Duale Karriere: Mit Ballett und VWL zum Erfolg

Linda Glawe ist nicht nur Ballett-Tänzerin sondern außerdem volkswirtschaftlich versiert. An der Fernuni Hagen arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin. (Foto: Fernuniversität Hagen)

Linda Glawe ist nicht nur Ballett-Tänzerin sondern außerdem volkswirtschaftlich versiert. An der Fernuni Hagen arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin. (Foto: Fernuniversität Hagen)

Hagen. Als Ballett-Tänzerin im Ensemble der neuen Operette Düsseldorf führt sie das Musical „My Fair Lady“ auf. In ihrem Büro auf dem Campus der Fernuniversität in Hagen dreht sich das Gespräch um ostasiatische Volkswirtschaften. Bühnentanz und Tanzpädagogik, Forschung und Fernuniversität: Linda Glawe (24) verknüpft beides.

Sie macht Karriere im Ballett und in der Wissenschaft. „Die Konkurrenz ist in beiden Bereichen sehr groß, das erforderliche Durchhaltevermögen extrem hoch“, sieht die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fernuniversität in Hagen eine wesentliche Parallele. „Ich möchte in beiden Gebieten das Beste aus mir herausholen.“
Fernstudium und Tanzausbildung
Das gelingt ihr seit der Schulzeit. Mit 17 Jahren kam Linda Glawe über das Akademiestudium an die Fernuniversität. Nach dem Abitur fand sie in der Volkswirtschaftslehre schnell Input und Instrumente für ihr Herzensthema, das sie bis heute nicht loslässt: Warum sind einige Länder so arm und andere so reich? Wachstumstheorien, Strukturwandel und Einkommensungleichheit waren daher schon in ihrem mit Auszeichnung bestandenen Bachelor- und Masterstudium der Wirtschaftswissenschaft Schwerpunkte.
Perfektes Konzept
Parallel dazu trainierte sie in ihrer Ausbildung zur Bühnentänzerin und Tanzpädagogin an der Berufsfachschule für Bühnentanz in Düsseldorf mehrere Stunden täglich. Als Ausgleich zur Universitäts­arbeit tanzt und unterrichtet sie auch jetzt noch regelmäßig in Düsseldorf. „Ohne die Fernuniversität wäre diese Zwei­gleisigkeit nicht möglich. Das Konzept passt für mich perfekt“, sagt Linda Glawe.
Langfristige Strategien
Seit vergangenem Jahr ist sie Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Volkswirtschaft. In ihrer Promotion greift sie das Konzept der „middle income trap“ mit Blick auf Asien auf. „Es geht um die Frage, warum viele Länder nach einer langen Zeit des raschen Wirtschaftswachstums schnell den Status eines Landes des mittleren Einkommens erreichen. Aber dann scheitern sie daran, diesen Einkommensbereich zu überwinden und zu den hochentwickelten Ländern aufzuschließen“, erklärt Linda Glawe. „Dieses Phänomen wird als ‚middle-income trap‘ bezeichnet.“ Wichtiger Bestandteil ihres Promotionsprojekts zur Prognose des Wachstums der Länder des mittleren Einkommens wird die Entwicklung eines Wachstumsmodells der chinesischen Wirtschaft sein.
Chinesisch lernen in der Freizeit
In ihrer knappen Freizeit hat Linda Glawe begonnen, Chinesisch zu lernen. Ihre Forschung, aber auch ihre Sprachbegabung treiben sie an. Gemeinsam mit ihrem Doktorvater Prof. Helmut Wagner hat sie in den vergangenen Monaten zwei Artikel zu ihrem Forschungsthema verfasst, die international auf großes Interesse gestoßen sind. Bei einer Konferenz mit internationalen Experten im japanischen Kobe hatte Linda Glawe jetzt Gelegenheit, Paper und Promotion vorzustellen.
Vernetzungen fördern
Eine wertvolle Erfahrung, um Kontakte für die weitere Wissenschafts­karriere zu knüpfen und sich zu vernetzen. Denn für Linda Glawe steht längst fest, dass sie nach dem Abschluss ihrer Promotion weiter forschen will. Während sie mit ihren 24 Jahren in der Wissenschaft noch jung ist, rückt als Tänzerin in einigen Jahren das Karriereende bereits näher. Dennoch will sie als freiberufliche Tänzerin weiterhin in ausgewählten Projekten auf der Bühne stehen und als Tanzpädagogin in Choreografie und Nachwuchsförderung mitwirken. Denn die Zweigleisigkeit ist für Linda Glawe ein Geheimnis ihres Erfolgs: „Im jeweils anderen Bereich schöpfe ich neue Kraft und Inspiration.“