Einberufungsbescheid von 1850

Halden. Im Auftrag des Historischen Centrums Hagen hat der Herdecker Historiker Prof. Dr. Gerhard E. Sollbach (TU Dortmund) in den letzten Monaten zahlreiche Akten zu dem alten Adelssitz „Haus Herbeck“ aus dem Hövelschen Familienarchiv auswerten dürfen.

Mit dem Wiesenbauer Peter Wisher in Halden am 9. Februar 1846 auf Haus Herbeck geschlossener Urbarmachungs-Vertrag, 1. Seite. (Foto: Sollbach)

Das hatte „Folgen“: Die Haldenerin Katharina Westhoff in Hagen-Halden wurde daran erinnert, dass einer ihrer Vorfahren in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch für das Haus Herbeck tätig gewesen war. Die 81-Jährige suchte in ihren Familienpapieren und wurde fündig. Mehrere originale Arbeitsverträge aus den 1830er und 1840er Jahren, die ihr Ur-Ur-Großvater Peter Wisher mit dem jeweiligen Rentmeister auf Haus Herbeck als Vertreter des Freiherrn von Hövel und auch mit dem Freiherrn selbst geschlossen hatte, waren erhalten geblieben. Die sozialgeschichtlich aufschlussreichen Dokumente durfte Prof. Sollbach jetzt einsehen.

Arbeiten für Haus Herbeck

In dem am 9. Februar 1846 mit dem Rentmeister Preußer zu Herbeck abgeschlossenen Vertrag verpflichtete sich Peter Wisher in Halden, ein zum Haus Herbeck gehörendes und näher bezeichnetes Landstück unentgeltlich urbar und zu Ackerland zu machen. Als Gegenleistung erhielt P. Wisher vom 10. November 1846 an für sechs aufeinander folgende Jahre dieses Landstück zur kostenlosen und freien Nutzung. Allerdings war er verpflichtet, den betreffenden Grund innerhalb der ersten zwei Jahre zu roden und zu Ackerland zu machen. Nach Ablauf der sechs Jahre sollte P. Wisher den ersten Anspruch auf Weiterpachtung des von ihm urbar gemachten Lands haben.

In einem anderen, vom 25. November 1841 datierenden Vertrag, übernahm es P. Wisher zusammen mit einem Peter Wegmann, den Weg vom Haupt-Hoftor des Hauses Herbeck neu anzulegen. Aus einem ebenfalls im Original erhaltenen und vom 22. Dezember 1840 stammenden Arbeitsvertrag geht unter anderem hervor, dass der Freiherr von Hövel auf der Herbeckschen Besitzung auch einen Steinbruch betrieb. In dem Vertrag verpflichteten sich nämlich Wisher und der bereits genannte P. Wegmann, in dem von Hövelschen Steinbruch fünf Jahre lang Mauersteine zu brechen.

Aus einem 1837 von dem Freiherrn Friedrich von Hövel ausgestellten Arbeitszeugnis, das K. Westhoff ebenfalls noch besitzt, erfährt man, dass P. Wisher sen. von Beruf Wiesenbauer und als solcher seinerzeit schon seit fast 50 Jahren für die Herrichtung und den Unterhalt der zu Haus Herbeck gehörenden „sehr ausgedehnten“ Wiesen zuständig war.

Seltener Landwehr-Einberufungsbefehl

Einberufungs-Bescheid vom 10. November 1850 für den Landwehrmann Johann Friedrich Wisher in Halden. (Foto: Sollbach)

Eine besondere historische Rarität unter den Familienpapieren von K. Westhoff und nach Aussage von Prof. Sollbach bisher einzigartig für den hiesigen Raum ist ein originaler Landwehr-Einberufungsbescheid vom 10. November 1850. Darin wird der Landwehrmann des I. Aufgebots, Johann Friedrich Wisher in Halden, Order erteilt, am 15. November 1850 um 1 Uhr mittags am Zeughaus in Iserlohn „unfehlbar“ zu erscheinen und dort die weiteren Befehle abzuwarten.

Für den Fall des Ausbleibens wird ihm die „Strenge des Gesetzes“ angedroht. Die 1813 bzw. 1815 geschaffene preußische Landwehr bestand aus Mannschaften, die ihre Militär-Dienstzeit erfüllt hatten, und zerfiel in zwei Aufgebote. Das I. Aufgebot umfasste Mannschaften vom 26. bis 32. Lebensjahr und war dazu bestimmt, im Kriegsfall gleich dem stehenden Heer verwandt zu werden. Im Frieden wurde es eigentlich nur zu periodischen Übungen einberufen.

Zum II. Aufgebot gehörten die Mannschaften vom 32. bis 39. Lebensjahr. Sie sollten im Kriegsfall bei Bedarf lediglich zum Garnisondienst und nur im Notfall zur Verstärkung der Feldarmee eingesetzt werden. Da der erwähnte Joh. Fr. Wisher dem I. Aufgebot angehörte, war er zu diesem Zeitpunkt demnach noch keine 32 Jahre alt. Die Einberufung erfolgte vermutlich zu einer Übung. Möglicherweise hing sie aber auch mit den Nachwirkungen der Revolution von 1848 zusammen.