Eintracht steigt trotz Sieg ab

Hagen. Es war nur noch ein sehr dünner Strohhalm, an den sich die Zweitliga-Handballer des VfL Eintracht Hagen vor dem Lokalduell mit dem TuS Ferndorf am letzten Spieltag der Saison 2015/16 klammerten – doch lange Zeit durfte die Mannschaft von Trainer Lars Hepp Hoffnung hegen, doch noch ein kleines Wunder zu schaffen, und die HG Saarlouis im Kampf um den Klassenerhalt doch noch abzufangen. Am Ende war die Bürde von 13 Toren, die es im Fernduell aufzuholen galt, zu hoch – und das Derby ein Spiegelbild der gesamten Saison, in 60 Spielminuten zusammengefasst: Die Eintracht war bemüht, hatte viele Möglichkeiten, scheiterte letztlich aber an Nuancen. „Wir haben den Klassenerhalt nicht heute verspielt, das sollten wir nicht vergessen“, unterstrich Hepp mit Verweis auf die vielen guten Möglichkeiten in den vergangenen Wochen, den einen Zähler mehr zu sammeln, der zum Liga-Verbleib ausgereicht hätte.

Bereits nach wenigen Sekunden war klar, welche Richtung die Partie nehmen sollte. Die Gäste versuchten bewusst das Tempo niedrig zu halten, setzten darauf, sich die Anspannung der Hausherren zu Nutze zu machen. Schließlich wusste TuS-Trainer Michael Lerscht um den Matchplan der Grün-Gelben – und schaffte es zumindest 30 Minuten lang hervorragend diesen zu durchkreuzen. Dabei scheiterten Jens Reinarz und Co. aber – ebenfalls sinnbildlich – mehrfach an den eigenen Nerven. Gleich drei Tempogegenstöße in Folge ließ der VfL beispielsweise liegen, verpasste es daher mit einer möglichen, deutlich höheren Führung in die Kabine zu gehen. Im zweiten Abschnitt warfen die Hagener dann wirklich alles in die Waagschale, speziell der bärenstarke Spielmacher Simon Ciupinski schonte weder sich noch Gegner, war über weite Phasen kaum von einzelnen Ferndorfer Verteidigern zu stellen. Als er in der 49. Minute zum 22:15 traf erhoben sich die Fans zu stehenden Ovationen, und der Glaube daran, doch noch die Wende zu schaffen, war deutlich spürbar. Doch erneut waren es die eigenen Nerven, die der Eintracht einen Strich durch die Rechnung machten. Erneut blieben gleich mehrere gute Gelegenheiten ungenutzt, zu viel Kraft kosteten in der Folge die vielen Zweikämpfe und der Kampf gegen die Uhr. Nach dem Schlusspfiff dann ein bizarres Bild: Während die Derby-Verlierer ausgelassen feierten, schlich der Sieger mit hängenden Köpfen und leeren Blicken vom Feld. „Heute kann man der Mannschaft keinen Vorwurf machen, sie hat alles gegeben. Wichtig ist es mir aber vor allem, mich bei unserem Publikum für die herausragende Unterstützung zu bedanken. Es tut weh, dass wir uns dafür nicht mit dem Klassenerhalt bedanken konnten“, resümierte Hepp nach der Partie. Als fairer Verlierer präsentierte sich Lerscht: „Es ist natürlich bitter, wegen fünf fehlender Treffer abzusteigen. Vor allem, da ein höherer Sieg in der zweiten Halbzeit durchaus möglich war. Da haben wir etwas Glück gehabt. Und es ist wirklich schade um das Derby“, erklärte der TuS-Trainer.

Auch wenn Hepp es nicht als Ausrede für das verpasste Saisonziel gelten lassen wollte, bleibt festzuhalten, dass die Grün-Gelben auch mit großem Verletzungspech zu kämpfen hatten. So fiel Führungsspieler Milan Weißbach, als Abwehrchef vom TV Großwallstadt verpflichtet, nach dem ersten Saisonspiel mit einem Achillessehnenriss aus und konnte erst in den vier finalen Partien wieder eingreifen, ohne wieder bei 100 Prozent zu sein. Weitere Leistungsträger, darunter Torhüter Jürgen Müller und Torjäger Sebastian Schneider, verpassten viele Wochen mit Blessuren. Zu viel für die Hagener, denen im Saisonendspurt auch etwas die Puste ausging.

Nach dem Spiel flossen bei der internen Verabschiedung auch einige Tränen. Speziell der Abgang von Ralf Renninger, der guten Seele der Mannschaft, bewegte die Spieler sowie den langjährigen Betreuer selbst. Zudem gab es warme Worte, viele Umarmungen sowie Geschenke für David Ferne (zur SG Ratingen), Matthias Aschenbroich (zur HSG Bergische Panther) sowie für die Urgesteine Jan Wilhelm und Marius Kraus, die dem Verein allerdings weiter die Treue halten werden – sie laufen zukünftig für die Reserve in der Oberliga auf. Nach dem gemeinsam begangenen Saisonabschluss bei einem Abendessen verabschiedete sich das Gros der Spieler in den wohl verdienten Urlaub. Am 11. Juli bittet Hepp seine Farben zum Trainingsauftakt zur Vorbereitung auf die Saison 2016/17 in der 3. Liga West. Der Rahmenspielplan steht bereits: Zum Auftakt empfängt der VfL den TV Korschenbroich.

Die Statistik:

VfL: Mahncke, Müller; Wilhelm, Tubic (3), Rink, Weißbach, Renninger (2), Strohl, Aschenbroich, Reinarz (10/5), Ciupinski, Prokopec (2), Hinkelmann, von Boenigk (7).

TuS Ferndorf: Rottschaefer, Puhl; Trivic (2), Oprea (2/2), John, Koke (5/1), Paladin, Basic (5), Schneider, Bettig (1), Volentics (6), Mestrum (2), Sartisson.