Expertenrat am Telefon Reicht mein Geld fürs eigene Haus?

Hagen. (Red.) „Reicht mein Geld fürs eigene Haus?“ war das
Thema unserer aktuellen Leseraktion am vergangenen Mittwoch. Alexander Nothaft
und Christian Ketzner vom Verband der Privaten Bausparkassen beantworteten die
Leserfragen. Lesen Sie hier die wichtigsten Antworten.
Frage: Fördert das Land Nordrhein-Westfalen selber auch den privaten
Wohnungsbau?

Antwort: Ja, es gibt zinsgünstige Darlehen für den Bau, Ersterwerb oder die
erstmalige Schaffung selbst genutzter Immobilien in Kommunen mit hohem Bedarf an
Wohnungen. Die Städte und Gemeinden, in denen eine Förderung möglich ist, können
Sie der Website www.nrwbank.de entnehmen. Eine Förderung in anderen Orten ist
nur ausnahmsweise möglich, zum Beispiel bei kinderreichen Familien oder wenn
Schwerbehinderte zum Haushalt gehören.
Frage: Wir wollen ein Haus kaufen. Noch sind wir zu zweit, aber wir
möchten in naher Zukunft Kinder. Worauf sollten wir bei der Finanzierung achten?

Antwort: In Ihrem Fall kann sich eine Darlehensvariante mit
Tilgungswechseloption empfehlen. Das bedeutet: Sie können den Tilgungssatz
entsprechend Ihrer Lebenssituation erhöhen oder mindern. Hat sich der Nachwuchs
beispielsweise eingestellt und Ihre Frau ist in der Elternzeit, könnten Sie
weniger tilgen. Ist Ihre Frau zurück im Beruf, können Sie wieder mehr tilgen.
Sofern Sie rentenversicherungspflichtig beschäftigt sind, lassen Sie sich am
besten auch ein Finanzierungsangebot unter Berücksichtigung der staatlich
geförderten Eigenheimrente geben.
Frage: Wir wollen uns ein Energiesparhaus zulegen. Ich habe von der
KfW-Förderung gehört, aber nicht ganz verstanden, worin die Vorteile liegen.

Antwort: Es gibt ein Darlehen in Höhe von bis zu 100.000 Euro pro Wohneinheit
für alle, die ein neues KfW-Energieeffizienzhaus bauen oder kaufen. Der
effektive Jahreszins liegt bei zehnjähriger Zinsbindung bei 0,75 Prozent.
Darüber hinaus gibt es einen Tilgungszuschuss, der die Darlehenssumme reduziert
und die Laufzeit verkürzt. Es gilt: Je besser der KfW-Effizienzhaus-Standard,
desto höher der Tilgungszuschuss, der nicht zurückgezahlt werten muss. Bei einem
KfW-Effizienzhaus 40 plus zum Beispiel gibt es einen Zuschuss von bis zu 15.000
Euro.
Frage: Wie hoch ist die Riester-Förderung für das Bauen? Unsere
Kinder sind 2007 und 2009 geboren.

Antwort: Für Sie und Ihre Frau beträgt die Grundzulage jeweils bis zu 154
Euro pro Jahr. Sie haben ein „185-Euro-Kind“ und ein „300-Euro-Kind“. Das heißt,
es kommen an Kinderzulagen jährlich noch einmal 485 Euro dazu. Das Geld bekommen
Sie, wenn Sie jeweils vier Prozent ihres sozialversicherungspflichtigen
Vorjahreseinkommens minus der Zulagen in einen Riester-Vertrag einzahlen.
Frage: Welche Zinsbindung ist derzeit optimal?
Antwort: Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Ich tendiere rate bei dem
derzeit extrem niedrigen Zins zu einer Zinsbindung von 15 bis 20 Jahren. Wenn es
erforderlich ist, können Sie nach zehn Jahren den Vertrag kündigen. Das ist
gesetzlich festgelegt. Andererseits geht es nicht nur um die Zinsbindung,
sondern auch um die Höhe der Tilgung. Wenn es möglich ist, sollten Sie
mindestens zwei, besser drei Prozent pro Jahr tilgen.
Frage: Hat NRW eine Bau-Förderung für Familien mit Kindern?

Antwort: Ja, gefördert wird der Erwerb von selbst genutztem Wohnraum und der
Kauf gebrauchter Immobilien. Die Fördermittel kommen in erster Linie Haushalten
zugute – im Übrigen auch Lebensgemeinschaften -, deren Einkommen in bestimmten
Grenzen liegt. Zum Haushalt sollte ein Kind oder eine schwer behinderte Person
gehören, wobei auch Einpersonenhaushalte mit einem Schwerbehinderten zum
Förderkreis zählen. Informieren Sie sich unter www.nrwbank.de.
Frage: Für die staatliche geförderte Eigenheimrente kommen meine Frau
und ich nicht in Frage. Können wir trotzdem eine Förderung bekommen?

Antwort: Sie können ein Darlehen aus dem KfW-Wohneigentumsprogramm nutzen.
Der Kreditbetrag liegt bei bis zu 50.000 Euro pro Vorhaben – zu einem effektiven
Zinssatz von 0,75 Prozent bei fünfjähriger Laufzeit und 1,16 Prozent bei 10
Jahren. Die Förderung ist einkommensunabhängig.
Frage: Wir sind am rechnen, ob wir uns ein Haus leisten können. Wie
viel von unserem Einkommen können wir ohne Bedenken als Kreditrate
ausgeben?

Antwort: In aller Regel rechnet man, dass maximal 40 Prozent des
Haushaltsnettoeinkommens für Zins und Tilgung ausgegeben werden sollen.
Frage: Gibt es irgendwo eine Übersicht über Förderungen für privates
Wohneigentum?

Antwort: Schauen Sie unter www.baufoerderer.de. Das ist ein Info-Portal des
Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, auf dem alle Fördermittel beschrieben
sind. Die häufigsten Fragen dazu werden beantwortet und Vergleiche angestellt.
Was die Eigenheimrente betrifft, können Sie unter www.bausparkassen.de den
Förderrechner aufrufen und sich ausrechnen lassen, wie viel Eigenheimrente Sie
bekommen könnten.
Frage: Wir haben zwei Finanzierungsangebote für den Kauf eines Hauses
aus zweiter Hand ohne staatliche Förderung. Können wir nicht auch die
Eigenheimrente nutzen?

Antwort: Ja, sowohl zum Kauf der Immobilie als auch für Maßnahmen zum
barrierefreien Umbau können Sie das Geld verwenden. Lassen Sie sich ein drittes
Angebot geben, bei dem die Zulagen und Steuervorteile der Eigenheimrente mit
berechnet wurden.
Frage: Wie viel eigenes Kapital müssen wir für den Immobilienkauf
haben?

Antwort: Wer Geld gespart hat, erhält dafür momentan kaum Zinsen. Setzt man
also mehr eigene Mittel bei der Finanzierung ein, gehen nur geringe Erträge
verloren. Das spricht dafür, mehr als den üblichen 20-Prozent-Eigenanteil bei
der Finanzierung zu wählen. Bei höherem Eigenkapitalanteil sind außerdem bessere
Kreditkonditionen möglich.
Frage: Wir wollen unser Haus modernisieren und brauchen dafür 15.000
Euro. Unsere Hausbank will uns ein so kleines Darlehen nicht geben oder nur mit
den teureren Konditionen eines Verbraucherdarlehens. Was können wir
machen?

Antwort: Fragen Sie bei einer Bausparkasse nach einem so genannten
Kleindarlehen bis zu einer Summe von 30.000 Euro. Das gibt es bei ausreichender
Bonität sogar ohne Grundbucheintrag.
Frage: Mein Mann und ich stehen kurz vor der Rente. Wir haben jetzt
das Angebot, ein kleines Haus zu kaufen. Sind wir noch kreditwürdig?

Antwort: Kreditwürdigkeit ist vor allem eine Frage der Bonität. Das heißt,
dass Sie in der Lage sind, Zins und Tilgung dauerhaft zu zahlen. Nach der neuen
EU-Kreditrichtlinie müssen die Banken die Bonität ihrer Kunden noch genauer
prüfen. Grundsätzlich ist aber eine Finanzierung auch in Ihrem Fall möglich.

Frage: Was versteht man unter einem Kombi-Kredit?
Antwort: Ein Kombi-Kredit besteht aus einem Sofortkredit, der mit einem
Bausparvertrag hinterlegt wird. Für den Sofortkredit zahlt man nur die Zinsen.
Parallel wird ein Bausparvertrag angespart. Er löst bei Zuteilung den
Sofortkredit ab. Dann zahlt man das zinsgünstige Bauspardarlehen zurück.
Frage: Wir wollen zum Hauskauf einen KfW-Kredit nutzen. Können wir
parallel die staatliche Eigenheimrenten-Förderung einsetzen?

Antwort: Ja, das ist möglich.
Weitere Informationen: www.bausparkassen.de   www.kfw.de