Diegos Zeit beim Barras

Hagen. (tau) „Ich wollte da eigentlich gar nicht hin. Aber dann ging alles plötzlich ganz schnell – und ich war beim Bund.“ Fast könnte man sagen: Ein Glück! Sonst wären uns die äußerst amüsanten Anekdoten von Dirk „Diego“ Esser entgangen. Die hat der bekannte heimische Musiker jetzt in einen Roman „gegossen“.

Bekannt ist der Hagener Musiker Dirk Esser durch seine Auftritte mit „Diego & friends“, „Blonde Date“ oder „Wild at heart“. Jetzt erscheint sein erstes Buch: „Glück ab!“, ein Roman, der in den 80er Jahren spielt. (Foto: Frank Lehmann)

„Glück ab!“ erzählt von den Abenteuern des Hagener Wehrpflichtigen Jörg Beck in den 80er-Jahren. Ein Werk mit autobiographischen Zügen, jedoch keine wirkliche Autobiographie, auch wenn es an Originalschauplätzen spielt und von wahren Begebenheiten erzählt.

„Eigentlich wollte ich nur mal die Anekdoten niederschreiben, die ich bei der Bundeswehr erlebt habe“, erklärt Dirk Esser. „Aber das Schreiben ging mir so leicht von der Hand, dass die Idee kam, einen ganzen Roman daraus zu machen.“ Im Winter 2009/2010 griff er drei Monate lang nicht nur bei „Blonde Date“, „Wild at heart“ oder „Diego & friends“ in die Gitarrensaiten, sondern auch in die PC-Tasten – und schuf ein humorvolles literarisches Zeitzeugnis der 80er Jahre.

Stoff für „40er“

Im Mittelpunkt: Jörg Beck. Genau wie der Autor, drei Monate in Bremen, 12 Monate in Iserlohn stationiert, wo er als angehender Fallschirmjäger viele Dinge lernte, deren Sinn sich ihm nie erschloss. Dazu frisch verliebt, mit erster eigener Bude in Eppenhausen, abends unterwegs in den Kneipen und Discos der Hagener City. Ein junger Mann zwischen Truppenübungsplatz und Essbesteck, Paderborner Pilsener und Tiefkühlpizza, zwischen Treppenhausputz und natürlich viel Musik. Unterhaltsam-leichter Stoff, der besonders der Leserschaft „40plus“ gefallen und alte Erinnerungen wecken wird.

Verlagsangebot

Im Pomaska-Brand-Verlag war man von Essers Manuskript, vor allem von der lebhaften, direkten Sprache begeistert und nahm „Glück auf!“ als ersten Roman dieser Art ins Programm auf. Am 24. Juni 2011 wird das Buch im Handel erhältlich sein – und ja, eine Fortsetzung ist auch bereits in Planung. „Das Leben von Jörg Beck geht schließlich weiter“, schmunzelt der fast 46-jährige Autor. Doch damit nicht genug. Parallel arbeitet der gebürtige Wehringhauser übrigens auch noch an einem Kurzgeschichtenband.

Um wirtschaftliche Interessen ging und geht es dem Vater dreier Söhne und Geschäftsführer eines heimischen Stahlhandels dabei allerdings nicht. „Vielmehr hatte ich das Bedürfnis, der Nachwelt etwas zu erhalten. Ursprünglich wollte ich einfach selber nur ein paar Exemplare meines Buchs drucken lassen und sie dann an Freunde und Familie verschenken. Als mir der Verlag dann aber einen Vertrag anbot, habe ich mich natürlich gefreut!“

Lesung mit Musik

Am Freitag, 1. Juli 2011, hält Dirk Esser ab 20 Uhr eine erste Lesung aus seinem Werk im Kulturhof Emst, untermalt von Songs, die auch in „Glück ab!“ eine Rolle spielen. Im Anschluss gibt er dann zusammen mit Willes Zoermer ein zweistündiges Live-Konzert.

Ach ja, und wer wissen möchte, warum das Buch „Glück ab!“ heißt, hier eine kleine Leseprobe:

Ich kann mich gut erinnern, dass am Morgen des 2. Tages die komplette Truppe vor der Kompanie antreten musste. „Der Spieß will eine Rede halten.“ Ächz, schon wieder?

Das Ritual mit „Stillgestanden – Richt Euch – Augen rechts“ klappte schon ganz gut und der Hauptfeldwebel begrüßte uns noch einmal offiziell. Uns, das Aushängeschild der deutschen Bundeswehr, bla bla bla. Dann, zum Ende der kleinen Ansprache, brüllte er auf einmal: „Wir wünschen allen Fallschirmjägern: GLÜCK -…“

„…AUF“ schrieen wir wie aus einer Kehle. Na, guck. Schienen doch ‚ne Menge Soldaten aus dem Ruhrpott zu kommen.

Der Hauptfeldwebel war ein bisschen blass um die Nase geworden, flippte fast aus. „‘AB‘ heißt das bei den Fallschirmjägern, ‚GLÜCK AB‘“, krächzte er mit sich überschlagener Stimme. „Wir wollen doch heil wieder runter auf die Erde kommen!“ Dabei schüttelte er ungläubig den Kopf.