Die Waffen der Justiz

Hagen. (ME) Die Hagenerin Dr. Stephanie Marra ist Geschichtswissenschaftlerin und leitet normalerweise an der Dortmunder Universitätsbibliothek das Fachreferat für Geschichte, Kunst und Theologie, außerdem ist sie die Leiterin des Universitätsarchivs. Das klingt harmlos. Doch Stephanie Marra hat – wissenschaftlich gesehen – ein besonderes Interesse: Scharfrichter, Richtstätten und Todesurteile. Was fast vergessen ist: Vom Mittelalter bis in die jüngste Vergangenheit wurden auch im Raum Hagen immer wieder Todesstrafen ausgesprochen und vollzogen.

Genau diesem Thema widmet sich Stephanie Marra am Samstag, 10. Oktober 2015, ab 15 Uhr im Hörsaal des Kunstquartiers Hagen an der Hochstraße (Osthaus-Museum.). Anlass ist der „Internationale Tag gegen die Todesstrafe“. Die Historikerin stellt die unterschiedlichen Delikte vor, die früher zu einer Verurteilung zum Tode führen konnten, sowie die damit verbundenen Akteure und Orte im Wandel der Zeiten.

Richtstätten in Hagen?

Eine besonders spannende Frage ist, wo im Raum Hagen die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Richtstätten lagen, welche Bedeutung sie besaßen und wie ihre Überreste bis heute wahrgenommen werden. Die Richtstätten, auf denen Todes- und rituelle Körperstrafen vollzogen wurden, waren „Theater des Schreckens“. Schon während ihrer Nutzung galten sie als geheimnisvolle Orte, die von Mythen umwoben waren – und es bis heute noch sind. Mittlerweile beschäftigt sich auch die Archäologie mit früheren Richtstätten.

Der Veranstaltungsort – das Kunstquartier Hagen – ist dabei von einem besonderen Interesse, da er auf dem Gelände einer Hinrichtungsstätte liegt. Im Hof des früheren Polizei- und Gerichtsgefängnisses in der Prentzelstraße wurden seit den 1830er Jahren bis 1912 zum Tode verurteilte Menschen mit dem Handbeil enthauptet. Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurden im Hof und im Keller des Gefängnisses ausländische Zwangsarbeiter durch Mitarbeiter der Gestapo ermordetet.

Marras Vortrag ist eine Gemeinschaftsveranstaltung des Fachbereichs Kultur der Stadt Hagen, des Emil-Schumacher-Museums und des Karl-Ernst-Osthaus-Bundes. Der Eintritt kostet 5 Euro.