Ein bedeutender Hagener

Der bedeutende Politiker und Wissenschaftler Friedrich Freiherr von Hövel verstarb am 8. November 1826 in Münster. Später wurde er nach Hagen überführt und auf dem Buscheyfriedhof im Hövelschen Erbbgegräbnis beigesetzt. (Foto: Heimatbund)

Hagen. Das Historische Centrum (HC) Hagen, Eilper Straße 71-75, lädt am Donnerstag, 21. Oktober, um 19 Uhr zu einem spannenden Vortrag. Historiker Dr. Oliver Schulz wird dann zum Thema „Friedrich Alexander von Hövel (1766-1826): Facetten einer adeligen Biographie in einer Zeit des Umbruchs“ referieren.

Der Adel der Grafschaft Mark um 1800 stellt einen bemerkenswerten „weißen Fleck“ innerhalb der südwestfälischen Landesgeschichte dar. Dies betrifft nicht nur die Geschichte des Adels als gesellschaftliche Gruppe in der Umbruchszeit, sondern auch einzelne Persönlichkeiten des märkischen Adels, die es zu einer besonderen Bedeutung gebracht haben, die weit über ihre Heimatregion hinausreichte. Friedrich Alexander von Hövel vom Haus Herbeck ist ein besonders markantes Beispiel für einen überregional bedeutenden Adeligen aus der Grafschaft Mark, der aber sogar in seiner Hagener Heimat etwas in Vergessenheit geraten ist.

Großer Familienverband

Der Vortrag will sich der Biographie dieser bedeutenden Persönlichkeit annähern, die besonders markanten Facetten herausarbeiten und einen ersten Beitrag zu einer noch zu schreibenden Hövel-Biographie leisten. Neben der Herkunft Hövels aus einer lange in der Grafschaft Mark ansässigen katholischen Adelsfamilie, die in verschiedenen Linien über Besitzungen in Herbeck, Dudenroth, Sölde und Haus Ruhr verfügte, sind auch die verwandtschaftlichen Beziehungen zu anderen katholischen Adelsfamilien aus dem rheinisch-westfälischen Raum wie Elverfeldt, Wenge oder Ritz zu nennen. Mit diesen bildeten die Hövels einen großen Familienverband, den sie für ihre Versorgungs- und Karrierestrategien nutzten, etwa als der junge Hövel an die Militärakademie in Münster geschickt und in die Obhut eines Verwandten aus der Familie von Wenge gegeben wurde.

Neben dem Studium, das er aufgrund des plötzlichen Todes seines Vaters abbrechen musste, wird der Vortrag auf die verschiedenen Ämter eingehen, die Hövel in Politik und Verwaltung bekleidete. Neben seiner Tätigkeit in preußischen Diensten als Landrat in Wetter an der Ruhr und an der Kriegs- und Domänenkammer in Minden ist auch an seine vorübergehende Funktion als Präfekt und Staatsrat im Königreich Westphalen Jérôme Bonapartes oder seine führende Rolle in der Verfassungsdiskussion in Preußen nach 1815 zu denken.

Enge Kontakte

Weitere anzusprechende Aspekte sind die zum Teil engen Kontakte Hövels zu den führenden Persönlichkeiten und Familien in der Region wie dem Freiherrn vom Stein oder den Harkorts sowie seine Beiträge zur Diskussion der gebildeten Schichten, die unter anderem im „Westfälischen Anzeiger“ geführt wurde und ein breites Themenspektrum abdeckte. Die vorhandenen Kontakte und Netzwerke konnte Hövel in der napoleonischen Zeit nutzen, als die Grafschaft Mark als „Ruhr-Departement“ Teil des Großherzogtums Berg war, und als Wortführer der märkischen Grundbesitzer auftreten. In enger Absprache mit den adeligen und nichtadeligen Eliten in der Region setzte Hövel beispielsweise im Jahr 1811 eine Petition auf, mit der die Reformdekrete der französischen Behörden rückgängig gemacht werden sollten, welche die Aufhebung der Feudallasten verfügt hatten.

Die Zerrissenheit im Denken und Handeln der regionalen Eliten in der „Franzosenzeit“ wird daran deutlich, dass Hövel als Grundbesitzer als Besitzstandswahrer gegen die französischen Neuerungen auftrat, andererseits aber im Interesse der süderländischen Wirtschaft und ihrer Absatzmöglichkeiten die Angliederung des Großherzogtums Berg an Frankreich befürwortete.

Interesse für Geologie

Neben dem öffentlichen Auftreten Hövels wird der Vortrag außerdem sein Interesse für die Wissenschaft beleuchten. Abgesehen von seiner regen Teilnahme an der Diskussion über die Verbesserung der Landwirtschaft, deren Ergebnisse er zum Teil mustergültig auf seinen Besitzungen umsetzte, soll es um sein ausgeprägtes Interesse für Bergbau und Geologie gehen. Hiermit hatte er sich bereits als Student unter anderem an der Bergakademie in Freiberg/Sachen auseinandergesetzt, und für die Geologie in Westfalen muss er als wegweisender Pionier gelten.