Elbers-Erinnerungen für Ausstellung gesucht

Im „Dunstkreis“ des 1905 errichteten Elbers-Verwaltungsgebäudes soll in absehbarer Zukunft ein kleines Museum entstehen. Hier könnte man zeigen, wie sich das 1820/24 gegründete Unternehmen entwickelt hat. Dafür werden noch Dinge gesucht, die irgendwie mit Elbers zu tun haben. (Foto: Michael Eckhoff)

Von Michael Eckhoff

Hagen. In den vergangenen 15 Jahren hat sich – wie (fast) jeder Volmestädter weiß – eine Menge auf dem Elbers-Gelände getan. Erhebliche Erfolge sind deutlich sichtbar. Das Verwaltungsgebäude war seinerzeit das erste Bauwerk, das hier grundlegend restauriert wurde – für die städtische Max-Reger-Musikschule. Nach wie vor stellt es ein sehenswertes Schmuckstück dar. Schade nur, dass sein Architekt bislang unbekannt blieb.

Seit Juni 2012 „wohnen“ auch diese beiden Herren auf dem Elbersgelände: der Museumsgründer Karl Ernst Osthaus (sitzend) und der berühmte Künstler Henry van de Velde. Die Skulptur, deren Aufstellung der Hagener Rotary-Club ermöglichte, ist eine Schöpfung des Hagener Malers Uwe Will. Architekt van de Velde entwarf 1905 etliche Möbel für das Elbers-Verwaltungsgebäude, Osthaus war mit der Familie Elbers verwandt. (Foto: Michael Eckhoff)

Kleines Museum

Im „Dunstkreis“ des 1905 errichteten Verwaltungsgebäudes soll – das besagt jedenfalls eine aktuelle Planung – in absehbarer Zukunft ein kleines Museum entstehen. Die Betreiber möchten gern – in Zusammenarbeit mit dem Hagener Heimatbund (HHB) – zeigen, wie sich das 1820/24 gegründete und Mitte der 1990er Jahre in Konkurs gegangene Unternehmen entwickelt hat. Dafür suchen die Initiatoren noch Gegenstände, Fotos, (Tage-)Bücher, Stoffe etc., die irgendwie mit Elbers zu tun haben.

Einige „Erinnerungsobjekte“ – insbesondere Fotografien – sind bereits vorhanden. So wurde unlängst ein dickes Fotoalbum eingereicht, das einige Phasen der Entwicklung zwischen 1941 und 1981 vergegenwärtigt. Hermann H. hat es angelegt, er startete anlässlich seines 40-jährigen Betriebsjubiläums im April 1981 den Versuch, „40 Jahre Elbers-Geschichte in Fotos und Anmerkungen festzuhalten“. Gestartet wird die Bilder-Schau mit einer Ansicht aus dem Jahr 1941 – da war noch keine Bombe auf das Gelände gefallen. Am 1. Oktober 1943 jedoch – beim ersten großen Luftangriff auf Hagen – wurde auch die Textilfabrik „schwer getroffen“, berichtet der Verfasser. Erste Betriebsfeiern nach dem Krieg, die Beteiligung an Messen in den Jahren ab 1949, der Wiederaufbau und ein Großfeuer am 22. Juni 1956 infolge eines Kurzschlusses in einer Druckmaschine werden im Album ebenso dokumentiert wie etwa auch die Inbetriebnahme neuer Duschräume (1957) oder ein striktes Rauchverbot in den Fabrikanlagen (1958).

Solche Perlen wie dieses Album sind natürlich rar. Sprich: Nicht jeder, der noch Elbers-„Erinnerungsstücke“ hat, kann hiermit Schritt halten. Ist auch nicht nötig. „Kleinigkeiten“ können ebenfalls wichtig sein. Leser, die Objekte beisteuern möchten, sollten sich ab dem 14. Januar bei wk-Chefredakteur Michael Eckhoff (gleichzeitig Heimatbund-Vorsitzender) melden, Mail: redaktion@wochenkurier.de, Telefon: 32211.

„Die Perle Westfalens“

Mit der seit 1999 erfolgten Wandlung zum „Elbers-Center“ ging eine rund 175-jährige Textil-Produktionsgeschichte zu Ende. Grund genug, einen kurzen Blick in die Vergangenheit zu wagen, denn schließlich waren es vor allem die Tuchmacher/-färber, die in Hagen im 18. und frühen 19. Jahrhundert zu den Vorreitern der Industriellen Revolution gehörten.

Auch wenn die Tuchfabriken später nicht in so großem Umfang betrieben wurden wie die Betriebe der Eisenindustrie, bildeten sie doch jahrzehntelang eine der Hauptstützen des Wohlstandes der Hagener. So führte Regierungspräsident Keßler 1836 in einem Bericht aus, der Kreis Hagen (der damals bis Langerfeld, heute Wuppertal, reichte) sei die „Perle Westfalens“ und verfüge allein entlang der Volme über „150 industriöse Werke“, von denen das größte die „Rotgarn- und Zeugfärberei von Elbers“ sei.

Rettung durch Baumwolle

Um 1800 überrundeten Baumwollwaren „als Artikel für den Massenkonsum alle anderen Textilsorten“, vor allem die bisher führenden Leinen-Produkte. Die Leinenherstellung und -verarbeitung war zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Westfalen in eine ernste Krise geraten (wegen enormer ausländischer Konkurrenz, die aufgrund starker Mechanisierung kostengünstiger produzierte!), und nur die Umstellung auf Baumwolle (die am leichtesten maschinell versponnen werden konnte) scheint die Textilregionen Ostwestfalens und des Münsterlandes gerettet und ihnen zu einem neuen Aufschwung verholfen zu haben.

Im südwestfälischen Bereich hingegen war die Textilindustrie eigentlich nur bis Anfang des 19. Jahrhunderts von größerer Bedeutung – insbesondere nach dem Siegeszug der mechanisch versponnenen und verwobenen Baumwolle geriet die Region im Süden der Provinz Westfalen ins Hintertreffen. Fortan ragte in dieser Region gerade noch der Raum Hagen/Schwelm als kleineres textilindustrielles Zentrum hervor – mit Elbers als „Top-Unternehmen“.

Start mit Quincke

Doch am Anfang stand nicht Elbers, sondern die Iserlohner Familie Quincke. So ist bekannt, dass es in der „Öge“ bei Hagen (das ist etwa dort, wo heute der Betriebshof der Mark-E in Oberhagen zu finden ist) einen 1820 gegründeten Quincke‘schen Betrieb gegeben hat. In diesen Quincke‘schen Betrieb stieg 1822 Carl Johann Elbers ein. Das Miteinander währte allerdings nur zwei Jahre – schon 1824 übernahm Elbers die Färberei in alleinige Verantwortung und erweiterte sie kurz darauf beträchtlich.

2012 wurde unmittelbar vor dem Verwaltungsgebäude ein Schild enthüllt, das „Elbers“ als wichtigen Standort der touristischen Industriekulturroute durchs Ruhrgebiet ausweist. Ein kleines Museum nahebei wäre natürlich eine sinnvolle Ergänzung. Das Schild weihten ein (v.l.): Reinhold Budde (RVR), Ina Hanemann (Untere Denkmalbehörde), Bernd Ross (Stadt Hagen) und Elbers-Manager Christian Isenbeck. (Foto: Michael Eckhoff)

Carl Johann Elbers

Carl Elbers, geboren am 30. April 1795, war 1810 als 15-jähriger in das väterliche Unternehmen, ein Hammerwerk in der Oberhagener Oege, eingetreten. Für den Sohn war es zunächst selbstverständlich, den Beruf des Vaters zu ergreifen. Doch im Jahre 1822, Carl Elbers hatte inzwischen Emilie Moll, die Tochter des Tuchfabrikanten Christian Moll, geheiratet, bot sich dem inzwischen 27-jährigen die Gelegenheit, als Kompagnon in den in der Nähe der väterlichen Hammerwerke gelegenen kleinen Färberei- und Buntwebereibetrieb Quincke einzusteigen. Carls Wunsch, sich auf eigene Füße zu stellen, entsprang eventuell der Tatsache mit, dass neben seinem Bruder auch Schwager Huth in die väterlichen Elbers‘schen Hammerwerke eingetreten war. Mit den Verwandten zusammenarbeiten zu müssen entsprach vermutlich nicht dem Sinn von Carl Elbers, der dann lieber dem Rotfärber Quincke dessen Betrieb 1824 abkaufte, um ihn zu einer großen Türkischrotgarnfärberei auszubauen.

Seit 1840 hatte Carl Elbers seine Fabrik immer wieder erweitert und ausgebaut. Im Jahre 1853 wurde unter anderem ein großes massives, dreistöckiges Druck-Gebäude errichtet. Kurz vor der Fertigstellung starb Carl Elbers 58-jährig in Berlin an einer schweren Magenentzündung. Seine drei Söhne führten nun in harmonischer Zusammenarbeit den Betrieb des Vaters weiter, heißt es in einer 1922 anlässlich des hundertjährigen Jubiläums erschienenen Festschrift, der wesentliche Teile der Elbers-Firmengeschichte für diesen Beitrag entnommen worden sind.

1921, ab 1920 als Gebrüder Elbers Aktiengesellschaft firmierend, stellte sich das Werk nach Überzeugung seines damaligen Direktors Wilhelm Elbers in organisatorischer, technischer und technologischer Hinsicht mit den optimalsten Mitteln ausgerüstet dar, so dass es ihm laut Elbers gelang, seinen Platz im deutschen Wirtschaftsleben erneut einzunehmen. Doch diese Einschätzung hat nicht lange Bestand gehabt. Ende der 1920er Jahre (Weltwirtschaftskrise) nahmen erneut die Probleme überhand. Das „Aus“ war nicht abwendbar, vor allem, weil man nicht mehr wettbewerbsgerecht produzieren konnte.

Doch zumindest die Produktion bedruckter Dekorationsstoffe wurde „gerettet“ – ab 1932 von der „Gesellschaft für Elbersdrucke mbH.“. Allerdings nutzte das neue Unternehmen nur noch rund die Hälfte des bisherigen Geländes. Der Rest scheint verkauft worden zu sein – so an die Feuerlöschgerätefirma Meyer.

Es war einmal …

Die Hagener Elbersdrucke existierte dann noch fast bis zur Jahrtausendwende. Dass die Firma das neue Jahrtausend nicht mehr erleben konnte, ist vor allem auf die Machenschaften einer Buchhalterin zurückzuführen. Diese Frau unterschlug im Laufe weniger Jahre mehrere Millionen Euro – davon konnte sich das Unternehmen nicht erholen und „schlitterte“ in die Insolvenz. Lediglich der Name „Elbersdrucke“ ist heute erhalten geblieben – aber nicht mehr in Hagen, sondern als „Marke“ einer in Bramsche bei Osnabrück ansässigen Raumausstatterfirma („Rasch“).

Übrigens: Auch im neuen HagenBuch 2013 ist ein größerer Beitrag zur Entwicklung von Elbers enthalten – für 15 Euro zu kaufen in jedem „normalen“ Buchladen.