Eine kleine Zeitreise in die 70er Jahre: Schulen und Kegeln

Hagen. (ME) Aus Anlass des 40-jährigen
Wochenkurier-­Jubiläums blickt der Wochenkurier auf die Zeit um 1976 in der
Volmestadt zurück. Jetzt folgt Teil 2 – mit Kegelsportzentrum und neuen
Bildungsstätten.
Kegelsportmekka
„Ein Mekka für die Kegelsportler war das 1976 eingeweihte Leistungszentrum
des Deutschen Kegelbundes in den oberen Etagen des Volmeparkhauses am Märkischen
Ring. Bei der Einweihungsfeier war sich die zahlreich erschienene lokale
Politprominenz einig, dass hier eine hervorragende Sportanlage geschaffen worden
war, die die beachtlichen Leistungen der Stadt Hagen auf dem Gebiet des
Sportstättenbaus abrundete“, schrieb der heimische Historiker ­Jochen Becker
1996 im Statistischen Jahrbuch der Stadt Hagen.
Nun, die Räumlichkeiten gibt es im Prinzip noch, aber der Ruhm der Anlage ist
verblasst. Früher fanden hier große Meisterschaften statt. Es gab sogar eine
Phase, da standen am Märkischen Ring die Top-Kegler des einstigen Spitzenclubs
Germania Hagen an den Bahnen – mit Europa- und Weltmeistern. Generell gehört die
Bedeutung Hagens als „Wallfahrtsort“ für deutsche Kegelsportler längst der
Vergangenheit an, und so nagt denn seit längerem der Zahn der Zeit auch ganz
erheblich an der Anlage auf dem Parkhaus.
Neue Schulen
Doch wir wollen in diesem kleinen Rückblick weniger über den inzwischen
welken Ruhm der Hagener Kegelsportler sinnieren und lieber erneut Jochen Becker
folgen: „Eine weitere in die Zukunft weisende Eröffnungsfeier brachte der Sommer
des Jahres 1976. Beim offiziellen Festakt in der schon seit fast einem Jahr
arbeitenden ersten Hagener Gesamtschule in Helfe betonte Oberbürgermeister
Loskand, die hohen Anmeldezahlen bewiesen, daß die Entscheidung zum Bau der
Fritz-Steinhoff-Gesamtschule richtig war. Laut NRW-Kultusminister Girgensohn
(Wk-Anmerkung: einer der ‚Väter‘ der Gesamtschulen in NRW) gebe es eine
höhere Zahl an Schulabschlüssen. Daher gelte es nun, die Gesamtschule aus dem
Stadium der Versuchs- in das der Regelschule zu überführen.“
Bei der überaus erfolgreichen Fritz-Steinhoff-Gesamtschule ist es dann nicht
geblieben, später kamen noch die Gesamtschulen in Haspe und in Eilpe hinzu.
Während in Haspe vor 30 Jahren das altehrwürdige Ernst-Meister-Gymnasium
geopfert wurde, hat die Stadt Hagen in Helfe und Eilpe spezielle Neubauten
errichtet. In der Anfangsphase waren die Gesamtschulen stark umstritten –
insbesondere konservativ ausgerichtete Bildungsbürger befürchteten, die
Gesamtschulen könnten dazu dienen, das altgewohnte Schulsystem mit Gymnasium,
Realschule und Hauptschule ins Wanken und insbesondere die Oberschulen zu Fall
zu bringen. Heute wissen wir, die Gymnasien haben die Entwicklung nahezu
schadlos überlebt, hingegen sind die Hauptschulen im Verschwinden begriffen.

Fernuni
Doch nicht nur die Gesamtschule in Helfe war neu, sondern auch die
Fernuniversität. Bei der Neustrukturierung des Hochschulwesens in NRW war unsere
Volmestadt zunächst einer der großen Verlierer. In Hagen sollte lediglich noch
ein völlig abgespeckter Fachhochschulstandort erhalten bleiben, während anderswo
– etwa in Bielefeld, Siegen oder Paderborn – in puncto Universitäten kräftig
aufgerüstet wurde.
Schlussendlich gab die Landesregierung mit Wissenschaftsminister Johannes Rau
dem Drängen der Hagener ­– allen voran: Dr. Dieter Haak (SPD) – nach und
ließ den Landtag am 26. November 1974 das „Gesetz zur Errichtung einer
Fernuniversität in Hagen“ beschließen. Bereits ein Jahr später konnte das
modernste „Kind“ der NRW-Hochschullandschaft den Studienbetrieb aufnehmen.
Die Fernuni an der Feithstraße wuchs rasant und entwickelte sich innerhalb
von nicht einmal vier Jahrzehnten zur – bezogen auf die Studierendenzahl –
bestbesuchten Universität Mitteleuropas. Was bekanntlich dazu geführt hat, dass
sich die Stadt Hagen auch ganz offiziell „Stadt der Fernuniversität“ nennen
darf.
(wird fortgesetzt)