Eva Spors ist sauer

Hagen. (anna) Die 75-jährige Eva Spors aus der Uhlandstraße ist richtig sauer. Man hatte ihr nach einem schweren Unfall bereits im Krankenhaus einen Pflegedienst und eine Haushaltshilfe für die erste Zeit zu Hause angetragen, doch wirkliche Unterstützung hat sie dadurch nicht erfahren.

Böser Sturz

Es war am Pfingstsonntag, 15. Mai, als Eva Spors die Treppe zu ihrem Haus hinunter stürzte. Mehrere Gesichtsbrüche, ein Nasenbein- und ein schlimmer Armbruch waren die Folge des Unfalls. Vier Wochen lang musste sie im Krankenhaus verbleiben. Der Sozialdienst riet ihr, für die erste Zeit zu Hause einen Pflegedienst zu ordern denn mit ihrer gebrochenen Hand und einem gespalteten Daumen konnte die alte Dame im Haushalt wenig ausrichten.
Die Krankenkasse genehmigte ihr einen Pflegedienst insbesondere für die tägliche Körperpflege sowie eine Einkaufshilfe für eineinhalb Stunden pro Woche.

Pflegedienst nötig

Die erste Woche lief in puncto Körperpflege alles glatt. „Morgens um 9 Uhr kam eine Pflegekraft und hat mir beim Waschen geholfen.
„In der zweiten Woche gab es leichte Zeitverschiebungen, aber die habe ich noch akzeptiert. Man kann nicht immer auf die Minute genau planen. Doch dann nahm der Schlendrian stetig zu“, beschreibt die alte Dame die Entwicklung. „In den darauffolgenden Tagen habe ich oftmals in Hemd und Slip stundenlang in der Küche gesessen und auf die Waschkraft gewartet. Wenn ich mich dann telefonisch beim Pflegedienst erkundigte, wusste keiner Bescheid oder man sagte mir, ich sei erst für später eingeteilt. Schlussendlich kamen die Kräfte einfach, wann sie wollten oder manchmal auch gar nicht.“
Weil Eva Spors wegen ihrer schlimmen Gesichtsverletzungen regelmäßig gegen Mittag Termine beim Gesichtschirurgen und Kieferorthopäden wahrnehmen musste, fiel die Körperpflege hin und wieder sogar gänzlich aus. Der Pflegedienst kam einfach zu spät.

Ständig Wechsel

Ganz schlimm empfand die alte Dame den ständigen Wechsel der Pflegenden. „Jede ’neue’ Kraft fragte dann erst einmal, was sie machen solle. Die einen haben nur den Bauch und den Intimbereich gewaschen, weil sie keine Zeit hatten, andere nur den Oberkörper. Handschuhe haben die wenigsten benutzt, weil sie die angeblich selber bezahlen müssen. Dann habe ich selbst welche gekauft und sie den Frauen angeboten“, berichtet Eva Spors, die für die Wäsche der Füße und des Intimbereichs durchaus Handschuhe bevorzugt.
Ab der dritten Woche, erklärt Eva Spors, sei überhaupt keine Organisation, kein Schema mehr erkennbar gewesen. An einem Sonntag sei der Pflegedienst erst um 16 Uhr erschienen. „Man hatte mich nach Aussage der Pflegekraft dazwischen geschoben. Die arme Frau war so im Stress, weil sie schon um 16.15 Uhr in Halden sein sollte. Da haben wir eben nur ’Katzenwäsche’ gemacht, weil ich Mitleid mit ihr hatte.“
Erst nach mehreren Wochen erhielt Eva Spors die Mappe vom Pflegedienst, der darin seine Tätigkeiten für die Krankenkasse dokumentieren soll. „In sechs Wochen Pflegediensttätigkeit gibt es nur einen Eintrag“, zeigt Eva Spors die fast leere Mappe, „ich weiß nicht, wie der Dienst das alles nachtragen will.“
Mit der Haushalts- und Einkaufshilfe gab es auch immer wieder Probleme. „In der letzten Woche ist überhaupt keiner gekommen“, ärgert sich Eva Spors, die weder Staubsauger noch Putzeimer schwingen kann. „Die Woche davor musste die Hilfe früher zur Teambesprechung und konnte mir nicht einmal mehr mein Rezept einlösen.“
Jetzt hat Eva Spors von ihrer Krankenversicherung eine Pflegedienst-Verlängerung von 14 Tagen bekommen, weil sie sich immer noch nicht allein versorgen kann. Ob‘s jetzt besser laufen wird? Eva Spors zuckt resigniert mit den Schultern und sagt: „Daran mag ich nicht glauben.“