Durcheinander in Montevideo

Hagen. (anna/ME) Der wochenkurier berichtete in dem Artikel „Mit dem Wohnmobil ins Feuerland – 14.000 km durch Südamerika“ über das Dahler Paar Eleonore Schmitz Hegemann und Jürgen Koppert, das eine über zweimonatige abenteuerliche Reise durch Lateinamerika unternommen hat. Ihr Ausgangspunkt war Montevideo, die Hauptstadt Uruguays. Der wochenkurier möchte seinen Lesern die interessantesten Stationen dieser Reise nicht vorenthalten:

Das Wohnmobil wurde in Hamburg verschifft und sollte eigentlich am 30. November in Montevideo sein. Eleonore Schmitz Hegemann und Jürgen Koppert kamen mit dem Flieger am 6. Dezember in Montevideo an. Das von dem Unternehmen Grimaldi geführte Schiff hätte also da sein müssen, war es aber nicht – es sollte stattdessen erst mit mehreren Tagen Verspätung im Hafen einlaufen. Bis dahin mussten die beiden Dahler die Schifffahrtsspedition Grimaldi aufsuchen, mussten zur Migrationsbehörde, um ein „Certificado de Llegada temporario“ (Bescheinigung für die zeitlich begrenzte Einfuhr eines Fahrzeugs in Uruguay) zu bekommen. Und sie mussten Eduardo, ihren Zoll-Agenten aufsuchen, mit dem sie die letzten wichtigen Formalitäten zu klären hatten.

Firma verkauft

Sogleich stellte sich ein Problem dar: „Das Schiff, auf dem sich unser Wohnmobil befand, war genau zwei Tage vorher verkauft worden an das Unternehmen KMA. Doch bei KMA hatte man keine Unterlagen von uns, die seien noch bei Grimaldi, hieß es. Also bei 38 Grad Celsius wieder zurück zu Grimaldi. Und siehe da, es lief alles glatt – wir bekamen gegen Gebühr unsere Unterlagen und den benötigten Stempel fürs Abholen.“

Am nächsten Tag musste das Paar zur Migrationsbehörde, untergebracht in einem Gebäude mit dem Charme einer Stadtverwaltung wie in Deutschland auch. 80 Menschen warteten vor dem Paar, das erst einmal eine Nummer ziehen und dann „ewig“ in der Schlange stehen musste. Da war viel Geduld gefragt!

„Endlich leuchtete meine Zahl auf und ich ging mit klopfendem Herzen zu einer Beamtin, die natürlich kein Englisch sprach“, berichtet die Dahlerin. „Ich hatte mir meine Sätze zum Glück auf Spanisch gut vorbereitet und wurde auch verstanden. Leider mit dem Nachteil, dass die Beamtin wie aus einem Maschinengewehr antwortete. Sie war der Meinung, ich spreche genügend Spanisch. Wir haben uns dann auf das richtige Tempo und eine kleinere Wortauswahl geeinigt und alles klappte wider Erwarten sehr gut.“

Die Ruhe weg

Dann ging’s – es war mittlerweile Donnerstag – erneut zum Agenten Eduardo. „Er ist ein echter Uruguayo, schwarzes Haar, brauner Teint, große dunkle Augen – aber er hat die Ruhe weg. Ein wirklich gut aussehender Mann, nur wenig geeignet, um schnellstens einen Wagen aus dem Zoll und dem Hafen zu holen. Aber man braucht einen Agenten, sonst dauert alles noch länger,“ beschreibt das Paar die missliche Situation. Außerdem spricht Eduardo Englisch – was manches vereinfachte.

Nun brauchten die beiden deutschen Touristen zunächst eine „Stocknummer“ (Lagernummer), um das Auto im Hafen überhaupt zu finden und mit dem Zoll die Herausgabe zu klären. Das war eigentlich Eduardos Aufgabe. Diese “Stocknummer“ kann von der Reederei jedoch erst ausgehändigt werden, wenn das Wohnmobil sicher im Hafen steht. Und das wiederum war erst am Freitagmorgen der Fall. „An diesem Freitag fingen unglücklicherweise die Sommerferien in den Schulen an und außerdem wird freitags in Uruguay grundsätzlich nur schleppend und auch nur bis Mittag gearbeitet“, berichtet Eleonore Schmitz-Hegemann. „Das erfuhr ich von Eduardo gleich zum Kaffee.“ Und er machte klar: „Die ’Stocknummer’ gibt es nicht vor Montag.“

Verzweifelt

Eleonore Schmitz-Hegemann war verzweifelt: „Bei mir muss alles ’fluppen’. Meine Geduld war zu Ende. Wir waren in unserer Reiseplanung, um noch die Wale in Patagonien sehen zu können, bereits 13 Tage über die berechnete Zeit. Und nun war Freitag, der 13.! Ich bin nicht abergläubisch, doch dieser Tag hat meine Einstellung etwas geändert. Am 13. Dezember 1939 wurde übrigens vor Montevideo das deutsche Panzerschiff ’Graf Spee’ beschossen und schwer beschädigt. Zuvor hatte sie allerdings ein englisches Kampfgeschwader angegriffen. Die ’Graf Spee’ wurde vom Kapitän im Hafen von Montevideo in die Luft gesprengt, um sie nicht in die Hände der Alliierten geben zu müssen. Das Schiff war verloren, aber niemand kam dabei ums Leben“, weiß Eleonore Schmitz-Hegemann.

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