Erst die Arbeit, …?

Von Claudia Eckhoff

Heute ist „Tag der Arbeit“. Nachdem sie zuletzt im öffentlichen Raum weitgehend ruhte, lässt sich die Gute nun feiern. Ist das richtig? Hat denn unser eingetrichtertes „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ keine Berechtigung mehr?

Und wo wir schon beim Recht sind: Warum wird der Arbeit ein ganzer Feiertag gewidmet – aber der Faulheit nicht? Glühende Fans hat doch die eine so gut wie die andere. Während sich die Anhänger der Arbeit zusammengeschlossen haben zu schlagkräftigen Verbänden, bleiben die der Faulheit tagträumende Individualisten. Aus purer Faulheit vermutlich. „Faule Schäfer haben gute Hunde“ – sagt ein anderes deutsches Sprichwort, das man im Land der Ewig-Arbeitsamen aber seltener hört.

Wie denkt denn der Rest der Welt über die Faulen und die Faulheit?

„Wer schnell läuft, läuft nicht lang“ – das sagen die Engländer. Das steigern die Inder mit: „Eile ist des Teufels; nur schlechte Menschen rennen.“ Und die Lappen? „Eile ist nur zum Flöhefangen gut“ heißt es im hohen Norden.
Die Italiener nehmen’s dagegen locker: „Wer nichts macht, macht nichts falsch.“ Ähnlich die Spanier: „Besser gar nicht als schlecht arbeiten!“ – „Stimmt!“, sagen die Russen, denn: „Faulheit kennt kein Rückenweh.“ Auf Niederländisch klingt das so: „Wer den ganzen Tag zuhause bleibt, kann nicht in die Gracht fallen.“

In Südamerika hat man keine Zeit für Arbeit, denn „Heute ist der erste Tag vom Rest deines Lebens.“ – „Wer keine Muße kennt, lebt nicht“ denken auch die Sizilianer.

Die Norweger betrachten es sauertöpfisch: „Morgen ist immer der Tag, an dem der Faule am meisten zu tun hat.“ Warum denn so verschnupft? Die Perser sehen das Nichtarbeiten ganz anders: „Ein Augenblick der Seelenruhe ist besser als alles, was du sonst erstreben magst.“ In Tibet betrachtet man die Faulheit philosophisch: „Nur ein ruhendes Gewässer wird wieder klar.“ Die Chinesen sagen: „Einen Tag ungestört in Muße zu verleben, heißt einen Tag lang ein Unsterblicher sein.“

Wie wäre es also mit einem internationalen Tag der Faulheit? – Bis dahin all‘ unseren Lesern wenigstens einen faulen Sonntag der Arbeit.