Hagens Musikszene in den 60ern

Der Schlagzeuger Dietmar Brendel hat die Zeit der Beatmusik hautnah miterlebt und war als Musiker immer aktiv dabei. Nach fast fünfjähriger Recherche hat der 62-Jährige nun ein Buch veröffentlicht, in dem er die Beat-Ära in Hagen zwischen 1962 und 1969 eindrucksvoll dokumentiert. (Foto: Anna Linne)

Hagen. (anna) Skeptische Blicke und mahnende Worte ihrer Eltern konnten sie nicht abhalten. Hagens Jugend emanzipierte sich in den 60ern im Takt der Beat-Musik. Viele Bands, die damals in Hagens Kellern die heißen Rhythmen probierten, hatten daran großen Anteil.

Die 60er: in und um Hagen änderte sich vieles: Junge Männer trugen ihre Haare plötzlich länger und mit ihrem Kleidungsstil wollte die junge Generation so gar nicht in die Fußstapfen ihrer Eltern passen, die die Beat-Musik verachteten, manchmal sogar verboten. Einige Jugendliche mussten ihre Schallplatten heimlich hören. Dieser von vielen älteren Menschen verpönte und häufig als „Hottentotten- oder Affenmusik“ bezeichnete neue Musikstil nannte sich Beatmusik und wurde durch Gruppen wie Beatles, Rolling Stones, Animals oder Kinks sehr schnell populär und natürlich auf allen Radiosendern gespielt. Die damalige Jugend ließ sich nicht einschüchtern. Die Beat-Musik diente ihr als Ventil, wurde fast zu einer Bewegung.

In der Folge schossen im gesamten Bundesgebiet neue Bands aus dem Boden, um es ihren Idolen gleichzutun. So gab es in Dortmund, in der Beatstadt Nummer Eins in Nordrhein-Westfalen mindestens 60 Bands. Doch auch in Hagen feierte die Beatwelle Hochkonjunktur. Bis zu 40 Gruppen spielten in Kneipen, Jugendheimen, Sälen und Kneipen, denn Auftrittsmöglichkeiten gab es in der Volmestadt mehr als genug.

Zu dieser Musikszene gehörte auch der Hagener Dietmar Brendel, der sich seit seinem 16. Lebensjahr autodidaktisch als Drummer betätigte. Der heute 62-Jährige, der immer in irgendwelchen Bands spielte, ist seit 1995 festes Bandmitglied bei der Oldieband „Die Grafen“. Auch Brendel war damals fasziniert vom neuen Musikstil, der sein Leben vielleicht prägte, denn fortan spielte er immer in irgendwelchen Bands: Nach dem er sich autodidaktisch das Schlagzeugspielen beigebracht hatte, trommelte er bei der Beatband „The Danger Group“ und der Beat- und Tanzcombo „Four Floridas“. Anfang der Siebziger machte Brendel mit der Tanz- und Showband „Sound Set“ 19 Jahre lang Tanzmusik. Von 1995 bis 2000 spielte er bei der Oldieband „Les Clochards“, bevor er schließlich durch den „Grafen“ Helmut Wockelmann bei den Grafen- Oldies landete.

Der Junge von der Boeler Straße sah im Westfalenhof am Emilienplatz die erste Beat-Band und war erschlagen vom tollen Sound. „Es waren nur drei Leute, und die machten Musik, die mich umhaute, einfach grandios.“ Sein Interesse fürs Schlagzeugspielen war geweckt. „Als 16-Jähriger lief ich dann oft stolz mit ’Sticks’ (Schlagstöcke) durch die Gegend, obwohl ich noch gar kein Schlagzeug hatte“, lacht Brendel heute über sein jugendliches Verhalten. Doch Brendel lernte schnell und schon bald spielt er in den ersten Bands.

„Auch mein jüngerer Bruder, Rolf Brendel, war damals fasziniert von den Jungs, die im Kohlenkeller musizierten“, berichtet Dietmar Brendel, „ich brachte ihm dann die ersten Grundbegriffe am Schlagzeug bei. Später hat er dann als Schlagzeuger von Nena Karriere gemacht.“

Um diese für die damalige Generation so wichtige, interessante und spannende Zeit nicht Vergessenheit geraten zu lassen, entschloss sich Brendel vor einigen Jahren, diese Zeit zu dokumentieren und in Buchform zu verfassen. Jetzt hat der Schlagzeuger der “Grafen“ ein fast 200-Seiten-starkes Buch auf den Markt gebracht, in dem er die Hagener Beat-Szene in den Jahren 1962 bis 1969 aufgearbeitet hat. Fast fünf Jahre lang hat der Musiker gesammelt und geforscht. „Ich habe umfangreich recherchiert, zahlreiche Telefonate und Gespräche geführt, und mit vielen ehemaligen Musikern Erinnerungen ausgetauscht“, beschreibt Dietmar Brendel seine Vorgehensweise. „Mittlerweile habe ich ein umfangreiches Archiv mit Hunderten von Fotos, Zeitungsausschnitten, Plakaten, Flyern und vielem mehr zusammengetragen.“ Heraus kam eine bedeutende kulturhistorische Dokumentation über die Beat-Ära in der Volmestadt – eben Nostalgie pur.

Alle Bands aus Hagen, die noch irgendwie erreichbar waren, sind in dem Buch aufgelistet, abgebildet und ihr Werdegang beschrieben. Darüber hinaus gibt es kleine Episoden von Ehemaligen, Memorabilien wie Instrumente, Equipment und jede Menge Fotos. „Einige Bandbeschreibungen fallen allerdings sehr spärlich aus“, bedauert Brendel, „es war einfach nicht mehr Information zu bekommen. Teils hatten die Musiker Hagen verlassen, waren verstorben oder einfach nicht mehr auffindbar.“

„Natürlich hatte ich viele Freunde und Bekannte, die mir beim Recherchieren und Verlegen des Buches geholfen haben. Dafür möchte ich mich noch einmal herzlich bedanken. Weiterhin ist Brendel dankbar für jedes Material, was es aus dieser Zeit noch gibt, egal ob Fotos von Musikgruppen, Zeitungsartikel oder vielleicht sogar Filmaufnahmen. „Es spricht ja nichts dagegen, das Buch irgendwann einmal zu ergänzen.

“Beat in Hagen“, das einzigartige Buch über die Hagener Beatszene in der Zeit von 1962 bis 1969 mit fast 200 Seiten, 200 Fotos und 65 Farbseiten kann man unter der E-Mail-Adresse stroke-roll01@versanet.de zum Preis von 24,50 Euro bestellen. Viel Spaß beim Lesen!