Ein kleines Wunder um den Mutter-Ring

An alten Familienschmuckstücken hängen oft starke Gefühle. Die aus Hagen stammende Gevelsbergerin Andrea R. hat gerade mit einem Ring ihrer Mutter ganz großes Gefühls-Kino erlebt von tiefem Schmerz bis hin zu Freudentränen. (Foto: Claudia Eckhoff)

Gevelsberg/Hagen. (ce) Wun­der geschehen doch immer wieder, so wie das kleine Vorweihnachts-Wunder rund um einen verlorenen winzigen Ring, an dem ganz große Gefühle hängen.
„Der ist doch gar nicht viel wert“, hatte die 82-jährige Hagenerin Doris über den Ring gesagt, den sie selbst schon von ihrer Urgroßmutter geerbt hatte. Dennoch hatte sie das kleine goldene Ding mit dem winzigen rechteckigen dunklen Steinchen beinah täglich am kleinen Finger getragen. „Ich habe ihn von meinem ersten mickrigen Geld als Auszubildende umarbeiten lassen und meiner Mutter zum Muttertag geschenkt.“

Ein besonderes Geschenk

Für ihre Tochter – die Gevelsbergerin Andrea R. – gehören heute der Ring und die Mutter unmittelbar zusammen. Deshalb freute sie sich sehr, als Mutter Doris ihr diesen Ring im letzten Dezember zu ihrem 49. Geburtstag schenkte. „Ich wusste das sehr zu schätzen“, sagt sie, „und habe den Ring nun selbst täglich getragen.“
Als sie aber an einem Samstag im September im Auto saß, um zu einem Familienfest zu fahren, juckte die Haut unter dem Ring plötzlich so, dass sie ihn abstreifen musste. Sie steckte ihn rasch in ihr Portemonnaie.

Dreister Klau

Am nächsten Tag bekam die alleinerziehende Mutter abends in ihrem Haus Besuch von der Polizei. „Meine Girokarte und mein Personalausweis waren am Ufer der Ennepe gefunden worden. Da merkte ich erst, dass mein Portemonnaie gestohlen worden war. Es ist mir dreist am Sonntag daheim aus meiner Handtasche geklaut worden, die im Flur am Haken hing. Es war heiß an dem Tag. Ich habe oben gearbeitet, unten stand die Küchentür in den Garten offen. Gehört habe ich nichts“, sagt sie. „Geld, sämtliche Karten, Führerschein, Personalausweis – alles war weg.“

Unendlich traurig

Der Schock, der Ärger und die folgende Rennerei, um alle Dokumente neu zu beschaffen, hielten Andrea R. einige Tage in Atem.
Erst dann fiel ihr der kleine Ring wieder ein. „Dass mit dem Portemonnaie nun auch der Ring meiner Mutter verloren war, hat mich unendlich traurig gemacht“, gesteht sie. „Furchtbar schwer fiel es mir, ihr den Verlust zu offenbaren. Sie hatte gerade die Diagnose ‚Brustkrebs‘ zu verkraften und wir waren sowieso schon alle am Boden zerstört. Ich habe so geweint, dass Mutter am Ende mich mehr trösten musste, als ich sie.“

So heilfroh

Wie ein kleines Weihnachts-Wunder erscheint nun der gebürtigen Hagenerin, was erst vor wenigen Tagen geschah. Sie durchwühlte ihre Handtasche auf der Suche nach einem Zettel. Als sie auch die mit einem Extra-Reißverschluss gesicherte Innentasche öffnete, fand sie darin einen großen Ring, den sie ganz vergessen hatte. Er ließ sich aber seltsamerweise nicht über den Ringfinger streifen.

„Da erst habe ich bemerkt, dass in dem großen Ring ein kleiner Ring feststeckte – der Ring meiner Mutter. Ich hatte ihn offenbar glücklicherweise gar nicht ins Portemonnaie gesteckt“, jubelt sie. „Ich bin so erleichtert. So heilfroh. Ich kann es gar nicht fassen. Und natürlich habe ich sofort meiner lieben Mutter die frohe Botschaft überbracht.“