Entspannen und „schießen“

Ernst-Heiko Bürger, Geschäftsführer der Fotofreunde Hagen e.V., vor zwei seiner Portraits. Beide sind in der aktuellen Ausstellung im Café Mundial, Potthoffstraße 22, zu sehen. (Foto: Bärbel Taubitz)

Hagen. (tau) Sie haben Vögel, Bäume, Häuser oder Menschen im Visier und sind stets auf der Suche nach dem perfekten Schuss. Ihre Leidenschaft: Fotografie. „Wir sind keine Profis, aber Leute, die Spaß am Hobby haben!“ beschreibt Ernst-Heiko Bürger „seinen“ Club.

Fast von Beginn an gehört der jetzige Geschäftsführer zu den „Fotofreunden Hagen e.V.“. Zweimal im Monat trifft sich der „harte Kern“ von rund sechs Aktiven im Café Mundial (Allerwelthaus), wo es auch vier feste Ausstellungen im Jahr gibt.

Derzeit sind dort 16 Porträts zu sehen – das Ursprünglichste aller Fotothemen sozusagen. Im letzten Jahr lag der Schwerpunkt auf Motiven rund um die „Ruhr 2010“, der Arbeitstitel für eine nächste Ausstellung lautet „Weites Land, wilde Tiere“. Zwei Fotofreunde zeigen ihre Eindrücke aus Norwegen: Landschaften einerseits sowie Moschus-Ochsen andererseits, mit viel Geduld vom Tarnzelt aus in der Wildnis „erwischt“. Zu sehen sind die Bilder dann in der Hohenlimburger Bücherei. „Es gibt dort eine tolle Hängfläche, und die Mitarbeiter sind sehr engagiert für unsere Sache. Bei unserer Gesamt-Ausstellung zur Ruhr 2010 beispielsweise haben sie sogar einen thematischen Büchertisch zu den Fotos arrangiert,“ freut sich Ernst-Heiko Bürger.

Fachsimpeln und Bilder auswählen

Während an jedem zweiten Donnerstag im Monat im Café Mundial gefachsimpelt wird, ist immer der vierte Donnerstag zum Bildercheck da. Welche Fotos sollen für die nächste Präsentation genommen werden? Die Entscheidung fällt ohne hitzige Debatten. Jeder bekommt reihum eine Chance, seine Werke zu zeigen. „Die Ausstellungen sollen schön sein“, erklärt Ernst-Heiko Bürger. „Und schließlich gibt es jedes Quartal eine neue.“

Eine gewisse Qualität haben die vorgestellten Bilder sowieso, schließlich sind die Fotofreunde keine bloßen Knipser. „Spiegelreflex sollte es schon sein“, nennt der Geschäftsführer denn auch die gewünschte Einstiegsvoraussetzung für neue interessierte Mitglieder.

„Wir sind allerdings keine VHS!“ betont Ernst-Heiko Bürger. „Wir geben keine Fotokurse oder Telefonberatung zum Thema Kamerakauf!“

Wahrnehmung schulen

Was ihn zur Fotografie antreibt? „Entspannung! Und man nimmt plötzlich mehr wahr.” Besonders, wenn man sich ein bestimmtes Oberthema setzt, zu dem man auf die Pirsch geht. Die Palette ist dabei grenzenlos. Bei allem, was eine runde Form hat oder bei Kreuzen – vom tatsächlichen Kruzifix bis hin zu gekreuzten Ästen – kann beispielsweise der Auslöser klicken. So entstehen spannende Motivreihen. Und hat man sich erst einmal auf eine Idee ”eingeschossen”, scheint es, als sprängen einem tagtäglich immer mehr passende Beispiele vor die Linse!

Digitalfotografie

Auch dieses Portrait gehört zur derzeitigen Ausstellung der Fotofreunde Hagen e.V. im Allerwelthaus. Ernst-Heiko Bürger hat den Künstler im vergangenen Sommer beim Straßentheater auf der Altenhagener Brücke zur Ruhr 2010 eingefangen.

Als vor fast 30 Jahren die Geburtsstunde des Hagener Clubs schlug, war ans Digitalzeitalter noch nicht zu denken. Mittlerweile hat es natürlich Einzug gehalten. Keiner oder kaum noch einer, der Papierabzüge im Chemiebad erstellt. Bildbearbeitungsprogramme wie Photoshop haben die Entwicklerlösung abgelöst. Per Knopfdruck werden Fotos am PC verfeinert, aufgehellt, beschnitten, nachgeschärft, farblich verändert, verdoppelt und vieles mehr. Auch Ernst-Heiko Bürger schätzt und nutzt – wie seine Fotokollegen – die Digitaltechnik durchaus. Mal eben einen Rahmen “ziehen” ist heute Sekundensache, verglichen mit beispielsweise früher noch mühsam zugeschnittenen Papprahmen!

“Gegen bewusst eingesetzte Verfremdung ist nichts einzuwenden. Das hatten wir sogar mal als Ausstellungsthema,” erklärt der langjährige Hobby-Fotograf. „Aber: Ein Bild wird nicht dadurch gut, dass ich einen Filter drüber setze. Es ist halt die Frage, welchen Anspruch man hat: Eher ‘Kunst’ zu machen oder die Realität so authentisch wie möglich abzubilden.”

Freundschaft mit Freiberg

Eine langjährige Freundschaft verbindet die Hagener mit Fotofreunden aus Freiberg in Sachsen. Wechselnde Besuche und gemeinsame Kameratouren stehen auf dem Jahresprogramm. Ebenso gehören die heimischen “Bildermacher” dem dvf (Deutscher Verein für Fotografie) an und haben bereits an deren Wettbewerben teilgenommen.

Ausstellung

Wer einen kleinen Einblick in Arbeiten der Fotofreunde gewinnen möchte, kann die aktuelle Ausstellung noch bis 9. Februar im Café Mundial betrachten (montags bis freitags 10 bis 22 Uhr, samstags 10 bis 18 Uhr). Aufnahmen von Kindern finden sich dort ebenso wie Künstlerportraits.

Seit rund 20 Jahren hat der Club im Ferdinand-David-Park nun sein Zuhause und kann als Mitglied im Allerwelthaus e.V. die dortigen Räumlichkeiten nutzen, beispielsweise auch für Shootings. Nicht nur ein Bilderscanner, sondern auch eine Studioblitzanlage gehören zur Vereinsausstattung.

Kontakt

Grundsätzlich ist jeder Neuling willkommen. „Niemandem wird hier sofort ein Mitgliedsantrag unter die Nase gehalten. Bei so einem kleinen Kreis ist es erst einmal wichtig zu prüfen, ob man überhaupt miteinander klar kommt“, so der Geschäftsführer, der zusammen mit dem 1. Vorsitzenden Johannes Hartenstein und mit Andreas Henning die Vereinsspitze bildet.

Wer die Fotofreunde Hagen e.V. kennenlernen möchte, kann sich vorab bei Ernst-Heiko Bürger, Telefon 0 23 34 / 56 77 24, melden.