Ennepe/Volme-Mündung: vergessene Halbinsel

Hagen. (pag/ME) Bürgergerechte Perspektiven für Industriebrache gefordert: Die Diskussionsveranstaltung „der Blaue Tisch“ des Architekten- und Ingenieur-Vereins (AIV) Mark-Sauerland e.V. auf dem Gelände zwischen Ennepe und Volme stieß auf reges Interesse. Der Verband fordert jetzt ein städtebauliches Konzept für den „malerischen“ Ort, der vielfältige Chancen für die Stadt Hagen birgt.

Zahlreiche Bürger der Stadt Hagen erkundeten in luftiger Höhe das Mündungsgebiet von Ennepe und Volme. (Foto: Klaus Meyer)

Fast hundert Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreter der Stadt Hagen diskutierten unlängst gemeinsam mit dem AIV die Konsequenzen der geplanten Bahnhofshinterfahrung am Beispiel des Industrieareals an der Mündung zwischen Ennepe und Volme. Die Teilnehmer fanden sich vor Ort auf dem Gelände ein und waren größtenteils erstaunt: Der grüne Hang der Philipshöhe prägt den besonderen Charakter dieser vergessenen Halbinsel hinter dem Bahnhof und macht ihn zu einem unverwechselbaren Ort, den es selten in einer Großstadt in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofes und der Innenstadt gibt.

Lebhaft…

Lebhaft war auch die Diskussion, in der es um die Perspektiven des Geländes ging. Derzeit ist der Ort noch geprägt von den Folgen der Industrialisierung (unter anderem Funcke & Hueck). Neue städtebauliche Konzepte könnten die Qualität des Ortes jedoch vielfältig aufwerten und möglicherweise sogar für die Naherholung nutzbar machen, wie viele Teilnehmer fanden.

„Eine wundervolle Idee wäre es, den Bereich des Zusammenfließens von Ennepe und Volme wieder ins Bewußtsein zu rücken“, sagte ein Bürger. „Die Stadt der vier Flüsse – die noch nicht so richtig zum Leben gehören – würde endlich einen großen Schritt in die richtige Richtung tun“, stimmte eine weitere Teilnehmerin der Veranstaltung ein.

Zukünftig…

Vor der Diskussionsrunde führte wk-Chefredakteur Michael Eckhoff im Rahmen eines Stadtrundganges jedoch zunächst die historische Entwicklung der Bahn und der Bahnhofshinterfahrung vor Augen. Wolfgang Mesenholl von der Planungsgruppe MWM, welche für die Planung und Koordination der Bahnhofshinterfahrung verantwortlich ist, erläuterte die zukünftige Entwicklung des Areals. Tanja Körfer, Projektmanagerin bei der Stadt Hagen, und Matthias Hegerding, Leiter des Fachbereichs Planen der Stadt Hagen, verdeutlichten, dass nicht nur die unmittelbar für die Bahnhofshinterfahrung benötigten Flächen von der Stadt in die Planung einbezogen werden, sondern ein wesentlich größerer Flächenbereich, der damit die Voraussetzungen schafft, das Gebiet städtebaulich entwickeln zu können.

Von oben…

Mit der Unterstützung der Stadtverwaltung, der Firma Peter Cramer und der Firma Willy Meyer Lichttechnik wurde das Gelände danach eingehend besichtigt. Dabei machten sich die Bürger von einer 22 Meter hohen Hubbühne aus ein realistisches Bild der geplanten verkehrlichen und städtebaulichen Situation. Für die meisten Teilnehmer stand am Ende der Veranstaltung fest: Der Rat der Stadt Hagen muss dringend über die zukünftige städtebauliche Entwicklung des Areals entscheiden.

Wolfgang Mesenholl von der Planungsgruppe MWM, welche für die Planung und Koordination der Bahnhofshinterfahrung verantwortlich ist, erläuterte die Ideen zur zukünftigen Entwicklung des Areals. (Foto: Klaus Meyer, bau-werk)

Die Stadt hat bisher diese Chance noch nicht genutzt, da bisher nur der eigentliche Trassenverlauf der Bahnhofshinterfahrung planungsrechtlich gesichert ist. Nur im Bereich des Stadtteiles Wehringhausen ist aufgrund der Nähe der neuen Straße zur Ennepe eine neue Ufergestaltung mit geplant worden. Für den Bereich zwischen Ennepe und Volme hinter dem Bahnhof fehlt ein solches Konzept.

Unterschiedlich…

Der AIV Mark Sauerland e.V. schlägt deshalb vor, für das gesamte Areal städtebauliche Ideen zu entwickeln und einen Bebauungsplan aufzustellen, welcher die unterschiedlichen Belange, wie Freizeitnutzung und gewerbliche Nutzung gegeneinander abwägt. „Ohne einen ausreichenden Anteil an Grünflächen im Bereich der Flussläufe und am Zusammenfluss von Ennepe und Volme wird kein attraktives Stadtquartier entstehen,“ so der AIV.

Der Tisch

„Der Blaue Tisch“ ist gleichermaßen Symbol und Treffpunkt, ihn hat der Architekten- und Ingenieurverein (AIV) Mark-Sauerland e.V. ins Leben gerufen. Er steht für das Engagement des heimischen AIV, der im kommenden Jahr sein 100-jähriges Jubiläum feiert. Durch den Blauen Tisch sollen bestimmte Orte in Hagen ins Visier genommen werden. Die Auswahl der Orte eignet sich auch für eine künstlerische Auseinandersetzung. Die gesamte Aktion soll als Film, DVD und als Buch zur 100-Jahr-Feier des AIV präsentiert werden. Die Vorführung des Films erfolgt anlässlich der Feier im Freien. Durch die Aktion, die Aufmerksamkeit erregen soll, entsteht ein besonderes Stadtporträt.