Eine Reise durchs Revier

Herdecke. (Red./tau) Eine große Leidenschaft für „kleine Dinge“ hegen die vielen, vielen Freunde der Modelleisenbahn. Da wird gesammelt, aber auch gebastelt und gebaut. Manchmal fehlt allerdings der Platz, um seine „Schätzchen“ in einem angemessenen Rahmen mal richtig fahren zu lassen. Deshalb finden sich Modelleisenbahn-Freunde gerne in Vereinen zusammen, um gemeinsam ihrem Hobby nachzugehen. Und um vielleicht auch die Möglichkeit zu schaffen, mit vereinten Kräften und Mitteln eine größere Anlage zu errichten.

Beim Modell-Eisenbahn-Club Herdecke ist dies gelungen. Gegründet wurde er vor genau 40 Jahren, am 15. Oktober 1975 in Haspe als „Eisenbahn-Amateur-Club Hagen“ (EAC). Sein Zuhause fand er in den alten Räumlichkeiten der Hasper Hütte. 1981/82 zog der Verein zur Miete in das heutige Domizil, das ehemalige Stellwerk Herdecke der Deutschen Bahn. Um einen Abriss der Anlage und des Stellwerks abzuwenden, wurde es schließlich 2004 vom Vereins gekauft. Im Mai 2014 erhielt er schließlich seinen heutigen Namen: „Modell-Eisenbahn-Club Herdecke“.

Zur Zeit sind 16 Mitglieder im Verein. Sie kümmern sich um die Instandhaltung des Stellwerks und der Festanlage. Sie sind kreative Baumeister der Ministädte und -Landschaften, die das Faszinierende ihres Hobbys ausmachen. Ob Wohnhäuschen, Schrebergarten, Bahndamm oder ein Bergwerk: Damit die Nachbildung möglichst detailgetreu ist, werden die Elemente in der Realität begutachtet und fotografiert. Nach dieser Vorlage steht dann die filigrane Umsetzung im H0-Maßstab 1:87 an. Eine Arbeit, die Geduld, Fingerspitzengefühl und ein „ruhiges Händchen“ voraussetzt. Und die durchaus ein paar Tage oder gar Wochen für ein einzelnes Objekt verschlingen kann. Das schöne Ergebnis ist der Lohn.

Ein kleines Stück südliches Ruhrgebiet

Der Modell-Eisenbahn-Club Herdecke betreibt eine analoge Gleichstromanlage, die 11,85 x 3,75 Meter groß ist. Auf zwei voneinander unabhängigen zweigleisigen Hauptstrecken können lange Züge problemlos eingesetzt werden. Ausstattungsmäßig ist die Anlage im Bereich des südlichen Ruhrgebiets angesiedelt. Das große Bahnbetriebswerk ist an das Original in Hagen-Eckesey angelehnt. Ebenso zeigt der Miniatur-Hauptbahnhof eine große Ähnlichkeit mit dem Hagener Original, speziell in Bezug auf die Gleisgeometrie.

„Viele regionale Details werden von unseren Besuchern stets wiedererkannt“, freuen sich die Vereinsmitglieder. „Und genau dies ist die Absicht unserer Anlage. Es soll keine Kopie des Originals sein, sondern eine Region mit ihrem typischen Erscheinungsbild repräsentieren. Hierzu zählt auch unsere große Zechenanlage, die mit ihrem Doppelfördergerüst samt funktionierenden Seilscheiben – ähnlich der Zeche Zollverein in Essen – und den dazugehörigen Betriebsgebäuden, wie Kohlenwäsche, Schrägbandstraßen und weiteren notwendigen Anlagen aufwartet.“

Gleich angrenzend liegt ein üppig bemessener Vorortbahnhof nebst S-Bahnbetrieb sowie Straßenbahnanschluss. Natürlich darf auch das „Büdchen“ nicht fehlen – die ruhrgebietstypische Trinkhalle, die am Nebeneingang für die Mitarbeiter der Zeche seinen Platz gefunden hat. So sind es die vielen speziellen Szenen, die einen Teil des Reviers der 60er bis 80er Jahre widerspiegeln, die das Leben der Menschen, der Arbeitswelt, der unverwechselbaren Region nicht untergehen lassen wollen. Das unterstreicht nicht zuletzt auch die kleine Bergarbeitersiedlung nebst typischer Bebauung und Beleuchtung.

Modellanlage live erleben

Wer diese kleine „Traumstadt“ einmal live erleben möchte, sollte sich den nächsten Samstag, 24. Oktober, im Kalender markieren: Von 10 bis 17 Uhr lädt der Modell-Eisenbahn-Club Herdecke zum Tag der offenen Tür ein. Da können große und kleine Fans dann auch mit Gleichgesinnten fachsimpeln und Tipps austauschen. Das Vereinshaus liegt in der Herdecker Mühlsteinkuhle, gegenüber der Bahnhofstraße 28, dann nach rund 100 Metern links die Treppe rauf.

Über diese Veranstaltung hinaus sind Besucher – auch jüngere! – beim MEC Herdecke immer freitags ab 18 Uhr (außer an Feiertagen) willkommen. Sie dürfen auch gerne ihren eigenen Zügen (analog, Zweileitergleichstrom, jedoch keine Faulhabermotoren) einmal so richtig Auslauf durchs „Revier“ gönnen. Infos dazu gibt der 1. Vorsitzende Martin Rode, Tel. 02331/ 66417. Mehr zum Verein auch auf www.mec-herdecke.de oder www.westfalengleis.de.