Ein Herz für Aids-Waisen

agen. (anna, 24.04.10) Es war eine Ferienfreizeit der 17- bis 19-jährigen Don-Bosco-Pfadfinder aus Rummenohl, die auch Dorothee und Michael Boecker 2003 als Leiter der Gruppe für drei Wochen nach Südafrika führte. Ihr Einsatzort war das an der Ostküste gelegene Dorf Bamshela, wo gerade ein Kinderheim für Aidswaisen errichtet wurde. Die beiden Sozialpädagogen aus Hagen waren tief beeindruckt von diesem Land, gleichzeitig aber auch erschüttert über die vielen dort herrschenden Probleme.

„Wir mussten erfahren, dass es hier kaum noch Menschen mittleren Alters gibt. Diese Generation war durch Aids dahin gerafft worden. Übrig geblieben waren die Kinder und die Alten, alle völlig auf sich allein gestellt“, berichtet die 34-jährige Dorothee Boecker, die zusammen mit Ehemann Michael (36) schließlich die Hagener Entwicklungshilfe Don Bosco gründete. Die Beiden hatten ihr Herz für Afrika entdeckt und sie wussten, dass ihre Hilfe dort gebraucht wird. „Die Entwicklungshilfe Don Bosco will regionale Entwicklungsprojekte im District Kwa Zulu Natal gezielt unterstützen“, erklärt Michael Boecker.

„Als wir sahen, dass wir in drei Wochen nicht viel ausrichten konnten, entschlossen wir uns, für ein ganzes Jahr nach Afrika zu gehen“, berichtet das Ehepaar Boecker, das vom Arbeitgeber prompt ein Sabbatjahr genehmigt bekam.

Projekt Waisenhaus

Von 2004 bis 2005 lebten und arbeiteten die Boeckers dann im Osten Südafrikas am Aufbau des Kinderheims. Unterstützt von der Hagener Georg-Kraus-Stiftung und in Kooperation mit dem südafrikanischen Partnerverein Siyabathanda kümmerte sich das Paar zuerst um die Versorgungsstruktur: Sanitäre Anlagen und die Strom- und Wasserversorgung mussten hergestellt werden. Schließlich sollten in dem neuen Heim 60 Waisenkinder ein Leben in Würde verbringen können. Dazu gehörten nicht nur Nahrung, Kleidung und Bildung, es musste ferner das Personal finanziert werden. Obwohl auch südafrikanische Hilfsorganisationen immer geholfen haben, müssen 70 Prozent aller Ausgaben mit deutschen Spendenmitteln bestritten werden.

Das Waisenhaus, das mittlerweile aus zwei Gebäuden besteht, wird nun von den Boeckers ehrenamtlich betreut. Einmal im Jahr ist das Hagener Ehepaar dann vier Wochen lang persönlich vor Ort und kümmert sich um alles, was angefallen ist. Mit dabei sind dann auch die jetzt dreijährige Manuela und der einjährige Gabriel.

Projekt Aids-Prävention

Seit 2008 unterstützen die Boeckers mit ihrem Verein ganz gezielt auch die Aids-Vorbeugungsarbeit der südafrikanischen Pfadfinderorganisation Sasa in Durban, Kwa Zulu Natal. Ziel dieser Arbeit ist es, Kinder und Jugendliche gezielt in gesundheitlichen Fragen zu schulen. „Es hat sich gezeigt, dass reine Aufklärung durch Vorträge die Jugendlichen und Kinder nicht erreicht“, erklärt Dorothee Boecker, „um kulturelle Besonderheiten und Traditionen aufbrechen zu können und die Kinder zu einem vernünftigen Umgang mit der Krankheit Aids zu bewegen, werden seit einigen Jahren einwöchige Kurse im Pfadfinderzentrum in Durban angeboten.“

Projekt Hospiz

„Vor zwei Jahren hat unser Verein die Anschubfinanzierung für ein Hospiz übernommen“, fügt Dorothee Boecker an, „zur Zeit stehen in einem alten Pfarrhaus der katholischen Kirche insgesamt 15 stationäre Plätze für schwerstkranke und sterbende Menschen zur Verfügung, nicht zuletzt auch für schwerkranke Kinder aus dem Waisenhaus.“ Örtlicher Träger des Hospiz ist der Sinothando-Verein aus Südafrika. Ein katholischer Priester und zwei Krankenschwestern organisieren die Abläufe und strukturieren die Arbeit.

Die Boeckers stehen im engen Kontakt zu den Hospizleuten, mit deren Hilfe ein neues Gebäude geschaffen werden soll. „Da die Nutzung des Pfarrhauses nicht auf Dauer gesichert ist und die Kosten für eine Renovierung zu hoch sind, will unser Verein auf dem Nachbargrundstück ein neues Hospiz errichten“, erklärt Dorothee Boecker. „Inneneinrichtung und sanitäre Ausstattung können dabei über südafrikanische Mittel sichergestellt werden.“

Gemüseanbau

Darüber hinaus unterstützt der Don-Bosco-Verein ein regionales Gemüseanbau-Projekt. Hier arbeiten zwölf Familien und werden in landwirtschaftlichen Anbau- und Nutztechniken geschult. Dafür dürfen sie 50 Prozent des Ertrages für ihre Familien nutzen. Die andere Hälfte wird einmal im Monat an bedürftige Familien verteilt. „Für dieses Projekt war die Wasserversorgung unerlässlich, so dass wir uns erst einmal um die Bohrung eines Brunnens kümmern mussten – und das mit Erfolg“, freuen sich die Boeckers.

Wer das Ehepaar und dessen Projekte unterstützen oder für ein Patenkind spenden möchte, kann das gerne tun:

„Entwicklungshilfe Don Bosco e.V.“

Konto Nr. 327 855 10

Märkische Bank e.G. (BLZ 450 600 09)