Erhalt der Wesselbachschule

Hohenlimburg. (Red.) „Warum soll diese Schule zerschlagen werden?“ fragte Andrea Plum, Schulpflegschaftsvorsitzende der Katholischen Grundschule Wesselbach, vor wenigen Tagen Hagens Oberbürgermeister Jörg Dehm beim Ortstermin ohne Umschweife. Hintergrund sind Überlegungen in Politik und Verwaltung, den Standort der Bekenntnisschule im Wesselbachtal eventuell aufzugeben und sie mit einer Gemeinschaftsgrundschule zusammen zu legen. Dies käme mittelfristig einer Aufgabe der Bekenntnisschule gleich, so die Befürchtung.

Schulpflegschaftsvorsitzende Andrea Plum überreichte mehr als 2.200 Unterschriften für den Erhalt der Katholischen Grundschule Wesselbach und die gleiche Zahl an Gummibärchen an Hagens Oberbürgermeister Jörg Dehm. (Foto: wochenkurier)

Im Beisein zahlreicher Schüler, Lehrer, Eltern und Interessenten, die ihre Kinder in Zukunft zur Wesselbachschule schicken möchten, überreichte Andrea Plum dem Hagener Stadtoberhaupt über 2.200 Protestunterschriften und die gleiche Anzahl an Gummibärchen. Die Forderung der Unterzeichner: Die Schule am Standort Neuer Schloßweg 15 soll fortbestehen!

Die Grundschule Wesselbach erfreut sich dank der konfessionellen Prägung und eines funktionierenden pädagogischen Gesamtkonzeptes einer hohen Akzeptanz. Die Anmeldezahlen für das kommende Schuljahr 2012/13 ermöglichen für den Einschulungsjahrgang eine zweizügige Klassenführung; schon jetzt laufen die bestende 1. Klasse sowie die 3. Klasse zweizügig. In der aktuellen 2. Klasse wurde die Zweizügigkeit nur wegen einer fehlenden Anmeldung nicht erreicht.

Christlich geprägt

Zahlreiche Eltern in Hohenlimburg wünschen sich für ihre Kinder eine Grundschulbildung, in der auch katholisch-christlich geprägte Elemente ihren Raum einnehmen – zum Beispiel mit Schulgebeten, Schulgottesdiensten und Glaubenssymbolen. Ein Beleg hierfür ist das Engagement eines sehr aktiven Fördervereins.

Da sich im Umfeld, insbesondere im Neubaugebiet auf dem Gelände der ehemaligen Firma Theis, zahlreiche junge Familien angesiedelt haben, erscheint eine wohnortnahe Grundschulversorgung derzeit noch sinnvoll. Die aktuelle Quote der Wesselbachschüler, die auf ein Gymnasium wechseln, liegt bei stolzen 47 Prozent.

Im guten Zustand

Für eine Nachnutzung des Wesselbach-Schulgebäudes gibt es bislang keine Pläne, auch nicht im zweiten Schulgutachten von Wolf Krämer-Mandeau. Das Schulgebäude befindet sich nach Angaben aus dem Jahr 2008 in einem guten, energieeffizienten Zustand. Hier wurde zuletzt noch umfangreich saniert und modernisiert; unter anderem in eine neue Küche, einen neuen Gymnastikraum und ein zweites Treppenhaus, das wegen strengerer Brandschutzbestimmungen notwendig wurde.

Eine Aufgabe des Schulgebäudes würde außerdem die in Hohenlimburg bestehende Problematik erweitern, die durch nicht genutzte Brachflächen beziehungsweise aufgegebene Bauwerke besteht – man denke nur an das frühere Gymnasium an der Gumprechtstraße.

Laut geltender Landesgesetzgebung genießen konfessionell gewidmete Grundschulen Bestandsschutz, wenn der entsprechende Elternwille vorliegt. Dieser auch mit den Protestunterschriften klar dokumentierte Elternwille würde mit einer Zusammenlegung trickreich umgangen“, sagen Kritiker, denn eine räumliche und organisatorische Zusammenlegung einer konfessionell gewidmeten Schule mit einer nichtkonfessionellen Schule bedeutet erfahrungsgemäß das schleichende Ende für die konfessionelle Prägung der bisherigen Bekenntnisschule.“

88 Prozent Deutsche

Oberbürgermeister Dehm lobte bei der Entgegennahme der Unterschriften in der Wesselbachschule das disziplinierte Engagement aller Beteiligten. Er gab zu bedenken, dass die Entscheidungen, die jetzt vor dem Hintergrund sinkender Schülerzahlen getroffen werden müssten, erst künftige Generationen betreffen würden. Kritisch merkte er an, dass die Schule mit 88 Prozent an deutschen Kindern und nur 12 Prozent an Kindern mit Migrationshintergrund nicht den Schnitt in ganz Hagen abbilde – hier laute das Verhältnis etwa 50 zu 50.

„Ich kann nicht versprechen, dass Ihre Forderungen eins zu eins umgesetzt werden“, so Christdemokrat Dehm, der den Protest gleichwohl als „eindrucksvoll“ einstufte und im Übrigen versprach, die geschenkten Gummibärchen zurück zu geben: „Bei den Kindern sind sie besser aufgehoben.“ Mit einer Entscheidung über den Hagener Schulentwicklungsplan ist im günstigen Fall kurz vor der Sommerpause zu rechnen.