Erinnerungen an „Papadopoulos“

Hagen. (tau) Fast jeder Hagener jenseits der 40 erinnert sich wohl an ihn: Daniel Papadopoulos. In den 80er und 90er Jahren genoss der sympathische Änderungsschneider Kultstatus in der Volmestadt. Sein Eckladen an der Prentzelstraße 69/Hochstraße war nicht nur florierende Nähwerkstatt, sondern auch sozialer Treffpunkt. Jung und alt, arm und reich, Ordnungshüter genauso wie ihre „Schützlinge“ gaben sich hier ein Stelldichein. Für jeden hatte der sympathische Grieche ein freundliches Wort. In seinem Laden stehend winkte er den Passanten auf der Straße zu, für die Kinder hielt er immer etwas Süßes oder sogar mal eine Mark bereit. „Ungerechtigkeit konnte er nicht leiden. So kaufte er eines Tages eine Tüte voller Kleidung und schenkte sie einem benachteiligten Jungen,“ erinnert sich Tochter Eleni Athanasiadis (44).

„Hans Dampf“

Wenn die Ladentüren am Wochenende schlossen, war Papadopoulos Hans Dampf in allen Gassen. Auf Privatfesten und in Gaststätten begegnete und feierte man mit ihm. Er liebte die Menschen – und sie liebten ihn. Kein Wunder: Der gelernte Schneider wollte eigentlich Pastor werden. Aber die Oma bestand darauf, dass er einen Handwerksberuf erlernte. 1956 war Daniel Papadopoulos einer der ersten Griechen, die nach Hagen kamen. Er fand Arbeit bei den Dolomitwerken, später bei der Varta. 1960 lernte er seine Frau kennen; neun Jahre später machten sie sich selbstständig und eröffneten ihre erste Schneiderei, mit der man dann 1974 in die Innenstadt umzog.
Von Anfang an war es Daniel Papadopoulos’ Wunsch, rasch gut Deutsch zu lernen. Und das gelang ihm. Sogar als Dolmetscher half er bei der Polizei. Auch die Auftragslage in seinem Job war bestens: Allein für 16 Bekleidungsgeschäfte in der Innenstadt führte er seinerzeit die Änderungen aus.

Große Trauer

Als der bekannte Schneider im November 1997 überraschend starb, ging eine Ära in Hagen zu Ende. „Noch lange nach seinem Tod wurde ich immer wieder angesprochen. Die Menschen waren traurig, entsetzt, erzählten von ihren Erlebnissen mit Papa, viele weinten,“ erzählt Eleni Athanasiadis. Weit über zehn Jahre lang mied sie die Straße, in der das Ladenlokal ihres Vaters gewesen war. Der Ort ihrer bunten Kindheit und Jugendzeit. Wo später ihre erste Tochter noch auf Opas Nähmaschine saß und zuschaute. „Zu viele Erinnerungen“, sagt sie. „Es tat zu weh.“

In dem traditionsreichen Ecklokal ihres Vaters Daniel Papadopoulos an der Prentzel-/Hochstraße eröffnet Eleni Athanasiadis jetzt ein neues Kosmetikstudio. (Foto: Bärbel Taubitz)
In dem traditionsreichen Ecklokal ihres Vaters Daniel Papadopoulos an der Prentzel-/Hochstraße eröffnet Eleni Athanasiadis jetzt ein neues Kosmetikstudio. (Foto: Bärbel Taubitz)

Zufall und Zeichen

Eines Tages muss die Schneider-Tochter dann doch zufällig an der Prentzelstraße halten und sieht das leere Ladenlokal. Der mittlerweile selbstständigen Kosmetikerin und Visagistin schießt es durch den Kopf: „Soll ich mit meinem Studio in Papas altes Atelier ziehen?“ Als die Vormieterin ihr schließlich ein Buch überreicht, das sie gefunden hat, sind die Würfel gefallen: „Es war die alte Buchführung aus dem Jahr 1981 meines Vaters! Ein Zeichen für mich, die Räume tatsächlich zu mieten.“

Nach umfangreichen Umbauten eröffnet nun am Samstag, 6. Dezember 2014, „Eleni’s Beauty Lounge“. Hier werden die verschiedensten Schönheitsbehandlungen angeboten, ebenso Maniküre und Pediküre. Natürlich hat es sich längst herumgesprochen, dass eine „Papadopoulos“ in das traditionsträchtige Lokal „zurückkehrt“. Und wieder wird Eleni Athanasiadis angesprochen, von alten Kunden und Freunden ihres Vaters. Aber diesmal blickt sie in lachende Gesichter, die sich über ihre Entscheidung freuen und viel Glück wünschen.