Ein Handwerker für die Seele

Hagen. (anna) In unserer neuen Serie sagen unsere Leser „Danke“. Heute bedankt sich das Ehepaar Scharf bei einem ganz besonderen Handwerker.

Nach dem Motorradunfall war nichts mehr so wie zuvor. Durch die engagierte Hilfe eines tüchtigen Handwerkers konnte das Ehepaar zumindest in der Wohnung bleiben. (Foto: Anna Linne)

Eigentlich wollten Irmtraud und Helmut Scharf aus der Overbergstraße ihr Rentnerdasein so richtig genießen. Die Tochter hatte jetzt ihre eigene Familie. Die hübsche und geräumige Eigentumswohnung war abbezahlt und frisch renoviert. Ein nigelnagelneues Auto der gehobenen Klasse stand vor der Tür und am Sorpesee warteten Wohnwagen und Campingfreunde auf das Paar aus Hagen. Helmut Scharf, der seit über 40 Jahren Motorrad, Rennrad und Ski fährt, hatte nun auch endlich genügend Zeit für diese Hobbys. Das Verreisen sollte jetzt ebenfalls nicht zu kurz kommen…

Schwer verunglückt

Dann der bislang schlimmste Tag im Leben des Paars: Im September 2010 verunglückte Helmut Scharf mit dem Motorrad in Olpe schwer. Ein junger Autofahrer hatte beim Linksabbiegen die Vorfahrt missachtet. Sofort brachte ein Hubschrauber den Hagener vom Unfallort ins Bergmannsheil nach Bochum, wo er in den ersten Tag mit dem Leben kämpfte.

Er war nun querschnittsgelähmt, sein Rücken mit Platten und Nägeln verschraubt. Im künstlichen Koma bekam er dann noch eine Lungenentzündung. Ehefrau Irmtraud war psychisch am Ende und völlig traumatisiert. Ein Leben ohne ihren Mann konnte sie sich wirklich nicht vorstellen, zu sehr hatten sie sich auf das Alter gefreut.

Anderes Leben

„Dann stand fest, dass er überleben, aber für immer gelähmt sein würde“, berichtet Irmtraud Scharf, „ich ahnte damals noch nicht, dass nun ein völlig anderes Leben auf mich zukommen sollte. Als dann noch die Psychologin sagte, dass wir nun wegen des Rollstuhls in eine behindertengerechte Wohnung umziehen müssten, bin ich fast zusammengebrochen. Ich wollte unsere geliebte Wohnung nicht aufgeben. In dem schneereichen Winter 2010 stand ich dann auf unserem Balkon, blickte in die verschneite Landschaft und überlegte, wie ich mit meinem Mann hier weiter leben könnte“, erinnert sich Irmtraud Scharf an die schreckliche Zeit, in der sie jede Entscheidung alleine fällen musste.

Goldene Hände

Dann fiel ihr der Handwerker Sascha L. ein, der ein Jahr zuvor bei der Bad-Renovierung geholfen hatte. Ihn wollte sie fragen, ob er einen Rat wisse. Und er wusste…

„Der Mann mit den goldenen Händen hat in Folge die ganze Wohnung umgebaut. Er hat Wände versetzt, Türen verbreitert, neue Türen eingebaut, andere Böden verlegt und ein behindertengerechtes Bad installiert“, freut sich Irmtraud Scharf, „ich werde ihm ein Leben lang dankbar sein.“ Weil im Bad keine Gefälle zu erzeugen war, baute der Handwerker kurzerhand eine Schiffspumpe ein, die Überschwemmungen verhindert. „Eine tolle Idee“, finden die Scharfs.

Kleines „Paradies“

Irmtraud Scharf zog damals zu ihrer Tochter, weil man auf einer Baustelle schlecht leben kann. Helmut Scharf befand sich schon in der Reha-Klinik, als Handwerker Sascha L. mit den Arbeiten begann. „In diesem engen Zeitkorsett leistete er wirklich Übermenschliches. Völlig eigenständig, ohne meine Anweisungen und ohne meine geringste Hilfe verwandelte er die ganze Wohnung in ein schickes, behindertengerechtes Paradies. Durch seine Hilfe und Kreativität konnten wir nun wenigstens in unserer Wohnung bleiben, auch wenn sich sonst alles ändern sollte“, beschreibt Irmtraud Scharf die Situation. „Niemals werde ich vergessen, was dieser Mann für uns getan hat.“

Das neue Auto ist – wie der Wohnwagen – verkauft. Die Skier blieben im Keller. Der Traum vom Verreisen ist ausgeträumt. „Aber wir haben uns noch – und das ist das Wichtigste“, ist sich das Ehepaar Scharf sicher.

Bedanken?

Kennen auch Sie jemanden, bei dem Sie sich gerne bedanken würden? Haben auch Sie jemanden, der sehr nett zu Ihnen war oder Ihnen geholfen hat?

Vielleicht erinnern Sie sich an einen netten Busfahrer oder Müllwerker, eine nette Verkäuferin oder einen freundlichen Handwerker, eine verständnisvolle Lehrerin oder eine außergewöhnliche Krankenschwester.

Auch wenn die Person, bei der Sie sich bedanken wollen, aus der Familie oder dem Freundeskreis stammt, melden Sie sich in unserer Hagener Redaktion:

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