"Eines der wichtigsten Bauwerke"

Von Michael Eckhoff

Hagen. Am vergangenen Wochenende wurde eine Fabrikanlage des Unternehmens Fagus im niedersächsischen Alfeld an der Leine von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt. Architekt dieser Fabrik war 1911 der damals noch junge Walter Gropius, der später einer der wichtigsten Baumeister weltweit war. Sein Fagus-Werk gilt als einer der Ursprungsbauten moderner Architektur. Gropius gelang es, der Fabrik ein seinerzeit völlig vom Traditionellen abweichendes Erscheinungsbild zu geben.

Der Hagener Kunstsammler Karl Ernst Osthaus bewertete das Krematorium 1907 als "eines der wichtigsten Monumente unserer Zeit überhaupt". Jetzt steht es im Mittelpunkt einer großen Fachtagung. (Foto: Veranstalter)

Zu den Lehrern von Gropius, der übrigens mit dem Hagener Kunstmäzen Karl Ernst Osthaus gut befreundet war, zählt insbesondere Peter Behrens, in jener Epoche einer der deutschen Superstars des Designs und der Baukunst. Bekanntlich war Peter Behrens wiederholt in Hagen tätig, so baute er 1910 die Villa Cuno an der Haßleyer Straße und bereits 1905/07 das Krematorium in Delstern, die älteste Einäscherungsanlage in Preußen.

Man sieht, auch in Hagen sind bis heute bedeutende Spuren der europäischen Moderne erhalten. Insbesondere der Bankierssohn und Industriellenerbe Karl Ernst Osthaus hatte beträchtliche Geldmittel dafür eingesetzt, den Ideen zahlreicher Künstler der Moderne ein Experimentierfeld zu eröffnen. Er wollte Hagen gleichsam zum „Laboratorium“ der Moderne machen und hier sozusagen eine Modellstadt schaffen. „Getragen war er dabei von der Überzeugung, dass Kultur dort „passieren“ müsse, wo die Produktion auf der Höhe ihrer technischen Leistungsfähigkeit stattfand und Gewinne erwirtschaftet wurden – mithin während der Industrialisierung vornehmlich im Ruhrgebiet“, erläutert Birgit Schulte, stellvertretende Direktorin des Osthaus-Museums.

Große Tagung

Karl Ernst Osthaus bewertete das Krematorium als „eines der wichtigsten Monumente unserer Zeit überhaupt“. Diese Einschätzung allein wäre Grund genug für eine intensive Neuuntersuchung dieses Modellprojekts der Moderne. Eine Tagung mit Fachreferenten im und über das Krematorium am kommenden Freitagabend und Samstag soll ein erster Schritt auf dem Weg dorthin sein. Untersucht wird beispielsweise die Auseinandersetzung mit byzantinischen und auch islamischen Kunstwerken.

Die Tagung ist grundsätzlich für alle Interessierten geöffnet, aus organisatorischen Gründen wird allerdings um Anmeldung gebeten: info@keobund.de.

Kostenbeteiligung für Verpflegung: 15 Euro, Studierende: 10 Euro.

Veranstalter sind Institut für Kunst der Technischen Universität Dortmund, das Institut für Kunstgeschichte der Universität Bern, das Osthaus-Museum Hagen, der Karl Ernst Osthaus-Bund, die Henry van de Velde-Gesellschaft e.V. und das Bildarchiv Foto Marburg (Deutsches Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte).

Der Tagungsort ist das Eduard-Müller-Krematorium selbst, Am Berghang 30, Delstern.

Termin: Freitag, 1.7.2011, 18-21 Uhr und Samstag, 2.7.2011, 10-21 Uhr.