Klaus-Peter Bülbring ist seit vielen Jahren COPD-Patient. Die daraus resultierenden Brüche verursachten starke Schmerzen. (Foto: Sandra Schievelbusch)

Hagen. (san) „Diese Schmerzen wünsche ich niemandem,“ erschaudert Klaus-Peter Bülbring noch immer, wenn er an das vergangene Osterfest denkt. Frisch operiert an einem Lendenwirbel- und Brustwirbelbruch verbrachte der COPD-Patient die Feiertage ohne die ihm von den Ärzten verschriebenen morphinhaltigen Medikamente.

Die Schmerzen waren immens, besonders, da eine der Bruchstellen unmittelbar auf das Zwerchfell drückte. Bei der chronischen Lungenerkrankung ist es jedoch wichtig, dass der Patient gut durchatmen kann. „Das war bei den starken Schmerzen aber unmöglich,“ schildert der Leidende.

Verweigert wurden ihm die Medikamente beim ärztlichen Notfalldienst in der Grünstraße.

Brüche durch Osteoporose

Doch der Reihe nach:

Die Brüche zog sich der ehemalige Fernfahrer aufgrund seiner Osteoporose zu. Diese wiederum ist eine Folgeerkrankung seiner Kortison-Dauertherapie der COPD. Am 24. März wurde der 65-Jährige aus dem Allgemeinen Krankenhaus (AKH) entlassen. In seinen Entlassungspapieren an den Hausarzt wurde die „Fortführung der eingeleiteten Schmerz­therapie“ beschrieben. Zudem bekam er die entsprechenden Schmerzmittel mit, um sich ab der folgenden Woche wieder bei seinem Hausarzt versorgen zu lassen.

Da sich dieser aber im Urlaub befand, übernahm dies ein Vertretungsarzt mit dem Hinweis, sich über die Feiertage gegebenenfalls an den Notfalldienst zu wenden. Und das geschah dann am Ostersamstag – und entwickelte sich zu einer stundenlangen ergebnislosen Leidensgeschichte.

Beharrliches „Nein“

Die diensthabende Ärztin in der Grünstraße verweigerte die Ausstellung des Rezepts ohne eine Begründung. So traten Klaus-Peter Bülbrings Ehefrau Kirsten und Tochter Laura den Weg in die Notaufnahme des AKH an. Dort schickte man sie wieder zurück in die Grünstraße. Auch beim zweiten Mal blieb die notdiensthabende Ärztin bei ihrem Nein. Also befragte Familie Bülbring in ihrer Verzweiflung abermals das AKH. „Dort waren alle sehr bemüht, uns zu helfen. Keiner verstand die Verweigerung,“ so die Ehefrau.

Sture Notfallmedizinerin

Ärzte und Schwestern riefen beim Notfalldienst an, um die Wichtigkeit der Medikation zu bezeugen und stellten gleichzeitig den Kontakt zum nächsten Apotheker her, der bestätigte, die Medikamente vorrätig zu haben.

Gar der Apotheker selbst kontaktierte die Ärztin. Es reiche, ein einfaches Rezept auszustellen, das dokumentationspflichtige Rezept – da es sich hier um Medikamente nach dem Betäubungsmittelgesetz handelt – könne später nachgereicht werden.

Doch keine Bemühung half, die Ärztin beharrte auf ihrer Verweigerung. Bis heute ist die Begründung unbekannt, die Ärztin wollte sich auch auf Anfrage der Wochenkurier-Redaktion nicht dazu äußern: „Keine Stellungnahme!“

Anzeige kommt

So litt Klaus-Peter Bülbring unter den starken Schmerzen, bis sein Hausarzt ihn nach Ostern wieder medizinisch versorgte – kopfschüttelnd ob der eigenwilligen Entscheidung beim Notfalldienst. Weder die Ärzte im Krankenhaus, der Apotheker noch seine informierte Krankenkasse konnten diese Rezept-Verweigerung verstehen.

Patient Bülbring wurde geraten, eine Meldung bei der Ärztekammer vorzunehmen und hat sich anwaltlich beraten lassen. „Auf die unwillige Ärztin wird nun eine Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung zukommen,“ so Klaus-Peter Bülbring.