„Endometriose“ – eine häufige Frauen-Erkrankung

Hagen. Dr. Marc Schüßler, Chefarzt im Allgemeinen Krankenhaus Hagen (AKH), referiert über „Endometriose“. Das ist eine häufige, gutartige, aber oft schmerzhafte chronische Erkrankung von Frauen. Schüßler spricht im Rahmen des „Hagener Gesundheitsforums“ am Mittwoch, 26. März 2014, um 18 Uhr im Forumsraum des Sparkassen-Karrees. Fragen sind nach dem Vortrag erwünscht. – In einem wk-Interview gibt der Mediziner bereits einen Einblick in verschiedene Aspekte des Themas.

Dr. Schüßler, Sie sind Chefarzt der Frauenklinik am AKH und leiten das Team für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Dort ist auch das zertifizierte Endometriosezentrum angesiedelt. Was müssen sich unsere Leser/innen darunter vorstellen?

Nun, eine Zertifizierung bedeutet, dass sich das Team mit einem bestimmten Krankheitsbild sehr intensiv beschäftigt und die Behandlungsqualität dann im Nachhinein von einem unabhängigen Gremium überprüft wird. Auch wenn es heute vielleicht manch’ fragwürdige Zertifizierungen gibt, so zeigt aber auch die Anzahl der behandelten Frauen in unserem Zentrum, dass weit über die Region hinaus Patientinnen mit diesem schweren Krankheitsbild zu uns kommen. Oft sind es Frauen, die in nicht so spezialisierten Häusern eben nicht erfolgreich therapiert werden konnten. Gerade für die schweren Fälle braucht man eine hervorragende Infrastruktur. So operierten wir in der letzten Woche eine junge Frau mit starkem Kinderwunsch, bei der die Endometriose Teile der Harnblase zerstört hat. Dies kann man nur im Verbund mit spezialisierten Urologen optimal lösen.

Wie unterscheidet sich denn Regelschmerz von der Endometriose?

Das ist eine ausgesprochen schwierige Frage! Die schwierigste überhaupt, glaube ich. Schmerzempfindung ist sehr subjektiv und für den Arzt oft schwer einzuschätzen. Aber noch wichtiger ist, dass es schwere organzerstörende Endometriosen gibt, die kaum Schmerzen verursachen. Aber es gibt eben auch solche, die bei minimaler Ausprägung ein erhebliches Krankheitsgefühl verursachen. Amerikanische Studien haben gezeigt, dass Endometriose-Patientinnen mehr als 40 Tage pro Jahr krank geschrieben werden müssen. Da dies in den USA bei bedeutend schlechterer sozialer Absicherung schwerer als in Deutschland ist, sind diese Zahlen schon sehr aussagekräftig.

Warum dauert es oft so lange, bis die richtige Diagnose gestellt ist?

Weil es eben für den niedergelassenen Arzt, der ja nicht jede Frau zur Operation schicken will, nicht einfach ist, den „normalen“ Regelschmerz vom krankhaften zu unterscheiden. Und weil der Ultraschall als wichtigstes Untersuchungsinstrument eine frühe Endometriose nicht nachweisen kann.

Gibt es denn Gründe, warum manche Frauen betroffen sind und andere nicht?

Ja, die gibt es. Und die werden auch einer der Schwerpunkte meines Vortrages sein. Wir kennen mittlerweile mehrere Ursachen, aber auch Vorbeugungsmethoden. Und lindernde Maßnahmen bei Erkrankten.

Operieren – ja oder nein?

Die Operation, und zwar die radikale, ist die einzige Option, eine Dauerheilung zu erreichen. Leider kann die Erkrankung trotzdem wieder kommen. Aus diesem Grund muss meist ein individuelles Behandlungspaket geschnürt werden aus Operation und hormoneller Zusatzbehandlung, eventuell ergänzt um eine zusätzliche Schmerztherapie. Alle diese vielfältigen und genau aufeinander abzustimmenden Maßnahmen machen halt den qualitativen Unterschied eines Zentrums aus.

An wen richtet sich Ihr Vortrag?

Im Grunde ist diese Erkrankung, die ja erschreckend viele Frauen betrifft, für alle Frauen in der Geschlechtsreife wichtig. Bei welchen Symptomen müssen sie den Arzt aufsuchen, vor allem um schwere Folgeschäden und Organverlust zu vermeiden? Welche Auswirkungen gibt es auf bestehenden Kinderwunsch? Wie kann mit geeigneten Medikamenten eine leichtere Erkrankung auch kontrolliert werden? Macht eine erneute Operation beim Wiederauftreten noch Sinn?

Dr. Schüßler referiert zum Thema im Rahmen des „Hagener Gesundheitsforums“ am Mittwoch, 26. März 2014, 18 Uhr, im Forumsraum des Sparkassen-Karrees. Veranstalter ist die Stadt Hagen (Fachbereich Gesundheit und Verbraucherschutz). Der Eintritt ist frei.