Erinnerung ist wichtig: Ein Licht für jedes Kind

Hagen. (Red.) „Zünde ein Licht an für ein verstorbenes Kind“
– das ist die Idee hinter dem „Candle Lighting Day“, der weltweit jedes Jahr am
zweiten Sonntag im Dezember, in diesem Jahr also am 11. Dezember, begangen wird.

In der Evangelischen Pauluskirche, Gutenbergstraße 18 in Hagen, findet an
diesem Tag um 16 Uhr wieder ein Gottesdienst für verstorbene Kinder statt, eine
Stunde früher als in den Jahren zuvor.
Während des Gottesdienstes bieten die Organisatoren auch eine Kinderbetreuung
für Geschwisterkinder in der Sakristei der Kirche an. „Im Gottesdienst wird viel
Raum für das Erinnern sein. Neben dem Chor ‚Living Voices‘ gestaltet das
Jugendtheater Hagen den Gottesdienst mit“, sagt Pfarrer Jürgen Krullmann. „Im
Anschluss gibt es Kaffee und Kuchen und die Möglichkeit zum Austausch.“
„Uns ist ganz besonders wichtig, dass es um alle Angehörigen geht, die ein
Kind verloren haben“, erklärt Krullmann, der als Pfarrer auch
Krankenhausseelsorger am Allgemeinen Krankenhaus Hagen (AKH) ist. „Es war zum
Beispiel schon ein Ehepaar dabei, dessen Kind vor inzwischen 43 Jahren gestorben
ist“, erinnert er sich. „Aber auch Familien, die sich schon vor der Geburt von
einem Kind trennen mussten, finden in dem Gottesdienst einen Platz, an dem der
Kinder in sehr besonderer Weise gedacht wird.“
Platz für Trauer
So unterschiedlich die einzelnen Geschichten der Menschen sind – was bei dem
Gottesdienst am „Candle Lighting Day“ für alle gleich sei: „Es gibt einen Platz,
einen hervorgehobenen Moment für die Trauer und die Erinnerung.“ So wird während
des Gottesdienstes für jedes Kind eine Kerze angezündet. In einem Gedenkbuch
können die Namen der Kinder festgehalten und dann auch verlesen werden.
Den Gottesdienst organisiert – neben dem Seelsorge-Team des AKH und dem
Kinderhospiz Sternentreppe – auch der „Treffpunkt verwaister Eltern“, zu dem
Familien und Mitarbeiterinnen der Kinderintensivstation der Klinik gehören.
Christiane Eyring ist eine von ihnen. Als Kinderkrankenschwester begleitet
sie sterbende Kinder und ihre Angehörigen. „Wenn uns die Familien verlassen,
bleibt immer das Gefühl, dass es noch etwas danach geben muss“, sagt sie. „Zeit
und Raum für Kontakt zu Menschen, die Gleiches erlebt haben.“
Abschied gestalten
„Bei uns auf der Station versuchen wir, den Abschied von den Kindern zu
gestalten“, so Fachkinderkrankenschwes­ter Elvira Vorberg.
Eine Schwester sei freigestellt, um ausschließlich für das Kind und die
Familie da zu sein. Hand- und Fußabdrücke, eine Erinnerungskette oder einen
Holzstern nehmen die Familien aus der Klinik mit nach Hause. „Aber alles, was
dann geschieht, können wir von hier aus nicht mehr beeinflussen“, ergänzt
Christiane Eyring. „Die Familien brauchen aber oft auch noch Jahre später
Unterstützung. Das Kind bleibt ja ein Teil der Familie.“
Langer Prozess
Die Trauer sei ein langer Prozess, weiß auch Pfarrer Jürgen Krullmann. „Aber
Menschen, die nicht unmittelbar betroffen sind, vergessen das. Andere Familien
mit gleicher Geschichte haben Verständnis für die Gefühle und Ängste und auch
dafür, wie sich das Leben verändern kann.“ Aus diesen Gedanken seien sowohl der
Gottesdienst als gemeinsamer Ort des Erinnerns und Trauerns und der Treffpunkt
entstanden.
Regelmäßige Treffen
Die Gruppe kommt vier Mal im Jahr zusammen, an jedem ersten Freitag in den
Monaten Januar, April, Juli und Oktober um 20 Uhr im Gemeindehaus der
Pauluskirche.
Das erste Treffen 2017 findet am Freitag, 6. Januar, statt. Neben einem
Mitglied der Krankenhausseelsorge ist stets eine Schwester der
AKH-Kinderintensivstation dabei. „Der Treffpunkt schafft Raum und Zeit, um offen
über Gefühle, Ängste und Sorgen zu sprechen“, sagt Kerstin Blankenburg, die zwei
ihrer Kinder während der Schwangerschaft verloren hat.
Lachen und weinen
„Natürlich wird nicht nur geweint, sondern auch viel gelacht.“ Niemand sei
verpflichtet. „Manche kommen nur ein oder zwei Mal, andere bleiben dabei und
tragen die Gruppe mit – das ist ganz individuell und auch so gewollt.“
Weitere Infos gibt es über die E-Mail-Adresse treffpunkt-­eltern@gmx.de.