DJV: „Kahlschlag bei Funke“ – Medienkonzern plant massive Einschnitte

Hagen. (ME) Als „konfusen und völlig überzogenen Aktionismus“ verurteilt der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) die am Donnerstag, 7. Februar, bekannt gewordenen Pläne der Funke-Mediengruppe, massive Einschnitte in redaktionelle Arbeitsplätze vorzunehmen.

Wie der DJV auf seiner Homepage schreibt, sollen in der Berliner Zentralredaktion mehr als 20 Journalistinnen und Journalisten ihre Arbeitsplätze verlieren. Das entspricht fast einem Viertel der Stellen. An den drei Zeitungstiteln in Nordrhein-Westfalen (dazu gehört auch die Westfalenpost in Hagen) will Funke zehn Prozent der Stellen streichen. Die WP-Redaktion in Warstein mit fünf Mitarbeitern soll ganz geschlossen werden. Komplett schließen will der Konzern das Essener Druckhaus mit 120 Mitarbeitern, so der DJV.

Hierzu schreibt die Funke-Gruppe in einer eigenen Medienmitteilung: „Aufgrund der strukturell rückläufigen Tageszeitungsauflagen sind die beiden NRW-Druckereien in Essen und Hagen jeweils nur noch etwa zur Hälfte ausgelastet. Diese Betriebsstruktur ist wegen der damit verbundenen Kosten nicht mehr zukunftsfähig und bedarf einer Anpassung. Deswegen ist geplant, die Druckaktivitäten an dem größeren Standort Hagen zusammenzuführen. Dort entstehen durch den Kapazitätsaufbau neue Arbeitsplätze. Diese Maßnahme wird durch ein umfassendes Investitionsprogramm im niedrigen zweistelligen Millionenbereich flankiert. In Hagen entsteht somit ein hocheffizienter Betrieb, der auf die zukünftigen Anforderungen in technischer und kapazitiver Hinsicht optimal ausgerichtet wird. Mit den Mitarbeitern des Essener Betriebes bzw. deren Vertretern wird zeitnah darüber beraten, inwiefern Beschäftigungen am Standort Hagen möglich sind.“

„Kein Grund“

Teil der Neuausrichtung sei laut Funke ein strategisches Kostensenkungsprogramm an allen Standorten, das auch Personalabbau beinhaltet. Am Donnerstag wurden Betriebsräte sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der betroffenen Bereiche über die Planungen informiert.

„Für diesen Kahlschlag gibt es keinen Grund“, kritisiert DJV-Bundesvorsitzender Frank Überall. Unbestritten sei, dass auch die Funke-Mediengruppe vom Strukturwandel der Medien betroffen sei. „Wer in einer wirtschaftlichen Durststrecke qualifizierte und verdiente Journalisten in die Arbeitslosigkeit entlässt, hat von verlegerischer Verantwortung keine Ahnung“, so der DJV-Vorsitzende. Mit immer weniger Journalistinnen und Journalisten in den Redaktionen müsse zwangsläufig die Qualität der Produkte Schaden nehmen.

Der DJV-Vorsitzende fordert von den Verantwortlichen des Medienkonzerns, „von ihren Kahlschlagplänen Abstand zu nehmen“. Über konstruktive Lösungen möglicher wirtschaftlicher Schwierigkeiten solle der Konzern mit dem Betriebsrat verhandeln, sagt der DJV.

Und wie begründet die Funke-Gruppe die Maßnahmen? In der bereits zitierten Medienmitteilung schreibt Ove Saffe, für das Zeitungsgeschäft verantwortlicher Geschäftsführer: „Die Kosten für die Zeitungszustellung haben sich auch aufgrund staatlicher Maßnahmen drastisch erhöht, die Zustellung wird dadurch immer schwieriger. Wenn wir die Entwicklung unserer Auflagen und der Werbeerlöse in die Zukunft fortschreiben und Belastungen wie steigende Papierpreise hinzurechnen, wird deutlich, dass wir den Schalter jetzt umlegen müssen.“

Und weiter sagt er: „Die Digitalisierung hat die Werbevermarktung so radikal verändert, dass auch hier eine grundlegende Anpassung der Strukturen und Prozesse notwendig ist. Ziel ist eine sinnvolle Zentralisierung bei gleichzeitiger Schaffung schlagkräftiger Teams vor Ort. Die Neuaufstellung der Vermarktung ist eine besondere Herausforderung. Wir müssen hier ganz neu denken und kommen leider nicht am Abbau von Stellen vorbei. Der Vertrieb wird in Fortführung der seit vier Jahren erfolgten Harmonisierung ebenfalls zentralisiert und optimiert dabei standortübergreifend seine Prozesse.“ Darüber hinaus sei eine Neuaufstellung der kaufmännischen Bereiche vorgesehen.

Wk-Kommentar: Vor dem Hintergrund dieser Funke-Maßnahmen ist es umso wichtiger, dass vor Ort konzernunabhängige Blätter erhalten bleiben.

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