Dominikanische Republik: Idylle trügt

Hagen. (nic) Mit der Dominikanischen Republik verbinden die meisten Menschen Sonne, Palmen, karibische Klänge. Doch die Hagenerin Kirsten Henschel kennt auch eine andere Seite des Inselparadieses, die den meisten Touristen verborgen bleibt. Diese Seite erzählt von Armut, Bildungsnotstand, Korruption und Missbrauch.

Die Aufgaben von Kirsten Henschel in der Dominikanischen Republik sind vielfältig: neben der medizinischen Versorgung stehen etliche Hilfe-zur-Selbsthilfe-Projekte an. (Foto: privat)

Seit 2003 engagiert sich die Volmestädterin in der Hilfsorganisation „Nuestros Pequenos Hermanos DR“ (NPH), die in jenem Jahr gerade begonnen hatte, ein neues Kinderheim vor Ort aufzubauen. Seitdem ist die Hagenerin mit Herzblut dabei und leistet umfangreiche Hilfe.

Zum ersten Mal reiste Kirsten Henschel im Jahre 1991 auf die aus den beiden Staaten Haiti und Dominikanische Republik bestehende Insel Hispaniola. Während ihres Studiums der Romanistik gab sie Kindern ausländischer Diplomaten Deutsch-Unterricht. Zu den Schülern gesellten sich auch zwei junge dominikanische Frauen. Im Laufe der Jahre entwickelten sich Freundschaften. Schließlich besuchte Kirsten Henschel die Familien der Frauen in der Dominikanischen Republik. „Die Insel lernte ich so aus einer anderen Perspektive kennen, jenseits der Mauern der All-Inclusive-Hotels“, erinnert sich die heute 41-Jährige an die Anfänge.

Zunächst sammelten sie und ihr Mann im privaten Kreis Spenden, stellten Hilfspakete zusammen oder gaben kleine „Finanzspritzen“. 1994 und 1996 reiste Kirsten Henschel zwei weitere Male in die Dominikanische Republik. „Mit der Zeit stellte sich aber immer deutlicher heraus, dass unsere Hilfe nur ein ’Tropfen auf dem heißen Stein’ war“, erzählt die engagierte Frau. Zudem gab es auch bürokratische Hürden. Also suchten sie und ihr Mann nach einer Hilfsorganisation vor Ort, der sie sich anschließen konnten. Ihre Wahl fiel auf NPH. Seit 2003 lebt Kirsten Henschel mit ihrer Familie nun auf Hispaniola.

Vielfältige Aufgaben

In San Pedro de Macoris baute NPH gerade ein Kinderheim auf. Gestartet wurde mit sieben Kindern, doch schnell wuchs die Zahl. Heute leben knapp 200 Kinder in zwölf „familiy homes“. Es gibt zwei Schulgebäude, Bürogebäude, eine Kirche, eine Großküche, ein Krankenhaus, landwirtschaftliche Anbauflächen, Gewächshaus, Werkstatt, Spiel- und Sportplätze.

Heute ist Kirsten Henschel für die „Outreach-Projekte“ – das heißt: außerhalb des Waisenhauses – verantwortlich: „Wir wollen keine Insel auf der Insel sein, sondern vielmehr unsere Hilfe auf die Armensiedlungen, auf die Bevölkerung in der Umgebung ausbreiten.“ Schwerpunkte liegen im medizinischen Bereich, im Bildungsbereich (Erwachsenen-Bildung, landwirtschaftliche Schulungen, Hygieneschulungen, etc.) und im Bereich Baumaßnahmen (Renovierung von Hütten, Bau von Latrinen, etc.). So sollen insgesamt die Lebensumstände in den umliegenden Bateyes – das sind Siedlungen, in denen größtenteils Menschen mit haitianischer Abstammung leben – und in den benachbarten Barrios, den Vierteln der Stadt, verbessert werden.

Knapp 200 Kinder leben mittlerweile in dem Waisenhaus in der Dominikanischen Republik, das ihnen eine Perspektive bietet. Aber auch die Bevölkerung in den umliegenden Siedlungen wird mit in die Hilfsprojekte eingebunden. (Foto: privat)

Flexibilität gewinnt

Einen wirklich typischen Tagesablauf gibt es bei Kirsten Henschels Arbeit nicht. „Was man gewiss sehr schnell hier lernt, ist flexibel und anpassungsfähig zu sein“, sagt die engagierte Hagenerin, selbst Mutter eines sechsjährigen Sohnes. „Oftmals wird ein Tag durch medizinische Notfälle und Naturkatastrophen bestimmt“, erklärt sie nüchtern. Wenn finanzielle Mittel für Baumaßnahmen da sind, kann es auch vorkommen, dass die 41-Jährige etliche Stunden auf kleinen Baustellen verbringt.

Sind Mediziner-Missions-Gruppen da, stehen Operationen in der Klinik und die damit verbundenen organisatorischen Maßnahmen auf dem Programm. Viel Zeit wird auch für Schulungen für die gering gebildeten Bevölkerungsgruppen verwendet. Hilfe zur Selbsthilfe steht hier im Vordergrund.

Viele Hürden

Schwierigkeiten beruhen oftmals auf fehlenden oder nur geringen finanziellen Mitteln, wodurch auch der Umfang der Hilfsmaßnahmen sehr eingeschränkt ist. Aber auch interkulturelle Unterschiede wie Voodoo-Glaube oder Korruption machen die Arbeit nicht leichter. „Der stete Tropfen höhlt den Stein“, ist sich Kirsten Henschel sicher. Mit viel Freundlichkeit und Beharrlichkeit, vor allen Dingen aber mit einer großen Portion Geduld, geht sie an die Aufgaben heran. Am 16. Mai 2012 kommt die Entwicklungshelferin zu Besuch in ihre Heimatstadt. Dann wird sie natürlich auch ’die Werbetrommel’ rühren für die Hilfsprojekte bei NPH.

„Geldspenden sind mehr als willkommen“, so die klare Aussage der Wahl-Insulanerin. Spenden können direkt über die Homepage www.nph.org geleistet werden. Wird die Spende mit dem Verwendungszweck (Aktionsnummer) 9333 versehen, so wird dieser Spendeneingang für die Dominikanische Republik vermerkt und läuft direkt über Kirsten Henschels Schreibtisch. Neben Geldspenden können Patenschaften für Kinder wie auch Projekt-Patenschaften abgeschlossen werden. „Auch ein Voluntär-Einsatz ist von großer Hilfe, wir arbeiten viel mit Jahrespraktikanten, aber auch mit Kurzzeit-Missions-Gruppen zusammen“, erklärt Kirsten Henschel.

Wer helfen möchte, aber noch Fragen hat, kann sich mit ihr per E-Mail unter kirsten.henschel@gmx.net austauschen oder über die offizielle Mailadresse info.do@nph.org in Verbindung setzen.