Eisenbahn zum Anfassen

Hagen. (as) Züge kennt jeder, Bahnhöfe ebenfalls. Natürlich auch die Damen und Herren, die durch die Züge schweifen und Fahrkarten kontrollieren. Klaus Funke schmunzelt. „Wir wollen die Bahn so darstellen, wie sie niemand kennt“, sagt er. „Wir zeigen ihr Herz.“
Wir, das ist eine Gruppe aktueller und ehemaliger „Bahner“. Ehrenamtlich betreiben sie in Vorhalle, im Gebäude des Stellwerks an der Hartmannstraße 20a, das Museum für Stellwerkstechnik.
Seit 30 Jahren gibt die Einrichtung spannende Einblicke in die Abläufe der Eisenbahn damals und heute. Sie zeigt nicht den Komfort der Bahn. Stattdessen erläutert sie, wie es den Bahnbediensteten immer wieder gelingt, Menschen und Züge sicher von A nach B zu transportieren.

Schätze aus der Eisenbahnzeit

Schummrig ist‘s im kleinen Museum. Die Lampen von anno dazumal funzeln kaum gegen die Dunkelheit an. Doch haben sich die Augen erst einmal an das Zwielicht gewöhnt, entdecken sie immer mehr Schätze aus fernen und gar nicht so weit entfernten Bahn-Zeiten. Der Schalter, der Fahrkartendrucker, der Tisch mit dem Morseapparat. Im Hintergrund ertönt blechern die nächste Bahnsteig-Ansage. Es ist eine Zeitreise der besonderen Art. Eine auf Schienen.
1986 feierte die heutige Nachrichtenmeisterei, heute heißt sie Signalmeisterei, ihr 75-jähriges Bestehen. Aus diesem Grund hatten die Bahnbediensteten eine Ausstellung über alte Signalanlagen auf die Beine gestellt.
Nach den Feierlichkeiten waren sich alle einig: „Das kann es doch nicht gewesen sein.“ Eine Gruppe Bahner tat sich zusammen und konzipierte eine Ausstellung. Ein Domizil war schnell gefunden. Im Stellwerk „Vof“ in Vorhalle standen ein paar Räume leer. Mit Unterstützung des Bahnsozialwerks entstand das Museum für Stellwerkstechnik.

Funktionierende Stellwerke

Wie sicher ist die Bahn eigentlich? Oder: Was ist nötig, damit Reisende, aber auch Güter wohlbehalten an ihr Ziel gelangen? Das Museum für Stellwerkstechnik gibt Antworten. Denn hier wurde nicht gekleckert, sondern geklotzt.
Auf kleinstem Raum sind echte und noch dazu funktionierende Stellwerke aufgebaut – vom mechanischen Stellwerk bis zum Spurplanstellwerk, vom Drucktastenstellwerk bis zum elektronischen Stellwerk. Stellwerke zu sehen – schön und gut. Doch die Museumsgruppe wollte mehr. „Wir wollten zeigen, wie Bahnverkehr stattfindet“, sagt Klaus Funke.  Gesagt, getan: Eine Modellbahnanlage wurde gebaut – und mit den echten Stellwerken verbunden. Fortan konnten die Museums-Bahner nicht nur virtuelle Fahrten anbieten. Hier wird Bahnbetrieb ganz konkret simuliert.

Reibungsloser und sicherer Zugbetrieb

Selbst die Bahn AG ist auf die einfallsreichen Hagener Bahner aufmerksam geworden. „Können wir die Anlage nutzen?“, lautete die Frage. „Na, klar“, die Antwort.
Seither ist das Museum mehrfach für die Ausbildung zum Fahrdienstleiter genutzt worden. Für die Menschen also, die für den reibungslosen und sicheren Zugbetrieb verantwortlich sind, indem sie die Züge über das Streckennetz navigieren.
Klaus Funke lächelt. „Die Durchfallquote bei den Fahrdienstleitern war ziemlich hoch“, sagt er. „Nach unseren Praxiskursen allerdings fiel kaum noch jemand durch.“ Das echte Gefühl für Gleise, Weichen und Co. lässt sich eben doch nicht am Computer simulieren.
Die Baken am Hauptsignal schwenken nach oben. Sie zeigen jetzt grünes Licht – freie Fahrt. Klaus Funke zeigt auf zwei auf Hochglanz polierte hölzerne Apparaturen: „Sieht man so

Willkommen im Museum für Stellwerkstechnik in Vorhalle. Zweimal begrüßen Klaus Funke und seine Mitstreiter auch Besucher beim Hagener Urlaubskorb.(Foto: A. Schneider)
Willkommen im Museum für Stellwerkstechnik in Vorhalle. Zweimal begrüßen Klaus Funke und seine Mitstreiter auch Besucher beim Hagener Urlaubskorb.(Foto: A. Schneider)

nst kaum noch“, sagt er. „Das ist ein Fernschreiber und eine Handvermittlung, also so eine Art Fräulein vom Amt.“
Gegenüber zieht ein kurzer Gleisabschnitt die Blicke auf sich. „Wollen Sie wissen, wie eine Weiche funktioniert?“ Kaum hat er die Frage ausgesprochen, schon rasselt, dröhnt und klackt es – der elektrische Antrieb hat seine Arbeit getan. Züge würden nun auf ein anderes Gleis umgeleitet.

Technik nicht nur zum Angucken

Weil all die Technik nicht nur funktioniert, sondern auch fasziniert ist vor Jahren die Stadt Hagen an die Museums-Gruppe herangetreten. „Hätten Sie Lust, sich am Urlaubskorb zu beteiligen?“ Die Bahner ließen sich nicht zweimal bitten.
Auch in diesem Jahr ist das Museum für Stellwerkstechnik in Hagen-Vorhalle wieder dabei und bietet an zwei Tagen Führungen in die faszinierende Geschichte der Eisenbahn im heimischen Raum an. Kleine und große Hagener sind an den beiden Donnerstagen, 28. Juli und 11. August, von 10 bis 14 Uhr willkommen.
Hier gibt es Technik nicht nur zum Angucken: Jeder darf die Züge selbst auf die Reise schicken.  „Besonders beim Drucktastenstellwerk sind die Kinder nicht zu stoppen“, sagt Klaus Funke.

Wenn die Maus die Türen öffnet

Auch ein Team vom WDR war vor ein paar Jahren nicht zu stoppen. Deshalb nimmt das Museum für Stellwerkstechnik auch in diesem Jahr wieder am so genannten Maus-Tag teil. An diesem Tag, in diesem Jahr ist es der 3. Oktober, öffnet die Maus Türen, die nicht jedem offen stehen, und erklärt die faszinierende Technik. Eben all das, was man nicht auf den ersten Blick sieht: „Das Herz der Eisenbahn.“
Anmeldungen für den Urlaubskorb nimmt Klaus Funke entgegen, Tel. 02331 / 303980 oder per E-Mail reg.funke@arcor.de.