„Engel“ hat neue Bleibe gefunden

Dieser Engel stammt aus dem Eilper Schutzengel-Kinderheim und konnte – dank einiger engagierter Hagener Bürger und Sponsoren – in letzter Minute gerettet werden. Jetzt ziert er den Eingangsbereich zur AKH-Kinderklinik. (Foto: J. Thormählen)

Hagen. (ME) Es ist erst ein halbes Jahr her, als der Hagener Architekt und Kulturpolitiker Jürgen Thormählen eine spontane Hilfsaktion für ein Kunstwerk startete. Seinerzeit „mobilisierte“ er auch den wochenkurier, der daraufhin die Titelgeschichte „Engel sucht dringend Bleibe“ veröffentlichte.

Die „Suche“ war erfolgsgekrönt. Der Engel wurde am gestrigen Dienstag am neuen Standort enthüllt – an der Kinderklinik des Allgemeinen Krankenhauses an der Grünstraße.

Denjenigen Lesern, die den damaligen Artikel nicht (mehr) vor Augen haben, sei kurz der Zusammenhang geschildert.

Engel erwünscht

In Eilpe gab es jahrzehntelang das Schutzengel-Kinderheim. Um 1960 wurde das Heim erheblich erweitert. „Architekt des Erweiterungsbaus war der Hagener Wilhelm Kramer,“ fand Jürgen Thormählen heraus. Durch Kramers Vermittlung erhielt die aus Hagen stammende Künstlerin Toni Tünnerhoff den Auftrag, ein Mosaik zu entwerfen, das natürlich einen Schutzengel darstellen sollte.

Das Schutzengel-Kinderheim beherbergt heute längst keine Kinder mehr. Während das alte Hauptgebäude zu einem Wohnhaus umgebaut worden ist, lohnte sich der Erhalt des 1960er-Erweiterungsbaus nicht.

Neubebauung geplant

Er wurde samt umliegendem Gelände an den Hagener Architekten Erwin Sommer verkauft. Im März 2010 sollte der Abriss erfolgen, um für eine Ein- und Zweifamilienhäuser-Siedlung Platz zu machen.

Doch dann entdeckte im März 2010 ein Mitarbeiter der Genehmigungsbehörde den „Engel“ im abbruchreifen Treppenhaus, rief Jürgen Thormählen auf den Plan und gemeinsam mit Investor Erwin Sommer und Künstler Uwe Will wurde nun beratschlagt, wie der Engel gerettet werden könnte. Wobei im März nicht einmal bekannt war, wer das Mosaik überhaupt gestaltet hatte.

Aus Hagen

Der Engel ergänzt gleichsam ein anderes vor der AKH-Kinderklinik befindliches Kunstwerk – die von Siegfried Erdmann geschaffene Bronzeplastik „Mutter und Kind“. (Foto: J. Thormählen)

Thormählen machte letztendlich die Künstlerin ausfindig. Toni Tünnerhoff, die übrigens am gestrigen Dienstag ihren 90. Geburtstag in Düsseldorf feiern konnte, wurde 1920 in Hagen geboren, wo sie das Hildegardis-Lyzeum besuchte. Als gelernte „Bankerin“ arbeitete sie zunächst im elterlichen Betrieb mit, doch nach dem Krieg nahm ihr Leben eine ganz andere Wendung – sie wandte sich der Kunst zu und wurde zunächst stark von dem früher überaus bekannten Hasper Maler Hans Slavos beeinflusst.

Es folgten ein Studium an der Akademie in München und eine lange erfolgreiche künstlerische Tätigkeit, gekrönt von allerlei Auszeichnungen. Beispielsweise erhielt sie 1967 den NRW-Kunsthandwerk-Staatspreis.

Sponsoren gesucht

Toni Tünnerhoff besuchte die „Hildegardis“ einst zusammen mit der späteren Frau des Architekten Kramer – hieraus ergab sich wohl der Kontakt, der letztlich zur Auftragsvergabe führte.

Als sich Erwin Sommer, Jürgen Thormählen & Co. einig waren, den Engel retten zu wollen, mussten sie sich um Hilfe und Sponsoren bemühen – ins Boot holten sie Thomas Kramer, Chef von Automobile K&M und Sohn des Architekten, sowie die Dahler Firma Blümel, die den schwierigen Ausbau des 1,6 Tonnen schweren Mauerwerksteils bewerkstelligte. Den Einbau an der Grünstraße übernahm die Baufirma Winsel.

Sinnvoller Standort

Nun „hängt“ der Engel an einem neuen, überaus sinnvollen Standort – er ziert den Eingangsbereich zur AKH-Kinderklinik. Der Engel ergänzt gleichsam ein anderes hier befindliches Kunstwerk – die von Siegfried Erdmann geschaffene Bronzeplastik „Mutter und Kind“. Diese Plastik wurde – hat Jürgen Thormählen in Erfahrung gebracht – von der Hagener Baufirma Schulte in den 1960er Jahren für die AKH-Augenklinik in Auftrag gegeben. „Doch dann wurde sie eingelagert,“ wundert sich Thormählen. Warum? „Das ist unbekannt!“ Erst im Jahr 2004 hat man sie „wiederentdeckt“ und dann aufgestellt. „Jetzt bilden Skulptur und Mosaik ein gelungenes Gesamtkunstwerk,“ freut sich Jürgen Thormählen.