten und vier Jahren stammen aus einem Haushalt in Priorei. Der Amtstierarzt hatte die Tiere beschlagnahmt, weil sie in unglaublich ekligen Verhältnissen lebten und völlig unterversorgt waren. Die Besitzerin war mit der Pflege und Fütterung dieser vielen bildschönen Rassekatzen offensichtlich überfordert. Polizei und Ordnungsamt transportierten die meist unkastrierten und untergewichtigen Katzen dann ins Tierheim. So stieg die Zahl der Samtpfoten schnell auf 120, obwohl der Katzentrakt im neuen Tierheim nur für 70 Tiere vorgesehen ist.

„Wir können diese Tiere leider noch nicht vermitteln, weil das Verfahren nicht abgeschlossen ist“, bedauert Birgit Ganskow vom Tierschutzverein. „Wenn es soweit ist, wollen wir sie nach Kastration und Impfung paarweise oder einzeln zu einer schon vorhandenen Katze abgeben.“ Viele der 29 Maine-Coons müssen auch noch geschoren werden, da ihr Fell besonders am Unterbauch völlig verfilzt ist. „Was die Tiere mitgemacht haben und wie lange schon, mag man sich gar nicht vorstellen“, meint Ganskow, „das ist schon Animal-Hoarding.“

Tiersammelsucht

Animal Hoarding kann mit Tiersammel-Sucht oder Tierhorten übersetzt werden. Es beschreibt ein Krankheitsbild, bei dem Menschen Tiere in einer großen Anzahl halten, sie aber nicht mehr angemessen versorgen. Es fehlt an Futter, Wasser, Hygiene, Pflege und tierärztlicher Betreuung.

Die Halter erkennen nicht, dass es den Tieren in ihrer Obhut schlecht geht. Fast immer bezeichnen sich Animal-Hoarder als Tierfreunde und Tierschützer. Eine Sammel-Sucht beginnt oft mit der Aufnahme von wenigen Tieren, irgendwann wächst deren Zahl ins Unermessliche.

Unter schlimmsten hygienischen Bedingungen, unterernährt und ohne medizinische Versorgung leben mitunter mehrere hundert Tiere auf kleinstem Raum mit ihrem Halter. Besonders oft betroffen sind Kleintiere, Nager, aber auch Hunde, Katzen und Vögel. Meist dauert es Jahre, bis eine solche „Sammlung“ entdeckt wird – die Sammler sind oft schnell überfordert mit ihren Tieren, können die Missstände aber nicht mehr selbstständig erkennen oder beseitigen.

Wenn Nachbarn irgendwann, durch Gerüche oder Lärm alarmiert, Polizei oder Veterinäramt einschalten, bietet sich häufig ein Bild vollkommener Verwahrlosung der Tiere. In der Regel zeigen die Halter trotz überdurchschnittlich hoher Tierzahl und zu geringem Raumangebot keine Einsicht, dass sie den Tierbestand reduzieren müssen. In diesen Fällen brauchen sowohl die Tiere als auch die Menschen dringend Hilfe.

Weitere Infos zu den Tieren gibt es im Hagener Tierheim unter Telefon 02331 / 25454 oder beim Tierschutz unter Telefon 02331 / 406661.