Eine Klasse voller Schutzengel

Viele Schutzengel: Die Schüler der Klasse 6c der Gesamtschule Eilpe haben sich tatkräftig engagiert. Dafür erhielten sie nun eine eigene Urkunde und eine Medaille. (Foto: ric)

Hagen. (ric/Red.) „Schutzengel gesucht“ – unter diesem Motto stand eine Aktion des Internationalen Katholischen Hilfswerks „Missio“ im vergangenen Schuljahr. Auch die Klasse 6c der Gesamtschule Eilpe machte mit ihrer Lehrerin Clarissa Wienbürger mit. Die Schüler informierten sich über das breite Gebiet „Sextourismus“. Ursachen und Folgen, missbrauchte Kinder, Armut, Not und Elend wurden schnell das Hauptthema in der engagierten Klasse. In der Weihnachtszeit bastelten und verkauften die Kinder Drachen, Tiere, Bücher und selbst gebackene Plätzchen in ihren Pausen auf einem kleinen Adventsbasar. Der Erlös: ging an die Aktion „Schutzengel“.

„400.000 Deutsche machen sich Jahr für Jahr auf, um in Ländern der Dritten Welt wie den Philippinen, Sri Lanka, Brasilien, Thailand oder Osteuropa ihre Perversionen auszuleben“, so Christian Wütig, Missio-Diözesanreferent im Referat Mission/Entwicklung/Frieden. „Schätzungsweise 50.000 Kinder werden dort von Touristen in ihrem Urlaub missbraucht. Noch immer ist es schwierig, Sexualstraftäter, die im Ausland Kinder missbraucht haben, bei uns anzuklagen.“ Die Zahlen stammen von Ecpat, einem Zusammenschluss von 30 Nicht-Regierungsorganisationen im Kampf gegen den Kindesmissbrauch, zu denen auch Missio gehört.

In der Klasse 6c wurden im Religionsunterricht viele verschiedene gemeinnützige Projekte besprochen. Wichtig ist es für die Schüler, zu wissen, dass es nicht jedem Menschen auf der Welt so gut geht wie ihnen. Aus der Menge der Projekte wurde dann die Aktion „Schutzengel“ ausgesucht. „Zunächst habe ich im Unterricht über das Thema informiert, doch die Initiative zur Sammlung ging von den Schülerinnen aus“, erzählt die Klassenlehrerin Clarissa Wienbürger. „Alle waren aufmerksam und tief betroffen vom Thema. Deshalb haben sie auf dem Adventsseminar Selbstgebackenes angeboten und das Geld dann der Aktion Schutzengel gespendet.“

Alle sind Schutzengel

Die gesamte Adventszeit über beschäftigten sich die Schüler aktiv mit dem Thema. Auf dem schuleigenen Basar kamen natürlich auch Nachfragen von den anderen Jugendlichen. „Wir haben ihnen dann erklärt, worum es geht“, sagt Klassensprecher Maximilian Haux. „Manchmal haben wir die ganze Pause über gleichzeitig verkauft und mit den anderen Schülern über die Probleme gesprochen.“ Alle reagierten ähnlich: Tiefe Betroffenheit und Unverständnis machten sich breit. „Viele haben auch einfach noch ein bisschen mehr gespendet“, freut sich Maximilian Haux mit dem Rest seiner Klasse.

Nun bekam die 6b Besuch von Missio: Diese schickte Christian Wütig, der sich mit einer Urkunde und Medaillen bei der Klasse für ihr Engagement und ihren Einsatz bedankte: „Ihr seid alle Schutzengel!“ Deshalb hören die Schüler nun auch nicht auf, andere Menschen über das Thema zu informieren: „Dafür haben wir zu viel darüber gelernt. Man kann nie genug helfen“, ist sich auch Rüya Bircan sicher.

Nichts geht ohne Engagement

Seit Ende der 1990er Jahre kämpft das katholische Hilfswerk Missio um die Rechte der betroffenen Kinder. Begonnen hat alles mit Pia, einem philippinischen Mädchen, das seit ihrem achten Lebensjahr misshandelt wurde. Mit 12 Jahren wurde sie von Pater Shay Cullen in ein von Missio unterstütztes Kinderschutzzentrum aufgenommen. Mit seiner Hilfe gelang es erstmals, den Täter anzuklagen und ihn zu verurteilen. Dies war der Auftakt der Aktion „Schutzengel“, mit der das Thema in einer groß angelegten Aktion der breiten Bevölkerung zugänglich gemacht werden soll. Das Wichtigste ist die Veränderung in den Köpfen: „Wer sich mit dem Thema einmal richtig auseinander gesetzt hat, wird nicht mehr weghören und wegsehen, sondern sich viel eher engagieren“, sind sich alle einig.