Experiment geglückt: Eisen machen wie die alten Kelten

[1/2] Eine kleine wissenschaftliche Sensation: Noch nie zuvor funktionierte die Verhüttung von Erz zu Eisen in einem solchen Rennofen-Nachbau. (Foto: LWL/ L. Klinke) [2/2] Fünf Monate Vorarbeit waren nötig

[1/2] Eine kleine wissenschaftliche Sensation: Noch nie zuvor funktionierte die Verhüttung von Erz zu Eisen in einem solchen Rennofen-Nachbau. (Foto: LWL/ L. Klinke) [2/2] Fünf Monate Vorarbeit waren nötig, um den Nachbau des keltischen Verhüttungsofens a

Hagen. (lwl) Nach fünf Monaten war es endlich so weit: Der Nachbau eines keltischen Verhüttungsofens, wie ihn die Siegerländer vor über 2.000 Jahren benutzt haben, um Erz zu Eisen zu schmelzen, ging in Betrieb. Damit gelingt einer Forschergruppe mit Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) etwas Neues: ein funktionierender Nachbau des größten Brennofens seiner Epoche in Europa entstand im LWL-Freilichtmuseum Hagen.
Vor über 2.000 Jahren produzierten keltische Spezialisten in sogenannten Rennöfen beachtliche Mengen an Eisen und sogar Stahl. Das belegen zahlreiche archäologische Ausgrabungen und Untersuchungen von Rückständen der Metallverarbeitung. Unbekannt blieb jedoch bisher, wie diese Öfen gebaut, womit sie befeuert wurden und wie die Verhüttung ablief.
Diesen Fragen geht seit Anfang des Jahres eine Kooperation aus LWL-Archäologie für Westfalen, Deutschem Bergbau-Museum Bochum, LWL-Freilichtmuseum Hagen, Ruhr-Universität Bochum und Römisch-Germanischem Zentralmuseum Mainz nach. Erste Ergebnisse des archäologischen Experiments liegen jetzt vor.
„Ungewöhnliche Birnenform“
„Keine der bisherigen Theorien zur keltischen Eisenverhüttung ließ Rückschlüsse auf den enormen logistischen Aufwand des Ofenbaus und den immensen Materialverbrauch sowohl beim Bau als auch bei der Verhüttung zu“, erklärt Dr. Manuel Zeiler, LWL-Archäologe und Leiter des Experiments. „War bereits vor dem Experiment durch die Analyse der eisenzeitlichen Schlacken klar, dass es im Siegerland eine große Eisenproduktion gab, offenbarte das Experiment, wie umfassend und großflächig der Eingriff der keltischen Hüttenleute in den Naturraum gewesen sein muss“, sagt Zeiler.
Dabei hielten sich die Forscher auf dem Gelände des LWL-Freilichtmuseums Hagen, wo das Experiment stattfand, genau an die Vorgaben, die archäologische Ausgrabungen dokumentiert hatten. „Die ungewöhnliche Birnenform und das große Volumen des Ofens stellten eine große technische Herausforderung für uns dar“, erklärt Zeiler. Der Bau des Ofens bewies nicht nur das große keltische Know-how im Lehmbau, sondern zeigte erstmals auf, dass zum Bau allein eines Ofens drei bis vier Tonnen Baumaterial nötig waren. Ein Drittel der Baustoffe musste aus teilweise 20 Kilometern Entfernung beschafft werden.
Nachdem der Bau des Ofens bewerkstelligt war, führten die Forscher eine Woche lang zwei mehrtägige Verhüttungsexperimente durch. Auch hier arbeiteten sie streng nach den archäologischen Vorbildern, und die große Brennanlage wurde nicht mit Holzkohle, sondern mit Holz befeuert: „Da für das eisenzeitliche Siegerland keine Meiler nachgewiesen sind, also Öfen, in denen Holz zu Holzkohle verkohlt werden konnte, testeten wir den Rennofen selbst als Meiler“, erklärt Dr. Jennifer Garner, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Deutschen Bergbau-Museums Bochum.
Das Resultat waren Schlacke und Stahl
Bei beiden Verhüttungsexperimenten wurden jeweils mindestens 200 Kilogramm Erz und insgesamt rund zehn Festmeter Holz eingefüllt. Das Erz konnten die Forscher teilweise schmelzen und daraus in mehreren Schritten Eisen gewinnen. „Das Resultat war nicht nur ein großer Schlackenklumpen, sondern auch ein wenig Stahl – ein Beweis dafür, dass der Experimentaufbau den eisenzeitlichen Umwandlungsprozess in Teilen rekonstruieren konnte“, erklärt Garner.
Für die Forschungskooperation ist dieses Ergebnis ein Erfolg: „Es belegt, dass Holz und eben nicht nur Holzkohle ein geeigneter Brennstoff für die Verhüttung ist“, erklärt Zeiler.
Stolz auf dieses Mammutprojekt
Allerdings herrschten nicht in allen Teilen des Ofens optimale Bedingungen. Zeiler: „Zwei archäologische Experimente mit dieser komplexen Brennanlage reichen natürlich nicht aus, um die jahrhundertelange Erfahrung der keltischen Hüttenleute zu rekonstruieren.“
An das Experiment schließt sich nun die umfangreiche Auswertung der Daten an: Nicht nur der gewonnene Stahl und die Schlacke werden analysiert, auch die Messung von Temperaturen und Abgasen in verschiedenen Bereichen des Ofens müssen ausgewertet werden. „Insgesamt sind wir stolz darauf, dieses Mammutprojekt gemeinsam bewerkstelligt zu haben. Es hat schon jetzt grundlegend neue Erkenntnisse zur Montanlandschaft im Siegerland gebracht“, erklärt Zeiler.