Durchgeknallt

So wie am vergangenen Sonntag hätte es doch eigentlich bis Ostermontag bleiben können, oder? Sonnenschein und 20 Grad, herrlich! Schade nur, dass gleich viele Landsleute wieder übertreiben mussten und ihre Hochsommerklamotten zur Schau stellten – zusammen mit hervorquellenden Schwabbelbäuchen und weißer Winterhaut, die auch noch oftmals von eher hässlichen Tattoos verunziert wurde.
Apropos hässlich: Seit dem Wochenende hängen unsere Kandidaten allerorten auf ihren Plakaten. Nee, nee, nicht, dass jetzt jemand glaubt, Tilo hätte die Kandidaten als „hässlich“ bezeichnet – vielmehr sind’s die Plakate an sich, die einem zumindest leichte Würgegefühle hervorlocken.
Vor Tilos Haustür daheim prangt beispielsweise der Hasper FDP-Abgeordnete Ulrich Alda. In grell-bunten Farben verkündet er: „Mit Lebenserfahrung für mehr fühlbare Sicherheit.“
Äh, was soll uns diese Botschaft sagen? Will uns Alda das Leben sicherer machen, weil er viel Lebenserfahrung mitbringt? Oder fühlt derjenige mehr Sicherheit, der lebenserfahren ist? Oder wie? Eine Polit-Botschaft zum Denken?
Ach ja, die FDP. Nahe Tilos Büro starrt uns der liberale Spitzenvorturner Christian Lindner an – mit Fotos, die so aussehen, als sei Christian Lindner beim Fototermin unter Zombies oder im Vollrausch gewesen. Und seine – farblich – knall-schrillen Botschaften sind ähnlich schwer verdaulich wie die von Alda.
Nur wenige Meter von Lindner entfernt – und somit noch näher an Tilos Büro – schaukeln AfD-Plakate am Pfahl. Die Partei mit dem äußerst umstrittenen Frauke-Petry-Ehemann als Spitzenkandidaten erklärt tatsächlich den kleinen Parkplatzbereich vor der Redaktion zur „No-Go-Area“. Und knapp daneben heißt es: „Ohne Wärte und Mohral“. Macht man sich mit diesen Rechtschreibfehlern womöglich über die eigenen Wähler lustig? Wie durchgeknallt ist das denn?
Tilo

Übrigens: Rund 13,1 Millionen Wahlberechtigte sind am Sonntag, 14. Mai, aufgerufen, den neuen NRW-Landtag zu wählen. Knapp 840.000 von ihnen sind Erstwähler. Wahlberechtigt sind alle Deutschen, die am Wahltag das 18. Lebensjahr vollendet haben und mindestens ab dem 28. April 2017 in NRW wohnen.