Digitalisierung der Arbeitswelt: Übernimmt „Kollege Computer“?

Nur noch „altes Eisen“? - Der digitale Wandel ergreift zunehmend auch die industrielle Arbeitswelt. Welche Berufe es trifft und wer und was zukünftig zum attraktiven Museumsstück wird wie die alte Kornbrennerei im Gevelsberger Dorf, wird sich zeigen. (Foto: Claudia Eckhoff)

Hagen/EN-Südkreis. (ce) Die Arbeitswelt befindet sich mitten in einem tiefgreifenden Wandel. Schon jetzt geht etwa jeder vierte Arbeitnehmer einem Beruf nach, der ganz oder doch teilweise digital ersetzt werden könnte.

Was das für unsere stark industriell geprägte Region bedeutet, erläuterte Dipl.-Ing. Jürgen Köder, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsagentur Ennepe-Ruhr, dem Wochenkurier.

„Kürzlich haben wir zusammen mit der Agentur für Arbeit Hagen zu einem ersten Forum zu diesem Thema eingeladen“, sagt Jürgen Köder. „Vertreter des Handwerks, der SIHK und der Jobagentur kamen mit Unternehmern ins Gespräch.“

Auch Facharbeiten sind betroffen

Der digitale Wandel hat längst den Einzelhandel und den Service-Sektor im großen Stil verwandelt. Nun ergreift er aber auch die industrielle Arbeitswelt.

„Eine Studie des IAB-Forschungsinstituts der Bundesagentur für Arbeit zeigt, welche Tätigkeiten in verschiedenen Berufen schon heute durch Computer, Anlagen oder Maschinen übernommen werden könnten. Es ist nur noch eine Frage der Zeit“, so Jürgen Köder. „Nicht nur die Jobs ungelernter Produktionshelfer oder einfacher Lagerarbeiter, sondern auch verstärkt die der Fachkräfte sind durch eine hohe Automatisierungsmöglichkeit gefährdet. Ein ‚Ersetzbarkeitspotenzial‘ hat schon jetzt jeder vierte Arbeitsplatz in unserer Region. Mit mittlerer Wahrscheinlichkeit trifft das auch schon auf qualifizierte Berufe wie etwa den des Zerspanungstechnikers zu.“

Industrie und Service

Bisher kann „Kollege Computer“ in vielen Berufen erst Teilbereiche ersetzen. „Ein Automobilmechaniker etwa verrichtet neun verschiedene Tätigkeiten. Erst vier davon könnten schon jetzt von einem Roboter übernommen werden. Gerade in der Diagnose bleibt der Fachmann zunächst unersetzlich“, weiß Jürgen Köder. „Die Unternehmen müssen sich fragen, wie sie ihre Leute unter den stark veränderten Anforderungen weiterbeschäftigen und vor allem wie sie sie in Zukunft ausbilden und weiterqualifizieren.“

Jürgen Köder, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsagentur Ennepe-Ruhr.
(Foto: Wirtschaftsförderungsagentur Ennepe-Ruhr)

Mit welchen Ideen und Maßnahmen lässt sich zukünftig also die Beschäftigung in der Region überhaupt sichern? „Die IAB-Studie hat gezeigt, dass in den letzten etwa sieben Jahren bundesweit rund 300.000 Jobs in der Industrie verschwunden sind, aber zeitgleich etwa genauso viele im Dienstleistungsbereich entstanden sind. Unsere Arbeitswelt wird sich also verändern, aber nicht verkleinern“, vermutet Jürgen Köder.

Einfach unersetzbar

Überall da, wo komplex mit der Hand oder nah am Menschen gearbeitet wird wie im Handwerk, in der Pflege, der Beratung oder der Sozialarbeit wird sich wenig ändern. „Der Dachdecker ist nicht digitalisierbar“, so Köder. „Auch wenn bei der ersten Dach-Analyse schon Drohnen zum Einsatz kommen.“

Lernen, aber richtig

Was bedeutet die Digitalisierung für die Ausbildung der Menschen? Das Schlagwort vom „Lebenslangem Lernen“ geht schon lange um. „Aber das muss man auch ernst nehmen und wirklich etwas tun“, mahnt Jürgen Köder. „Und wir brauchen Ideen, wie wir unsere jungen Menschen am besten auf die veränderte Arbeitswelt vorbereiten.“

Vorbild Jack Ma

Sein Vorbild ist darin der chinesische Unternehmer Jack Ma. Der Menschenfreund gilt als einer der einflussreichsten Visionäre. Das Vermögen des Internet- und Technologie-Tycoons wird auf 50.5 Billionen US Dollar geschätzt.

„Nur reines Wissen zu vermitteln, ist tödlich“, sagt Jack Ma. „Im Wissen ist uns die Maschine immer überlegen. Was wir lehren müssen, ist eine allumfassende Denk-Fähigkeit wie man sie lernt im Sport, in der Kreativität oder in der Teamarbeit.“